Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Redet erotisch – und liebt die Sprache

20. September 2010

Das Sammeln von Wörtern, von neuen und alten Wörtern, ist eine spannende Sache und die jeweiligen Sammler nötigen uns immer wieder Respekt ab. taz-Blogger Detlef Guertler etwa fordert unseren Respekt mit Humor und seiner Nähe zum aktuellen Spanischen ein, wenn er schreibt:

“Mileurista ist spanisch, und der Begriff für Erwerbstätige, die nicht mehr als 1000 Euro im Monat verdienen. Milwortista ist ein daran angelehnter Hispanizismus (sagt man das so?) für Blogger, die nicht mehr als 1000 neue Wörter gefunden haben.”

Das sagt man nicht ganz so, “Hispanismus” wäre der Begriff, aber “Hispanizismus” lag doch schon ganz nah dran. Und “Mileurista” findet man im OpenDict des Onlinewörterbuchs Spanisch auf PONS.eu.

“2854 Kommentare, also fast drei pro Beitrag, kein Spitzenwert für Alpha-Blogger, aber doch über die Jahre ein stabiles Echo” hat Detlef Guertler sicher verdientermaßen mit seinem Bloggen eingefahren. “Alpha-Blogger” – was für ein Sehnsuchtswort! Liebe Leserinnen, liebe Leser, klicken Sie einfach auf die Überschrift dieses Beitrags (oder jedes anderen Beitrags auf diesem Blog, der Ihr Sprechbedürfnis weckt) und kommentieren Sie!

Wie stieß ich auf den taz-Blog? Nun durch dessen Erwähnung auf dem geschätzten Sprachlog, in jenem Artikel in dem Anatol Stefanowitsch in unnachahmlicher Weise von der “humorbefreiten Blödhaftigkeit” des Sprachnörgeln spricht.

Sprachnörgeln. Das Wort lässt aufmerken. Wird nicht überall um uns herum an der Sprache, an der deutschen Sprache … nun ja, genörgelt? Kritisiert, diagnostiziert, ihr Untergang prognostiziert?

Nehmen wir einmal die Sopranistin Edda Moser.  Edda Moser (67) ,  Professorin an der Kölner Musikhochschule und Initiatorin des „Festspiels der deutschen Sprache“, sieht manchen Trend der deutschen Gegenwartssprache als Zeichen des Verfalls. Eine “tief sitzende Angst vor echten Gefühlsäußerungen” lasse Menschen zum Anglizismus greifen. Wir Kinder einer coolen Zeit empfänden “Scham vor der Farbe, vor der Tiefe, vor dem Timbre der deutschen Sprache”.  Studentinnen, die in Frau Mosers  Seminaren „okay“ sagen, müssen einen Euro zahlen und  den Männern sagt die Professorin, wenn diese mal Denglisch schwurbeln: “Wenn Ihr so redet, seid Ihr unerotisch.”

Die streitbare Deutschliebhaberin stört sich nicht nur an Anglizismen, sondern etwa auch an schiefem Werblichen: „11833, da werden Sie geholfen“. Ihr expressives Diktum “Unsere Sprache verendet wie ein krankes Tier“  verleiht ihr  im Konzert der Sprachkritik ganz sicher besondere Medientauglichkeit.

Von sprachkritischem Blick, wenngleich aus ganz anderem Winkel, zeugt auch das Schaffen Bodo Mrozeks. Wo andere böse Denglisch-Neu-Unwortgetüme zum Feindbild haben, beklagt er den gegenteiligen Prozess: das rätselhafte Verschwinden von Wörtern aus der Sprache.  Was er als vom Aussterben bedroht sieht – Wörter wie “Hagestolz”, “Kaltmamsell” oder “Wählscheibe” (Sie erinnern sich: die von Opas Festnetztelefon) – hat er in sein Lexikon der bedrohten Wörter gepackt.

Während andere sich Sprachsorgen machen,  sieht es Comiczeichner Rötger Feldmann (alias ” Brösel”) eher entspannt: Der Erfinder von Kultfigur “Werner” über Sprachfragen:


“ Wir haben schon immer so geschrieben, wie wir sprechen . . . So schreibe ich auch in Briefen: “Wir warn im Hamburch und ham tüchtich ein gehabt…” (Nordkurier-Online, 15. 9. 1999)

Wir hoffen, liebe Leserin, lieber Leser: Möge Ihr Verhältnis zur Sprache ein liebendes bleiben,  ein wenig wie bei Edda Moser. Ein achtsam-waches auch (wie bei Bodo Mrozek).  Last not least aber auch ein augenzwinkernd-entspanntes. Und im Falle rechtschreiblicher Nöte können Sie mit wenigen Mausklicks das Problem mit einem Wernerschen “Hau wech!” an PONS Die deutsche Rechtschreibung delegieren.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES


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