Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Rechtschreibflames

27. September 2010

Durch das Netz surfend  auf der Suche nach dem Deutschbloggen gewogenen Brandungen ergoogelte ich mir dieser Tage ein Wort, das mich stocken ließ: Rechtschreibflames. Das Wort ließ mich nicht nur staunen, sondern auch an mein Alter denken. Denn der englische Ursprung des zweiten Wortbestandteils, kess angeheftet an mein Trademark-Thema, ließ mich bereits vermuten, dass dies ins Reich der Jugend führen würde.  Und richtig:  Wikipedia erklärte mir, dass ein Flame aus dem Englischen kommt ( im Gegensatz zu einem Flamen, dachte ich, weil dieser aus Flandern kommt) und “ein ruppiger oder polemischer Kommentar bzw. eine Beleidigung in einer E-Mail-Nachricht, Chatsitzung, einem Forenthread oder in einem Wiki ist.”  Der Flame werde  gerne für aggressive Beiträge ohne Sachbezug verwendet. Wenn es also zum virtuellen Äußersten kommt, und der User Generated Content zum Waffengang, dann liegt gar ein Flame-War vor -  ” eine kontroverse Diskussion, bei der die Teilnehmer unsachlich und schließlich beleidigend werden. Ein Flame-War entsteht meist aus einer sachlichen Diskussion, die dann in Nebenkriegsschauplätze abrutscht. Typisch ist dabei, dass die „Argumente“ Schlag auf Schlag geliefert werden, so dass der Flame-War am Leben bleibt.” (Wikipedia)

Auch auf Gameservern werde Flaming betrieben. Ach, das ist interessant. Dann geht es beim Gamen also nicht nur um Spielen, aber bei der Rechtschreibreform ging es ja auch nicht nur ums rechte Schreiben.

Der Blogger grübelt: Wie kriegt er nun die Kurve in diesem Artikel? Flame, Flame-War? Richtig: War ist Krieg,  vielleicht Rechtschreibkrieg, sagen wir: orthography war? Ich googele, also bin ich. Richtig, es gibt eine Spur. Und die führt von der Spielkonsole direkt in ehrwürdiges Terrain, zum einem wissenschaftlichen Verlag.

Das kurze Summary des Buches sagt auf Englisch: “How does a country find itself ‘at war’ over spelling? This book focuses on a crucial juncture in the post-communist history of the Czech Republic, when an orthographic commission with a moderate reformist agenda found itself the focus of enormous public controversy.” Im Detail:

“Delving back into history, Bermel explores the Czech nation’s long tradition of intervention and its association with the purity of the language, and how in the twentieth century an ascendant linguistic school – Prague Functionalism – developed into a progressive but centralizing ideology whose power base was inextricably linked to the communist regime. Bermel looks closely at the reforms of the 1990s and the heated public reaction to them. On the part of language regulators, he examines the ideology that underlay the reforms and the tactics employed on all sides to gain linguistic authority, while in dissecting the public reaction, he looks both at conscious arguments marshaled in favor of and against reform and at the use, conscious and subconscious, of metaphors about language.”

Der Blogger grübbelt: Hat er “Czech nation” gelesen? Zumindest einige Schlüsselbegriffe erinnern ihn an die letzten 14 Jahre in der German nation: “reform, “heated public reaction”, “tactics employed on all sides”, “metaphors about language”.

Es scheint, dass Eingriffe in Sprache und ihre Schreibung, grundsätzlich starke Reaktionen auslösen (müssen), denn : “Jede Sprache hat ihre eigene Rechtschreibung, die mit der Geschichte der Sprache gewachsen ist. Auch die deutsche. Sie ist ein Stück ihrer Identität.” (Horst Haider Munske)

Das Allensbach-Institut konstatierte 2004 hinsichtlich der Akzeptanz der Rechtschreibreform: “Immer größer wird dagegen der Anteil derer, die mit den Achseln zucken und sagen: “Ist mir egal”. Er liegt inzwischen [im Jahre 2004; Redaktion] bei 38 Prozent. 1997 sagten das nur 20 Prozent.” Es wäre interessant, wie die Zahl heute – sechs Jahre später – lautet.  “Alt” schreiben, “neu” schreiben – “geflamt ” wird wohl nicht mehr so, dass es zum orthographic war reichen würde.  Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FUNDSTÜCKE


Kommentare

  • Norbert |  27.09.2010

    Ich vermute die steigende Akzeptanz rührt einfach daher, dass die Leute merken, dass es kaum jemanden juckt, wie man schreibt.

  • Deutschblogger |  28.09.2010

    Das ist sicher ein Argument, Norbert. Wir hoffen natürlich, dass immer noch viele Rechtschreibung für wichtig halten!


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