Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Gefettete Worte: Kein Mohär mehr in der Butike?

14. Dezember 2010

Es gibt sie noch, die Rechtschreibreform! Klar, denn es gibt immer etwas zu reformieren. Das Schreibthema schien bei vielen am Horizont verschwunden, die Zorneswolken mancher Zeitgenossen verraucht. Die “Reform”  – durch Handlungsbedarf an anderen politischen Fronten medial zurückgedrängt – bringt sich in Erinnerung. Da war doch was? Richtig, der  Rechtschreibrat! Der Rat war 2004 als Nachfolger der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung gegründet worden. In ihm vertreten sind 18 Mitglieder aus Deutschland, jeweils neun Mitglieder aus der Schweiz und Österreich und jeweils ein Mitglied aus Südtirol, der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Liechtenstein. Der Rat kommt durch seine Sprachbeobachtung zu dem Schluss, dass er bestimmte derzeit noch gültige Schreibweisen einiger eingedeutschter Wörter wieder abschaffen will. In der Praxis nutze diese Schreibungen  kaum jemand.

Beispielsweise “Butike”, “Maffia” oder “Sketsch” seien „weder im Schreibgebrauch vertreten noch aus regelwerkssystematischen Gründen unerlässlich“. Das geht aus dem jetzt veröffentlichten „Bericht über die Arbeit des Rats für deutsche Rechtschreibung von März 2006 bis Oktober 2010“  hervor. Zudem will der Rat die Schreibformen Caprice (für Kaprice/Kaprize), Clementine (für Klementine), Crème (für Creme) und Schmand (für Schmant) wieder zulassen. Ob die Vorschläge angenommen werden, entscheiden die Bundesländer.

Von einer möglichen Streichung betrofffen sind auch die Schreibungen:

Butike (Boutique), Fassette (Facette), Kabrio (Cabrio), Katarr (Katarrh), Krem/Kreme (Creme), Kupee (Coupé),  Maffia (Mafia),  Maläse (Malaise),  Mohär (Mohair),  Myrre (Myrrhe),  Scharm (Charm), Schikoree (Chicorée), Schose (Chose), Sketsch (Sketch), Sutane (Soutane), Transchieren (tranchieren).

Die Augsburger Allgemeine illustriert “die Schose mit der Orthografie” sehr hübsch: “Kommt eine Frau mit einem Kupee vor eine Butike gefahren und sieht sich eine Mohär-Jacke an, die in all ihren modischen Fassetten so aussieht wie eine Sutane. Die ganze Schose nur, weil sie gerade einen Katarr hat und daher ihr Kabrio zu Hause stehen lassen muss. „Das ist kein Sketsch, sie ist eine Maläse“, sagt die Frau wenig scharmant und klingt dabei fast ein wenig wie eine Gesandte der Mode- Maffia. Zugegeben, der erste Absatz dieses Artikels ist inhaltlich Unsinn. Aber achten sie, liebe Leserin, lieber Leser, nicht auf die Geschichte, sondern auf die Schreibweise der gefetteten Worte. Tun ihnen die Augen weh?” Ja, schon. Aber etwas Schmerzlinderung  erfahren wir durch die stilistische Akupunkturnadel von “gefettet” in Verbindung mit “Worte”, wobei letztere eigentlich auch noch “Wörter” sein müssten. Das hat nun mit Rechtschreibung gar nichts zu tun. Hier besteht klarer Handlungsbedarf für ein noch einzusetzendes Gremium zum Schutz von Kollokationen.

Die Frage muss natürlich erlaubt sein, ob die Abschaffung von etwas, das im Schreibgebrauch gar nicht vorkommt, nicht ein wenig akademisch ist. Da ist guter Rat teuer.  Da kann auch Google nur fragen:  “Meinten Sie: Mohair?” Aber fraglich ist auch, ob ein transchierter Weihnachtsbraten noch schmeckt.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHLICHES, GELESEN, LEXI, WISSENSWERTES


Kommentare

  • Tweets that mention PONS &hellip |  15.12.2010

    [...] This post was mentioned on Twitter by Sprachtest.de, PONS. PONS said: “Butike”, “Maffia” und “Sketsch”? Es gibt sie noch, die #Rechtschreibreform! Der #Deutschblog: http://bit.ly/hWNq3r #Rechtschreibung [...]

  • Axel Wörner |  20.12.2010

    Mohär? Aber wohär? Beim Schweizier Mundartrock wird man zumindest annhähernd fündig: Züri West rät: “Lue zersch wohär dass dr Wind wääit”
    http://zuri-west.lyrics-songs.com/lyrics/744602/

    Beste Grüße, A. Wörner

Trackback  |  Kommentar RSS Feed

Antworten

erforderlich

erforderlich



Seite auf