Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Comebacks

12. Juli 2010

Mit dem WM-Titel für Spanien ist  das Fußballfest, das die letzten Wochen beherrscht hat und auch unseren Blog bereicherte, bereits Sportgeschichte. Mit einem ehrenvollen dritten Platz haben wir als Fußballnation  nun gar keinen Grund, auf unseren Vuvuzelas eine Trauermelodie anzustimmen.

Und auch als sportbegeisterte Sprachblogger haben wir dazu keinen Grund: Immerhin spielt sich im Lande unserer westlichen Nachbarn doch gerade das unbestritten größte Radrennen der Welt ab. Und auch wenn es Insidern klar ist, dass der Grad sportlicher Herausforderung  beim Giro d’Italia nicht sehr wesentlich geringer ist (v.a. was die Bergetappen betrifft), so hat die  Tour im Bereich von Mythos und Legende wahrlich keinen Gegner. Dazu später mehr.

Der Deutschblog feierte – als aufmerksame Leser wissen Sie das – vor kurzem sein Comeback. Darum fühlen wir uns bloggend verbunden mit einem twitternden  Kollegen, einem Großmeister des spektakulären Comebacks, der bei der gestrigen 8. Etappe der Tour einen Einbruch erlebte und auf den Tagessieger fast zwölf Minuten einbüßte. Das wäre in seiner großen Zeit einfach undenkbar gewesen bei – Lance Armstrong.

„When it rains it pours I guess… Today was not my day needless to say. Quite banged but gonna hang in here and enjoy my last 2 weeks.“ ließ er die Welt via Twitter wissen.

Dies macht manchen vielleicht nachdenklich hinsichtlich des Konzepts des Comebacks an sich.

Wo hat der Begriff eigentlich seinen Ursprung? Vielleicht im Boxsport? Da galt ” They never come back”  früher als eisernes Gesetz:  Wer als Weltmeister weg war, kam nicht wieder zurück ( für Muhamad Ali galt das natürlich nicht ).

Heute ist das freilich ganz anders; wir sind von so vielen Comebacks unterschiedlicher Bedeutungsschwere umgeben, dass man nur so staunt.

So spricht das Umweltbundesamt etwa von einem  Comeback der Dose (Presse-Information 036/2010).

Ist der Himmel mit den Zurückkommenden?

Die Bibel meint:

„Alles hat seine Zeit

Ein jegliches hat seine Zeit,

und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.”

Das würde erklären, dass Comebacks nicht immer nur strahlende Erfolgsgeschichten sind, selbst dann nicht, wenn man Michael Schumacher heißt, dessen Name mit dem Wort „Comeback“ kombiniert 562.000 Google-Ergebnisse liefert.

Und auch irdische Urteile über Comebacks fallen bisweilen so harsch aus wie das der italienischen Tageszeitung Il Manifesto über Schumi:

“Ein Comeback, das stinkt”

Irgendwo zwischen Leidenschaft und Geschäft ist  der Ort der Comebacks. Man versteht sich in diesem Milieu:

So soll das Schumacher-Comeback für Armstrong „so aufregend“ gewesen sein, dass

der Amerikaner, der so gern twittert, zwitscherte: „Er ist der Größte aller Zeiten!“

Der große Sport: Leidenschaft – unbedingt, Geschäft  – ganz sicher.  Aber auch Gefühl:

“Wenn ich ehrlich bin, tut er mir sogar etwas leid, weil es seine letzte Tour war”, sagte gestern Tagessieger Andy Schleck über den geschlagenen Armstrong.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES


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