Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Die Magie der Zahl – 4.440

15. September 2010

Bei der laufenden Erweiterung von PONS Die deutsche Rechtschreibung blinkte uns von unseren Bildschirmen dieser Tage die Zahl 144.440 entgegen – die Zahl der Stichwörter,  die Sie, liebe Leserinnen und Leser, in PONS Die deutsche Rechtschreibung nachschlagen können. Irgendwie ist  es ja auch nur gerecht, wenn Sie die Wörter nachschlagen, die Sie uns zugereicht, zutelepathiert, aus ihrem heimatlichen Sprachrevier zugewidmet haben.  Von vornherein als echtes Web 2.0-Projekt angelegt, funktioniert unser Onlinewörterbuch damit nicht nur als  Onlinewörterbuch, sondern ist ein Beweis, dass Sprache emotionale und kreative Potentiale, durchaus Flow-Erlebnisse, freisetzen kann. Das wäre dann gewissermaßen die ins Positive gewendete Kraft, der Beweis, dass das Nachdenken über Deutsch heute keinesfalls nur negativ in die Domäne jener fällt, für die Anatol Stefanowitsch auf seinem Blog den Begriff “Sprachnörgler”  geprägt hat. 144.440 – diese markante Ziffernfolge macht es gewiss verzeihlich,wenn auch wir deskriptiven Lexikografen einmal uns eines sprachmagisch verklärten Blickes überführen lassen.

Nun ist es mit der Sprachmagie so eine Sache die auch mal danebengehen kann, weshalb leicht das BILD  entsteht, es handle sich um reinen Unsinn.  

Wikipedia weiß über die Ziffer vier, dass die griechischen Naturphilosophen die  vier Elemente (Feuer, Wasser, Erde, Luft) als Grundbestandteile allen Seins ansahen . Auch: “ Da es neben den vier Elementen vier Himmelsrichtungen, Jahreszeiten und Temperamente gibt, galt die Vier im Mittelalter als die Zahl des Irdischen.” Auch wenn wir weitestgehend nicht mehr im Mittelalter leben:  144.440 wäre dann  - wenn sie mir diese Euphorie zugestehen wollen  – die vierfache Manifestation einer eines ganz irdischen Erfolgs, der auch der Ihrige ist.

Sie haben diese launigen Betrachtungen doch nun nicht etwa als Zeichen beginnender Unernsthaftigheit auf diesem Blog gedeutet? Das sind sie nicht , weil wir ein gerüttelt  Maß an Unernsthaftigkeit im Sinne von Humor  zum einen schon konzeptionell als legitime Blogingrendienz ansehen, zum anderen Unernsthaftigkeit ja meist nur durch eine hauchdünne Differenz von der Ernsthaftigkeit geschieden wird.  So zeigt etwa der Linguist Hardarik Blühdorn vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim in einem ZEIT-Artikel , dass Zahlen nicht nur unter mathematischem oder magischem Aspekt interessant sind, sondern auch unter sprachlichem:

Zum Beispiel, dass in gewissen Bereichen der Zahlenbenennung Uneinheitlichkeit herrscht. “Warum zum Beispiel sprechen wir von den »neunziger Jahren«, kennen aber kein Wort, das die ersten zehn Jahre eines Jahrhunderts zusammenfasst? Die »nuller Jahre« klingt nicht nur seltsam, es wäre auch falsch. Wir haben nun mal keinen Oberbegriff, mit dem man die Zahlen eins bis zehn erfassen könnte, da es keinen gemeinsamen Wortbestandteil wie »-zwanzig« oder »dreißig« gibt.”

So ist es mit den Zahlen: Bis wir auf diesem Blog Stichwort 155.550 vermelden, werden Sie  “die Achtzigerjahre/die achtziger Jahre /die 80er -Jahre/die 80er Jahre” und Konsorten noch zigmal in PONS Die deutsche Rechtschreibung nachgeschlagen haben.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FREUT UNS, LEXI, POESIE, WICHTIGES


Kommentare

  • Neelix |  21.09.2010

    Hm, die nuller Jahre scheinen sich schon durchgesetzt zu haben. Über 7000 Treffer bei Google und ein netter Buchtitel (unter einigen anderen): “Unsere Nullerjahre: Das Jahrzehnt der Bagels, Blogs und Billigflieger”

  • Louise Cyffka |  21.09.2010

    Vom Jubiläum der “Nuller Jahre” ist auch die Rede s.: “Zehn Glückwünsche zum zehnten Geburtstag: Die Nuller-Jahre” – Was zunächst einen seltsam-ungewohnten Klang in den Ohren hatte, ist nun doch geworden – zutreffend trifft’s eben!
    [Quelle]:http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/472066

  • luli |  26.10.2010

    naja das ist doch auch bloß wieder sone fase … wie mit der pubertät… oder büchern man ließt sie und danach stellt man sie in die ecke und ließt was meues …


Seite auf
Feedback