Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Ich Google – Du Facebook?

22. Februar 2011

 

Innerhalb von nur einer Woche waren im Netz zwei Meldungen zu lesen, in denen es um einen neuen kontroversen Aspekt eines alten kontroversen Themas geht – Vornamen.  Die erste Meldung  besagt, dass der Sohn des libanesischen Softwareentwicklers Elias Kai und seiner Frau im südschwedischen Kalmar  von seinen Eltern den Vornamen Oliver Google bekommen hat. Südschweden – sie hätten das Kind auch Wallander nennen können.  Aber:  Kai,  Spezialist für Suchmaschinen-Marketing, hat für Oliver Google auch bereits eine Webseite und einen Blog eingerichtet. 

Im offiziellen Google-Blog schreibt Mitarbeiterin Karen Wickre, «wir wünschen ihm ein langes Leben und gute Gesundheit, und hoffen, dass seine Schulkameraden nicht zu gemein zu ihm sein werden». Wie weise – immerhin muss so ein Vorname ja ein Leben lang getragen werden und nicht nur für einen Monat reichen.

Anderer Schauplatz: Ägypten. Die Tochter des Ägypters Jamal Ibrahim besitzt wohl einen der ungewöhnlichsten Vornamen der arabischen Welt. Sie wurde auf den Namen  “Facebook” getauft – als Hommage an die Rolle des sozialen Netzwerks während der Unruhen in Ägypten.

Zwar meinte das amerikanische Technik-Blog TechCrunch, das Mädchen hätte auch YouTube oder Twitter heißen können, doch gelungen fand ich den Kommentar eines Online-Kommentators, Ebay würde als Name arabischer klingen. Aus phonetischer Sicht stimmt das ja irgendwie, besonders wenn in späteren Jahren die Eltern nach dem Mädchen rufen: Ibeieieieieii …

Sollte dies Schule machen, würden sich für zukünftige Generationen ja die schönsten Möglichkeiten eröffnen. Denn würde aus einem Google und einem Facebook ein Paar (also den so heißenden Menschen, nicht den Internet-Firmen), dann gäbe es für deren Kinder wirklich schöne vorstellbare Namen, für einen Jungen vielleicht Android, für ein Mädchen vielleicht Apple. Ist das nun schlimmer als Malte Joshua,  Aaliyah-Shaleen Vivienne ,  Sidney Tallin Camaron oder Wesley Rüdiger? 

Philosophisch gesehen ist  interessant, dass bei Google und Facebook (den Menschenkindern)  das technische Konstrukt  als Inspiration der Namensgebung fungiert. Traditionell kennt man das nämlich eher anders herum: Das erotische Verhältnis des Mannes zur Technik spiegelte sich ja immer schon darin, dass die (meist männlichen) Schöpfer technischer Gegenstände diesen menschliche Namen und insbesondere die Namen weiblicher Menschen gaben. So hatte Emil Jellinek, früher Vertriebsmann der Automobile eines gewissen Gottlieb Daimler, eine Tochter mit Namen  Adrienne Manuela Ramona Jellinek und dem Kosenamen Mercedes. Der Rest dieser Erfolgsgeschichte ist bekannt. Im Juni 1903 wurde Emil Jellineks Antrag bewilligt, seinen Familiennamen auf „Jellinek-Mercedes“ abzuändern.

Auch in  “Regeln und Wörterverzeichnis” (Entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung ) spielen Namen eine gar nicht so unbedeutende  Rolle. Wenn ich mich da nicht verzählt habe, ist  an 54 Stellen des amtlichen Dokuments von Eigennamen die Rede.

Da wird man zum Beispiel an  Tatsachen wie diese erinnert:

-  ”Eigennamen aus Sprachen mit nicht lateinischem Alphabet können unterschiedliche Schreibungen haben, die auf die Verwendung verschiedener Umschriftsysteme zurückgehen (zum Beispiel Schanghai, Shanghai).

- Eigennamen, deren Grundform (Nominativform) auf einen s-Laut (geschrieben: -s, -ss, -ß, -tz, -z, -x, -ce) endet, bekommen im Genitiv den Apostroph, wenn sie nicht einen Artikel, ein Possessivpronomen oder dergleichen bei sich haben: Aristoteles’ Schriften, Carlos’ Schwester, Ines’ gute Ideen, Felix’ Vorschlag, Heinz’ Geburtstag, Alice’ neue Wohnung

Aber ohne Apostroph: die Schriften des Aristoteles, die Schwester des Carlos, der Geburtstag unseres kleinen Heinz

Von dem Apostroph als Auslassungszeichen zu unterscheiden ist der gelegentliche Gebrauch dieses Zeichens zur Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens vor der Genitivendung -s oder vor dem Adjektivsuffix -sch: Carlo’s Taverne” (“sächsischer  Genitiv“).

Übrigens: Der gelegentliche Gebrauch? Sucht man in Google mal nach der Zeichenfolge ” ‘s Kneipe” erhält man schlappe 25.500 Funde; die Suche nach ” ‘s Taverne” bringt nochmals 24.400″ und für ” ‘s Bistro” sollen es gar unglaubliche 439.000 sein. Das wäre eine Legion von Kneipen und von Gelegenheitsapostrophen.

Als Deutschblog ist uns natürlich auch bewusst, dass Namen auch in idiomatischen Redensarten im Deutschen eine Rolle spielen. Gebräuchlich ist die lateinische Redensart “Nomen est Omen” mit der Bedeutung  „der Name ist ein Zeichen“.  Die Redensart geht zurück auf den römischen Komödiendichter Plautus, der in seinem Stück Persa (Der Perser) die Formulierung nomen atque omen (lat. „Name und zugleich auch Vorbedeutung“) verwendet. Während diese Redewendung das Verhältnis zwischen einer sprachlichen Lautgestalt und einer außersprachlichen Sache oder Person als gerade nicht beliebig darstellt, gibt es auch eine bekannte Redensart mit genau gegenteiliger Aussage:  “Namen sind Schall und Rauch.“ Nicht immer, wenn sie jemand  gebraucht, wird er wissen, dass sie aus Goethes Faust  (Faust I) stammt: “Nenn es dann, wie du willst, Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen dafür! Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch …” Heute wird mit “Namen sind Schall und Rauch” auf die Bedeutungslosigkeit/Vergänglichkeit einer Sache angespielt, was sich nicht ganz mit der Faust-Stelle deckt, in der das Wort vom Name als  Schall und Rauch Fausts Antwort auf die Gretchenfrage (huch, wieder etwas Idiomatisches!) ist: „Nun sag. Wie hast Du’s mit der Religion?” Ja, wie ist es nun mit den Namen? Zufällig und beliebig  oder vorzeichenhaft? Im Märchen vom  Rumpelstilzchen ist  das Wissen und das machtvolle Aussprechen des Namens durch die Müllerstochter dann alles andere als ein Akt von Beliebigkeit. Dass der „Dativ dem Genitiv sein Tod“ ist, findet – finde ich  – eine merkwürdige Parallele in  “Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind”.

Doch das Rumpelstilzchen singt auch “ach, wie gut dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!” Wenn auf dem Google-Blog für den  kleinen Google gewünscht  wird, dass ”his schoolmates aren’t too hard on him” , könnte man “Rumpelstilzchen” durch “Google” ersetzen.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, KONTROVERSES, WISSENSWERTES, WORTSTICHELEI


Kommentare


Seite auf
Feedback