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Weil richtig schreiben wichtig ist

YOU DON’T GET TO 145.000 WORDS WITHOUT MAKING A FEW FRIENDS

28. Oktober 2010

PONS DIE DEUTSCHE RECHTSCHREIBUNG : YOU DON’ T GET TO 145.000 WORDS  WITHOUT MAKING A FEW FRIENDS


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, POESIE, SCHEINWERFER

Kommentare

  • Sascha |  13.04.2011

    Nettes Teil ;)

  • Danny |  09.02.2013

    Schön. Das gefällt ;-) Daumen hoch!

Im Exil – Briefe aus dem Offline

28. Oktober 2010

 

Diesen  Monat berichtete das jetzt-magazin   über die Brüder Wilsson und Sebastian Kohnert. Sie  haben den 20. Oktober 2010 zum “Offline-Day” deklariert. 

“Wir haben nichts gegen das Netz, aber wir wollen einen Tag Pause machen, damit man sich seiner Gewohnheiten bewusster wird. Es ist ja so, dass wir uns immer abhängiger machen von E-Mails checken, Statusmeldungen checken und alles mögliche erledigen im Internet. Deshalb wollen wir sagen: „Wir machen einen Stopp. Das Internet ist für mich da und nicht ich fürs Internet.“

Obschon auch  nicht die ganze Welt mitgemacht haben dürfte beim Offline-Day, erhielt die Idee erstaunliche Resonanz. So filmte ein Team des WDR, wie die Kohnert-Brüder den Tag verbrachten.  Das will mal bedacht  sein: Ein Tag ohne Internet als Filmthema. Dabei sind die  Brüder keine Internethasser, sondern auch Blogbetreiber.

Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die Medienlandschaft . Der Journalist und Blogger Christoph Koch hat darüber ein Buch geschrieben:  “Ich bin dann mal offline” . Verehrungswürdig geradezu fand ich den Werbetext:  “Christoph Koch ist dahin gegangen, wo es richtig weh tut: offline. Und hat getestet, was vom Leben übrig bleibt. Ein bekennender Online-Junkie zieht den Stecker. Und entdeckt das wahre Leben 1.0. Die etwas andere Nulldiät: informativ, inspirierend, unterhaltsam!”

Während sich Kochs Buchtitel rein sprachlich als Hapeismus und somit als eine Art Neoidiom betrachten lässt, ersannen Autor und Verlag eines ziemlich themenverwandten Buches einen Titel, der auf die Doppelbedeutung des Wortes “Netz” anspielt: Das Buch von Axel Rühe heißt “Ohne Netz”. Auch dieser Autor ist “im Normalleben” ein ständig das Internet nutzender Journalist, auch er hat  sechs  Monate lang für sein Buch ohne Internet agiert und Autor und der Verlag Klett Cotta mussten in dieser Zeit ohne Netz und doppelten Boden alle Schwierigkeiten meistern, die das Offline-Schaffen so mit sich bringt,  was auf dem Blog Netzstille nachzulesen ist.

Der Stern berichtet gar  über existenzielle Verzweiflung von Menschen, die gewissermaßen ins Offlineexil geschickt werden – von Facebook. “Wer bei Facebook zu viele Nachrichten schreibt oder zu viele Pinnwandeinträge macht, wird von der Plattform entfernt. (…) “Ich kann nicht ohne Facebook leben”, sagt Nitin und hat auch schon eine Beschwerde an Facebook gemailt. Nun wartet er auf eine Antwort. In der Zwischenzeit heißt das für Nitin: keine Nachrichten, keine Pinnwandeinträge, keine Freunde poken oder “lovability-Anfragen” starten. Das ist für ihn eine regelrechte Qual. Nitin ist ein Facebook-Junkie und würde einiges dafür tun, damit sein Account wieder freigegeben wird. “Mein ganzes Leben funktioniert nur mit Facebook. Ich habe viele Freunde im Ausland und brauche das Netzwerk, um mit ihnen in Verbindung zu bleiben”, erzählt der Mauritier aus Riviere des Anguilles. Er ist im Netzwerk normalerweise rund um die Uhr online.” Rund um die Uhr online – und dann das:

AQUAE ET IGNIS INTERDICTIO. Mit der Versagung der essentiellen Lebenselemente (bei den Römern: Wasser und Feuer) verbannte man in der Antike ins Exil, heute sagen wir: AQUAE ET IGNIS ET LIBRI FACIERUM INTERDICTIO.

 Das alles ist nicht Spaß, es ist ernst, sogar sehr ernst. Oder ist es keine ernste Sache, was uns eine Studie von retrevo über den modernen Menschen mitteilt?

  ”Just to round out the picture, the Gadgetology study asked consumers how they felt about being interrupted at various times and occasions for an electronic message. With everyone texting away on their phones these days, we weren’t surprised to see over 40% of respondents saying they didn’t mind being interrupted for a message. In fact, 32% said a meal was not off limits while 7% said they’d even check out a message during an intimate moment.”

Allerdings: Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind nicht in  Gefahr: Wissend um die Tatsache, dass Rechtschreibung sexy macht, haben sie online alle Zweifelsfälle bei PONS.eu nachgeschlagen. Sollte es denn zu ihm kommen, dem  intimate moment,  können Sie dann beruhigt offline bleiben. Aber vergessen Sie nicht, wieder online zu gehen!

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FUNDSTÜCKE, GELESEN, WISSENSWERTES

Kommentare

  • Grobi |  28.10.2010

    Bei facebook/unnützes Wissen gelernt: Bei der Nutzung von Facebook, Twitter oder SMS steigt der Pegel des Hormons Oxytocin, was uns ein gutes Gefühl wie beim Kuscheln gibt.
    Wenn man das weiß versteht man schon etwas mehr, warum einige Leute nicht mehr ohne können, wobei es meines Erachtens immer noch verrückt ist, wenn man das so exzessiv nutzt.

In Frankreich und anderswo

26. Oktober 2010

 

Ein Lesevergnügen von hohem Niveau bietet ein kürzlich in Welt Online erschienener Artikel von Wolf Lepenies mit dem Titel “Frankreich schreibt falsch”. Ob Sie der Angemessenheit des Wortes “Lesevergnügen” zustimmen, hängt allerdings in entscheidendem Maße davon ab, ob die Begriffe “Rechtschreibung” , “Reform” und “Vergnügen” sich für Sie nicht in ähnlicher Weise ausschließen wie “Gottesfurcht” und “Atheismus” oder wie “Teufel” und “Weihwasser”.

Einerseits  wachse in Frankreich die Zahl derer, die eine Reform der Orthografie wollen, andererseits habe  ”Le Figaro” die  Leser gefragt, ob sie denn für eine Reform der Rechtschreibung votieren - mehr als 30 000 Franzosen hätten geantwortet und drei Viertel von ihnen mit einem Nein.

Die Rechtschreibleistungen  der französischen Schüler – so der Autor –  fielen  immer schlechter aus. Zwei Drittel erreichten bei einem standardisierten Test nur  ein “Zéro” (Ungenügend).

Man fühlt sich an Deutschland erinnert. Auch hinsichtlich der divergierenden Meinungen über die Ursachen (neue Kommunikationsformen wie SMS…)

Die Reaktionen auf  mangelhafte Orthografie seien unterschiedlich. Im “Bac”, dem Abitur, dürften Rechtschreibfehler nur zu einem minimalen Punktabzug führen; andererseits könnten orthografische Mängel etwa bei Bewerbungen schnell einen Kandidaten disqualifizieren.

Die Debatte um die Rechtschreibreform – führt Lepenies weiter aus – präge die Sprachinnenpolitik Frankreichs. Hinsichtlich der  Sprachaußenpolitik des Landes sei der Versuch, das Vordringen des Englischen (“Franglais”) in die Landessprache zu verhindern,  weitgehend gescheitert. Schriftsteller, die nicht aus Frankreich stammen, aber auf Französisch schreiben, stiegen im Ansehen und diese Schriftsteller würden nun reklamieren,  eine Sprache zu schreiben, die internationalen Charakter trägt und nicht länger das exklusive Idiom Frankreichs sei.

Auch dies erinnert an etwas – nicht an die Situation in Deutschland, sondern an die des Englischen.  Die internationale Verständigungssprache im strengen Sinn sei nach heutiger linguistischer Einschätzung  gar nicht Englisch, sondern eher »Globalesisch« , eine neue Lingua franca.  Die Sprachwissenschaftlerin Barbara Seidlhofer (Wien) argumentiert:

Wenn sich ein Portugiese und ein Pole in Brüssel auf Englisch unterhielten, dann sei ein etwa hinzukommender Engländer überhaupt nicht im Vorteil, weil das Hochenglische und das Lingua-franca-Englische zwei gewissermaßen verschiedene Sprachen seien.

Lepenies resümiert: “In dieser Situation sehen Verteidiger der französischen Sprache in der drohenden Rechtschreibreform eine Schwächung, die das Französische endgültig seines Anspruchs auf eine herausgehobene Rolle unter den Weltsprachen berauben wird. Wütend schrieb der Linguist Alain Bentolila, Verfasser eines Buches mit dem Titel “Verbe contre la barbarie”: “Was sich in der Orthografie spiegelt, ist die Klarheit des Denkens. Man darf die Kraft des Denkens, das sich in Worten umsetzt, nicht simplifizieren.” (Wir bleiben ein wenig  ratlos an diesem Satz hängen: Kann man Kraft “simplifizieren”? Vielleicht werden wir zu spitzfindig …) Darin spiegele sich ein Argument, das Ende des 18. Jahrhunderts der Comte de Rivarol entwickelte, als er auf die Preisfrage der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin antwortete, womit die universelle Geltung der französischen Sprache zu erklären sei. Im korrekten Französisch, so Rivarol, drücke sich, stärker als in anderen Sprachen, Klarheit des Denkens aus.

Klarheit des Denkens – wir überqueren wieder den Rhein:

Der Dichter  Reiner Kunze gehörte zu den  Kritikern der  deutschen Rechtschreibreform, sobald deren Inhalte ruchbar wurden. Unter dem Titel “Die Aura der Wörter”  etwa verwies er etwa darauf, dass die Schreibung von “daß” mit ss statt mit scharfem ß nicht zu einer Minderung der Fehler führen würde, solange die Schüler nicht zwischen einem Konsekutiv- und einem Relativsatz unterscheiden können. Ferner, dass durch die Reform eine Reihe von Volksetymologien sanktioniert worden seien, die die sprachliche Herkunft bestimmter Vokabeln verdunkelt. Der Tollpatsch beispielsweise sei keiner, der toll in den Dreck patscht ( sondern der Begriff stammt aus dem Ungarischen und bedeutet ursprünglich “Fußsoldat”). Der Mesner, der heute mit ss geschrieben werden soll, hat aber nichts mit der Messe zu tun, sondern mit dem lateinischen Wort “mansionarius”. Ebensowenig komme das “Quentchen” von Quantum oder  ”belemmert” von “Lamm”. Stimmt es also auch rechtsrheinisch, das mit der Klarheit des Denkens?

Wie auch immer – zu beiden Seiten des Rheins (und auch anderswo) ist es wohl so, dass Sprache als kulturelles Phänomen dem Einzelnen als muttersprachliches Idiom eignet und gleichzeitig ein kollektiver Besitz ist.  Reformen nehmen für sich Verbesserungen der  Kommunikationsverhältnisse in Anspruch. Ob sie diesen Anspruch einlösen – zumindest in Bezug auf die schriftliche Kommunikation – ist eine andere Diskussion. Doch dass Sprache längst  nicht nur im Dienste der Kommunikation steht, sondern als “schöne Gestalt” auch ein den ästhetischen Sinn ansprechendes Phänomen ist, sollte nicht vergessen werden. Wäre Sprache das nicht, gäbe es kaum eine Nachfrage nach Ratgebern für gutes Deutsch, kaum ein Publikum für Bastian Sick und in Zeiten von Google, das irgendwie ALLES zeigt, vielleicht irgendwann auch nicht mehr die Erkenntnis, dass Google aus genau diesem Grund ein Wörterbuch nicht ersetzen kann.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHLICHES, GELESEN, WISSENSWERTES

Kommentare

  • VanGogh |  27.10.2010

    Die größte zu überwindende Kluft ist vermutlich die zwischen denen, die die Sprache als – wie Sie es so schön formulieren – “den ästhetischen Sinn ansprechendes Phänomen” sehen und jenen, die Sprache als Mittel zum Zweck sehen. Meines Erachtens haben beide Recht, denn Sprache erfüllt beide Funktionen. Und was die Rechtschreibung angeht, ist die Einhaltung der Regeln für erstere unabdingbar, für die zweite Gruppe jedoch nebensächlich. Diese Kluft zu schließen wird wohl niemals möglich, aber eine Brücke zu bauen damit beide Parteien sich in der Mitte treffen können sollte man wenigstens anstreben. Ob hierzu aber in Deutschland jeweils das richtige “Material” verwendet wurde erscheint mir sehr fraglich.

Über Fehler: Mit dem Bodymaßindex zum Wohlfüllgewicht

22. Oktober 2010

 

 

Kann man sich eigentlich mit Rechtschreibung beschäftigen und die Wörter “Fehler” und “Korrektur” aus dieser Beschäftigung ausschließen?  Es geht nicht – glaube ich zumindest.

“Korrektur” und “korrigieren”  gehen zurück auf das lateinische  corrigere (“gerade richten” ), von dem ich eine schöne Etymologie gefunden habe:

Bildung mit dem lateinischen Präfix con- (“zusammen”)
abgeleitet aus dem lateinischen Präfix  com-
abgeleitet vom lateinischen Wort  cum (“mit”)
abgeleitet von der  proto-indo-europäischen Wurzel  *kom (“nahe, mit, zusammen”)
PLUS Ableitung vom lateinischen Verb regere (“herrschen, führen, lenken, leiten”)
aus dem proto-indo-europäischen Präfix reg- (“in gerader Linie bewegen”)
Wer korrigiert, lenkt also. Er erkennt die Abweichung von einem wünschenswerten Sollzustand (die Verletzung einer Schreibregel) und nimmt eine Richtigstellung  vor, bringt den Ist- und den Sollzustand zur Deckung.
 
 Wie könnte es sein, dass die antike Welt, die so viele “moderne” Phänomene schon kannte und bedachte, nichts über das Irren, das Machen von Fehlern zu sagen gehabt hätte?  Natürlich hat sie – und “Errare humanum est” (“Irren ist menschlich.”) ist eine sehr bekannte Sentenz, wobei weniger bekannt ist (warum?), dass der Spruch eine Art Anhängsel hat: “in errore perseverare stultum” (“Im Irrtum zu verharren ist dumm.”)
Ganz ausgezeichnet aber passt gerade Teil 2 des Spruches zu einem Aufsatz von  Hajo Diekmannshenke, der mir neulich untergekommen ist.  Hier geht es um das Machen von Fehlern und insbesondere das Machen von Fehlern auf orthografischem Gebiet.

Noch immer herrsche, argumentiert der Autor, weitgehend die Meinung, daß Fehler etwas Negatives seien.  Das (unerklärte) Ziel des Deutsch- und besonders des Rechtschreibunterrichts sei die (tendenziell absolute) Fehlervermeidung. Im Vergleich zum Prozess des primären Spracherwerbs mute dies in seiner  Absolutheit außerordentlich seltsam an. Allein wissenschaftsgeschichtlich betrachtet spielten Fehler im Rahmen dieses Prozesses eine bedeutende Rolle.  “Als Noam Chomsky (1959) Ende der 50er Jahre das Erklärungsparadigma des Behaviorismus zum Spracherwerb so nachhaltig erschütterte, dass dieser sich davon bis heute kaum erholen konnte, spielten auch Fehler, die Kinder quasi systematisch im Verlauf des Spracherwerbs begehen, eine wichtige Rolle. So verwenden Kinder in einer bestimmten Phase z.B. die Flexionsmorpheme des Präteritums der schwachen Konjugation zeitweise auch für die Flexion der starken Verben. Dass solche Fehler nicht auf Nachahmung oder einem simplen Reiz-Reaktions-Schema als Grundlage des Lernprozesses beruhen können, ist offensichtlich. Die moderne Spracherwerbsforschung  erkennt seit langem einerseits den diagnostischen Wert solcher Fehler und erklärt sie andererseits als notwendiges Stadium …” Wir halten fest: Fehler als Erkenntnisinstrument.

Mit dem Gebiet der Literatur lenkt Diekmannshenke den Blick dann auf literarisches Gebiet: In der Literatur  können orthographische Normen in nicht unerheblichem Umfang kreativ aufgehoben werden. Der Autor zitiert aus  Arno Schmidts KAFF auch MARE CRISIUM:

Sie faßte inzwischen – d. h. während ich weenich=nutzich <dachte> – die Torfschtücke an; mit 1 Papier; (Tempo=Taschen=Tuch ? – Schon mööklich). Warf sie ungeschickt in den prottestierenden Ofen. Und schloß das Eiserne Thor. (Woraufhin das Feuer natürlich, und reeletief prommt, ausgink. Sie zuckte nur die Axeln.) /”

Wir halten fest: Fehler als benutzte Normverletzung werden zu einer impliziten Auseinandersetzung mit der Norm.

Diekmannshenke kontrastiert den eigenwilligen Schriftsteller dann effektreich mit dem Elaborat eines Schülers  mit Rechtschreibschwäche:

… und bemerkt: “Würde es sich um den Text einer Schülerin oder eines Schülers handeln, so würde das allgemeine (und auch das spezielle DeutschlehrerIn-) Urteil hinsichtlich der Rechtschreibkenntnisse sicher vernichtend ausfallen.”

“Warum aber werden an Schriftlichkeit im Alltag soviel strengere Maßstäbe als an Mündlichkeit (und als an literarische Produkte) gelegt? Und ist diese Strenge gerechtfertigt? Ginge es allein um das Gelingen des kommunikativen Austausches, dann wäre dieses Insistieren auf einer absoluten Norm wohl kaum zu rechtfertigen. Schließlich existierten in der Geschichte der deutschen Sprache bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts immer unterschiedliche Schreibweisen (im Sinne unterschiedlich empfundener Orthographien) nebeneinander, ohne daß der kommunikative Austausch verhindert oder nachhaltig gestört worden wäre. So finden sich selbst in (originalen) Goethe-Texten unterschiedliche Schreibweisen eines Wortes in ein und demselben Text. Erst das 19. Jahrhundert forderte nicht nur das schöne, flüssige und lesbare, sondern auch erstmals das ‚richtige‘ Schreiben. Und selbst nach der Normierung der deutschen Orthographie durch die 2. Orthographiekonferenz 1901 und deren gelegentlichen Reformierungen existieren heute verschiedene Schreibweisen nebeneinander (Friseur, Frisör; Delphin, Delfin), bei denen sich der Status der korrekten Schreibung im Laufe der Jahre verändert hat, in den genannten Beispielen zur Toleranz gegenüber der 2. Schreibweise, die im Falle von Frisör nur die Akzeptanz eines bereits erfolgten Usus darstellt, im Falle von Delfin dagegen sogar die Einführung einer im allgemeinen nicht existierenden Schreibweise, die bislang als eindeutig fehlerhaft eingestuft worden wäre, beinhaltet.”

Wir halten fest: Fehler sind Verletzungen von Regeln, die nicht wie Gesetzestafeln vom Himmel gefallen sind, sondern sich historisch entwickelt haben.

Er ist schon irgendwie faszinierend, der sprachliche Fehler. Es wurden Bücher über ihn geschrieben, etwa Reden ist Schweigen, Silber ist Gold. Gesammelte Versprecher der Frankfurter Linguistin Helen Leuninger. Er ist namensgebender Bestandteil der Fehlerlinguistik. Er verleiht den Äußerungen von Politikern bisweilen Kultstatus, etwa im Falle von Edmund Stoibers syntaktischem Schiffbruch  in der berühmt gewordenen Transrapid-Rede.

Wir halten fest: Da Irren menschlich ist, machen Fehler bisweilen ihre Macher menschlicher, vor allem wenn diese exponiert (berühmt, prominent) sind.

So viele Aspekte haben Fehler, doch: Was aber macht ein Blogger mit Fehlern: (a) Er macht welche. Bleiben Sie ihm bitte dennoch gewogen – und lesen Sie trotzdem weiter. (b) Er sammelt Fehler. Glauben Sie nun bitte nicht, dies geschehe in anderer als verständnisvoller und freundlicher, also in gänzlich unhämischer Absicht.  Ein Blogger beißt doch nicht – wie unsere englischen Freunde sagen – die Hand, die ihn füttert , würde also nie um eines vordergründigen Spaßeffektes willen sich auf Kosten anderer lustig machen, da er um die inspirierende Kraft der “Fehler” weiß: Zwischen dem Sollzustand und der Abweichung blitzt oft genug der Funke, die Idee.  In dieser – und nur dieser  -  Absicht laden wir Sie gelegentlich zur wohlwollenden Freude an schönen Funden ein. Unsere neuesten:

“Der Kampf um sein Image, das Mark Zuckerberg nun mit Verspätung aufnimmt, verspricht interessant zu werden.”

“Zwitscherer und Blocker sind (sozial) arme Geschöpfe.”

“der einfache Weg zum Wohlfüllgewicht”

Der Hauptpreis aber geht an den Bodymaßindex” und die Deutschblog-Jury begründet: Im “Bodymaßindex” gelingt es in nahezu poetischer Verdichtung, die kausale Verbindung zwischen der regelmäßig genossenen Mass und dem Maß des Bodys in einem einzigen ikonischen Wort sichtbar werden zu lassen.”

 Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, KONTROVERSES, LEXI, QUERPONS

Kommentare

  • Georg |  25.10.2010

    “Wer korrigiert, lenkt also.” – Vielleicht sollte ich versuchen das meinen Kindern so zu verkaufen …

  • luli |  26.10.2010

    wenn du das deinem kind verkaufen willst bist du echt gestört denn kinder interessieren sich daföür keinen gfunken es gibt leider auch keine hoffnung für soeinen wie dich….

  • Georg |  28.10.2010

    @luli: schon schade wenn man keine Ironie versteht…

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