Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Zitate zieren

24. August 2010

           

 
“Ein paar grundlegende Zitate zieren den ganzen Menschen. ” Das, liebe Leserinnen und Leser, soll Heinrich Heine gesagt haben.  Und es ist ja so wahr. 
  
Zitate werfen nicht nur ein erhellendes Licht auf den Zititierten und mehren dessen Berühmtheit, Zitate rücken auch den Zitierenden ein klein wenig an diesen Lichtkegel heran, veredeln seinen Text, kurz: Sie geben Glanz.
  
Das Wort “Zitat” leitet sich ab vom lateinischen “citatum”, “das Angeführte/Erwähnte”, dem Partizip Perfekt des Verbs  ”citare”, “herbeirufen”. Letzteres stellt sich zu “ciere”: “in Bewegung setzen, herbeirufen”. Eine schöne Etymologie: Denn ein gut gewähltes und geschickt “eingebautes” Zitat ruft in der Tat die Geisteswelt des Zitierten herbei und ist angetan, beim Leser Gedanken in Bewegung zu setzen. Freilich will der Umgang mit Zitaten – und  in diesem Punkt sind sie vielleicht Gewürzen vergleichbar – geübt sein, geprägt vor allem von viel Fingerspitzengefühl, einer sicheren Hand und dem rechten Maß. 
  
Nicht alle Aussprüche, Textstellen und Aphorismen, die uns in unserer täglichen Arbeit so unterkommen, finden ihren Weg immer gleich in den Deutschblog. Dennoch wäre es ein Jammer, wollten wir Ihnen diesen Reichtum vorenthalten, weshalb wir heute – locker thematisch geordnet –  einige unserer Lieblingszitate präsentieren: Lassen Sie sich also ein auf die Gedankenwelt der Zitierten!
  

Anglizismen:          

Das finale Statement zu Anglizismen stammt unserer Meinung nach von Modemacherin Jil Sander (im Magazin der Frankfurter Allgemeine) : “Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die Hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewusste Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.”          

  
Wörterbücher:    
“Ihrer natur nach können bücher dieser art erst gut werden bei zweiter auflage.” 

 (Jacob Grimm )       

 
“Man laß´ein Wörterbuch nur den Verdamten schreiben. Dies’ Angst wird wol der Kern von allen Martern bleiben.”       
(Kaspar Stieler im Vorwort zu seinem deutschen Wörterbuch “Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs oder Teutscher Sprachschatz” , 1691, (zitiert bei G. Drosdowski in “Die Leiden eines Wörterbuchmachers” ; Festschrift für den Linguisten Harald Weinrich)       

   

„Einen Haufen Bücher mit übelerfundenen Titeln gibt es, die hausieren gehen und das bunteste und unverdaulichste Gemisch des mannigfalten Wissens feil tragen. Fände bei den Leuten die einfache Kost der heimischen Sprache Eingang, so könnte das Wörterbuch zum Hausbedarf und mit Verlangen, oft mit Andacht gelesen werden. Warum sollte nicht der Vater ein paar Wörter ausheben und sie abends mit den Knaben durchgehend zugleich ihre Sprachgabe prüfen und die eigene auffrischen? Die Mutter würde gern zuhören.“        
(Jacob Grimm )   
 
 
“Wörterbücher sind wie Uhren. Die schlechteste ist besser als  gar keine; und von der besten kann man nicht erwarten, dass sie ganz genau geht.“    (Dr. Johnson)    
 
 
“Worte sind wild, frei, unverantwortlich und nicht zu lehren. Natürlich kann man sie einfangen, einsortieren oder sie in alphabetischer Reihenfolge in Wörterbücher stecken. Aber dort leben sie nicht.”    
(Virginia Woolf )    
 
 
Gedichte:   
 
„A WORD is dead         
When it is said,         
 Some say.         
I say it just         
Begins to live                
That day.“        
(Emily Dickinson)       
“Baum war es unverfälscht [...]        
und die Worte in seinem unerschöpflichen Wipfel        
funkelten durchsichtig und tönend,        
fruchtbar im Laubwerk der Sprache,        
voller Wahrheit und Wohlklang.        
Wörterbuch, du bist nicht Grab,        
nicht Friedhof, nicht Sarg,        
Hügel der Toten, Mausoleum,        

  

sondern Bewahrung,         
verborgenes Feuer, Rubinengarten,         
lebendige Verewigung des Seins,         
Kornspeicher der Sprache. „         

 

(Pablo Neruda, “Ode an das Wörterbuch ”)      
„Dich aber, süße Sprache Deutschlands,          

Dich habe ich erwählt und gesucht, ganz von mir aus.          

In Nachtwachen und mit Grammatiken,          

aus dem Dschungel der Deklinationen,          

das Wörterbuch zur Hand, das nie den präzisen Beiklang trifft,          

näherte ich mich Dir.“          

(Jorge Luis Borges,    ”Ode an die deutsche Sprache“ )      

   

   

Semantik:          

“Mein Großonkel warf mich aus seiner Firma, verfluchte mich und enterbte mich. Ich kehrte zu Studien zurück, die meinen Neigungen und meinem Glauben an die letztendliche Zwecklosigkeit des Lebens und des Wissens eher entsprachen, und vertiefte mich mit Wonne in Literatur, Linguistik und Semantik [...].”      

(Michel Rio: Passatwinde. 1984.)          

Deutschlernen:      

“Worum geht es? Man erwartet von Deutschlernenden, dass sie wissen, wo Rhein und Elbe liegen, dass Goethe kein Städtename ist usw. Das ist vermutlich Allgemeinbildung und wird übrigens in offiziellen Deutschprüfungen in der Regel nicht vorausgesetzt (was bei französischen Französisch-Prüfungen hingegen möglich ist). Oft geht man auf politische Bildung aus. Was ist eine Bundesrepublik? Dann scheint man wieder zu denken, Deutschlernende müssten die deutschsprachigen Länder auch mögen oder zumindest interessant finden, ihnen menschlich näher kommen. Und schließlich hat man entdeckt, dass Sprechhandlungen oft nicht gelingen wollen, wenn das Wissen um nicht-versprachlichte Kontexte fehlt. Zum Geburtstagskaffee bringt man keine Hinkelsteine mit. Morgens sagt man ‘Guten Morgen’, riskiert aber damit nach 10, der Langschläferei verdächtigt zu werden.”      

(Achim Seiffarth, “Von der Reproduktion zur Produktion. Deutsch-italienische Kulturübungen” in: Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht, 2002) 

Rechtschreibreform:          

“Ist aber ein wirkliches Bedürfnis zu einer          

großen Reform in einem Volke vorhanden,          

so ist Gott mit ihm, und sie gelingt.“          

(Johann Wolfgang von Goethe 1824 )      

“Ich persönlich werde in meinem Leben nicht mehr zur vollen Beherrschung der neuen Rechtschreibung vorstoßen.”          

(Angela Merkel, B.Z. Berlin, 25. 7. 2004)      

„In der Kalligraphie beweist man Geschmack, in der Orthographie macht man          

Fehler“. Für die Orthographie gilt: „Ihr Nimbus ist denkbar schlecht. Der Orthographiekundige steht  nie im Ruf des Künstlers, allenfalls dem des Beckmessers“          

( Christian Stetter: Orthographie als  Normierung des Sprachsystems. In: HSK 10.1, 687– 697)      

  

Liebe:  

„Deutsch begeistert mich. Diese Tiefe, dieser Reichtum, diese Deutlichkeit. Ich knie nieder vor dieser Sprache. Sie ist ein Geschenk.“  

(Xavier Naidoo)  

  

Internet:          

 „Das Internet ist das maschinelle Gedächtnis der Welt. Nihil est in intellectu, quod non prius fuerit in sensibus: Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen gewesen wäre heißt der 1. Grundsatz des sensualistischen Empirismus. Nun gilt Nihil est in memoria, quod non prius fuerit in Internassa.“          

(Alois Brandstätter,  österreichischer Schriftsteller und Sprachwissenschaftler)      

    

 Andreas Cyffka 


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHLICHES, LEXI, POESIE


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