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Weil richtig schreiben wichtig ist

FUNDBÜRO: Muckefuck

08. November 2010

Weiter geht es mit unserem FUNDBÜRO, der Abgabestelle für entlegene, nicht-alltägliche, nicht – oder: nicht mehr – ganz leicht zu deutende Wörter. Wer sich für regionalen Sprachgebrauch interessiert, der weiß, dass die Forscher da so ihre Lieblingsbeispiele haben. Immer wieder gern erwähnt wird etwa die Unzahl von Bezeichnungen, die die regionalen Varianten des Deutschen für den Anschnitt des Brotes besitzen, also jenes erste (oder mit anderer Perspektive: letzte) Stück eines Brotlaibs, dessen “Rest” in ordentliche Scheiben geschnitten wurde. Ähnlich verhält es sich mit dem Kerngehäuse  des Apfels. Nun, Brot ist grundlegend; auch der Apfel ist bekanntlich eine an Symbolwert nicht arme Frucht. Nicht ganz aufnehmen mit diesen Variantenreichtumsriesen kann es der Kaffee. Obwohl der ja auch … nun: grundlegend ist. Wie bei vielen Dingen des Lebens scheint auch beim ihm zu gelten: Ist er gut, so genießt man ohne viele Worte. Ist er aber schlecht, dann … Als unbefriedigend wird von den meisten Zeitgenossen ja Kaffee wahrgenommen, der zu schwach, zu dünn ist. Für dieses anstößige Getränk lassen sich eine ganze Reihe schöner Wörter finden. Recht expressiv scheint mir das Wort “Muckefuck”.  In seiner geschriebenen Form ähnelt der zweite Wortbestandteil einem berühmten englischen four letter word. Mag sein, dass Sie dieses schon mal gesagt oder gedacht haben, wenn Ihnen das Kaffeekochen misslungen ist. Der Muckefuck hat aber nicht mit dem Englischen zu tun, sondern vermutlich mit  dem Französischen. Von Mocca faux (” falscher Kaffee) soll er sich herleiten  und während des deutsch-französischen Krieges oder während der französischen Annektierung des Rheinlandes unter Napoleon volksetymologisch eingedeutscht worden sein. WIKIPEDIA hält allerdings eine Zusammensetzung aus Mucke (brauner Holzmulm) und fuck (faul) für ebenso möglich.

Für den  Berliner ist bzw. war der Muckefuck eine “Lorke”. Schade, dass dieses schöne Wort angeblich ausstirbt. Das ist  nicht knorke, das mit der Lorke.

Bekannter ist wahrscheinlich die Bezeichnung “Blümchenkaffee” . Diese soll auf den Umstand anspielen, dass zumindest zur Zeit dieser Wortprägung Kaffeetassen Blumendekor  auf dem Tassenboden hatten. Der kritisierte Kaffee war so dünn, dass man man die Blümchen auf dem Boden erkennen konnte.

Ein des FUNDBÜROS würdiges Wort  schließlich ist – ebenfalls als vernichtendes Urteil über Kaffee – die “Plörre”.

Irgendwo habe ich gelesen, das habe mit französisch “pleurer”  zu tun. Da hätte dann einer in seinen Kaffee geweint  – und ihn somit verdünnt. Wie traurig. Wie poetisch. Wie französisch. Dass nämlich die Tränen der Damen -  vergossen über die Helden der Landstraße  – in die Kaffeetasse  fallen, ist dass titelgebende Motiv von Salz im Kaffee, jenem Roman, mit dem der Sportjournalist Hans Blickensdörfer der Tour de France ein literarisches Denkmal setzte.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: FUNDBÜRO


Kommentare

  • Herr Bauer |  08.11.2010

    Bei Kaffee fällt mir das Wort “Prütt” ein. ICh weiß aber gar nicht, ob das ein altes Wort ist, oder eher nur regional beschränkt?

  • Telles |  09.11.2010

    Das Wort “Prütt” kenne ich (Region Niederrhein) als Bezeichnung für den Kaffeesatz.

  • Deutschblogger |  09.11.2010

    Das wäre dann ja stimmig: Der Kaffee war so schwach, dass man meinen könnte, er sei auf der Basis des Kaffeesatzes (Prütt) hergestellt worden.
    Interessantes aus WIKIPEDIA: “In Westfalen sowie Teilen des Rheinlandes, vor allem im Ruhrgebiet heißt der Kaffeesatz auch Prütt oder Prött und gilt dort als traditionelles Hausmittel für vielerlei Anwendungen (siehe Abschnitt Verwertung). Im österreichischen Sprachraum ist häufig der Begriff Kaffeesud gebräuchlich. In Nordfriesland spricht man von Kaffeegrums.” Das österreichische “Kaffeesud” war in PONS Die deutsche Rechtschreibung bereits als Stichwort aufgenommen.

  • S. Fichte |  10.11.2010

    Das Leben ist hart genug, ohne schlechten Kaffee zu trinken! In diesem Sinne würde es mich interessieren, ob es noch Begriffe für GUTEN Kaffee gibt? Herzliche Grüße S. Fichte

  • Alexander Zorn |  29.12.2010

    Na da gibt es doch eine ganze Menge wie zum Beispiel:

    Saichbrih – Karlsruher Mundart
    Blämmbe, Blärre – Leipziger Raum
    Plörre – Oberfranken
    Plür, Jüüch – Schleswig Holstein

    Hoffe das hilft weiter!


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