Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Zum Diktat, bitte!

01. Juli 2011

Und es ward Sommer; und es ward Rechtschreibung.  Hatten Sie, liebe Leser, gedacht, Rechtschreibung mache eine Sommerpause, falle in ein Sommerloch gar? Und da meldet die taz am 17. Juni: Der Hamburger Schulsenator Ties Rabe habe  ”zu einem weiteren Symbolthema Farbe bekannt. In die neuen Bildungspläne, die am Donnerstag von der Deputation verabschiedet wurden, fügte er das Schreiben von benoteten Diktaten in der Grundschule wieder ein. Sie sollen zwar nicht allein als Klassenarbeit zählen, dürfen aber als Teil einer solchen wieder angewandt werden.” Nun ist der 1. Juni auch kein Tag wie jeder andere. Lesen Sie doch mal in Wikipedia nach, was sich rein militärgeschichtlich so alles an einem 17. Juni ereignet  hat! Da wurden die Klingen gekreuzt zwischen den Appenzellern und den Habsburgern, da kommt es im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zur Schlacht von Bunker Hill. Klingen wurden in Hamburg auch vor rechtschreiblichem Hintergrund schon gekreuzt. Die taz führt aus:

“Die Didaktik-Professorin Petra Hüttis-Graff von der Uni-Hamburg hatte zuvor in einem Brief an die Fachreferenten der Schulbehörde davor gewarnt. Die hier vorgenommene Rehabilitierung der Diktate sei “aus wissenschaftlicher Sicht ein eklatanter Rückschritt im Vergleich zu den geltenden Rahmenplänen von 2003″. Sie könne es nicht mit ihrem Wissen vereinbaren, Lehramtsstudierende auf eine “Diktatpraxis” vorzubereiten. Das Thema hatte im Zuge des Schulreform-Streits für Polarisierung gesorgt. Dabei ist die Sache aus wissenschaftlicher Warte wenig strittig. Deshalb sind Diktate auch seit acht Jahren in den Bildungsplänen nicht mehr vorgesehen. Das heißt nicht, dass Kinder Rechtschreibung nicht mehr lernen. Stattdessen sind andere Lernerfolgskontrollen vorgesehen, wie etwa Lückentexte, Abschriften oder Wörterbuchaufgaben.”

Nicht ganz so klar ist, wie das “aus wissenschaftlicher Warte” denn eigentlich so ist, das mit den Diktaten; am Rande, für die Sommerfrischler: am Schwimmbeckenrande (falls Sie diesen Artikel dort gerade auf Ihrem blendfreien iPad lesen)  bemerkt: Heißt das nicht eher “von wissenschaftlicher Warte” bzw. “aus wissenschaftlicher Sicht”? Eine Warte war im Mittelalter doch ein Burgturm, VON dem aus man das Umland überblickte und besonders die aus der Ferne anrückenden feindlichen Heere. Dass das alles nicht heißt, “dass Kinder Rechtschreibung nicht mehr lernen”, beruhigt uns denn. Schließlich wird sie ja überall und ständig gebraucht, die Rechtschreibung. Oder  zumindest sollte die Schreibung recht gebraucht werden.

Wir lesen weite in Wikipedia über den 17. Juni:

1901: In Berlin beginnt die II. Orthographische Konferenz, auf der unter Beteiligung von Konrad Duden Beratungen über die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung stattfinden. Am Ende der Konferenz einigen sich die Beteiligten auf ein amtliches Regelwerk für den Behördengebrauch. Sie sehen: Meine These, Rechtschreibung mache keine Sommerpause, ist damit bestätigt. Und was sagt uns der kleine Bild-Ausschnitt oben ? Rechtschreibliche Fehltritte können auch charmante Begleiteffekte haben: Eine Senatorin, die selbst verliebt ist, hat nicht nur Asse im Ärmel, sondern bestimmt besonders viel Verständnis für andere Verliebte.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN


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