Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Altweibersommer

26. September 2011

 

Sie kennen ihn und genießen ihn: Den Altweibersommer.

Die für die Zeit von Mitte bis Ende September charakteristische Hochdruckwetterlage über Mitteleuropa ist in der Wetterbeobachtung seit ca. 200 Jahren nachweisbar und in Bauernregeln sogar seit mehreren Jahrhunderten. Das Wetterphänomen hat auch viele länderspezifische oder nur regional vorkommende Bezeichnungen: In der Schweiz spricht man vom Witwensömmerli, in Schweden vom  Birgitta Sommer, in Böhmen von Wenzelsommer, in Frankreich von Ete de la Saint-Martin. Ferner gibt es Ähnlsummer, Frauensommer, Mädchensommer, Mettensommer, Mettkensommer, Metjensommer – alles landschaftliche Varianten des Altweibersommers.

Mit “weiben” wurde im Altdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet. Im Volksglaube wurden diese Spinnweben aber auch für Gespinste von Elfen und Zwergen gehalten.Das Christentum sah früher darin ein Zeichen Gottes und auch der heiligen Maria. In Südddeutschland wurden diese Fäden auch als Marienfaden, Marienhaar, Marienseide oder Mariengarn bezeichnet.In norddeutschen Dialekten nennt man die Altweibersommerfäden Metten, Mettken oder Mettjen (als Verkleinerungsform von Made, das heißt, man hielt sie für Raupengespinst). Wegen der lautlichen Ähnlichkeit wurde dieser Begriff wohl volksetymologisch zu Mädchen umgedeutet.

Der „Altweibersommer“ ist übrigens nicht frauenfeindlich. Eine 78-jährige Frau hatte gegen die Bundesrepublik Deutschland geklagt. In den Wetterberichten des Deutschen Wetterdienstes solle zukünftig der Begriff „Altweibersommer“ nicht mehr verwendet werden. Das Landgericht Darmstadt hat im Jahr 1989 festgestellt, dass die Verwendung des Ausdrucks Altweibersommer durch die Medien keinen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von älteren Damen darstellt.

Andreas Cyffka

 


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES

Kommentare

  • Maruck |  09.10.2011

    Die gr Übersetzung des Wortes Untermiete war falsch. Ich habe sie korrigiert

Gut gesagt: Deutsch im Spiegel von Zitaten

23. September 2011

„ Eine merkwürdige Sprache. Wenn es ernst wird, sagen die Leute: “Das kann ja heiter werden.”

(Unbekannt)

„Das beste Deutsch ist das, das von Herzen kommt.“

(deutsches Sprichwort)

„Deutsch ist die gemeinsame Sprache, die Deutsche und Österreicher trennt.“

(Friedrich Torberg (1908-79), österreichischer Schriftsteller)

Das meinte aber auch der gern zititerte George Bernard Shaw über das Englische:

“England and America are two countries separated by a common language.”
(George Bernard Shaw)

„Deutsch ist die Sprache derer, die zwar deutsch fühlen, aber nicht Deutsch können.“

Karl Kraus (1874-1936), österreichischer Schriftsteller

„Ich beherrsche die deutsche Sprache, aber sie gehorcht nicht immer.“

(Alfred Polgar (1873-1955), österreichischer Schriftsteller)

„Im Deutschen sagt man der Wahrheit eine Stunde zu, der Freiheit eine Gasse und der Tugend einen Pfad.“

(Peter Maiwald (*1946), deutscher Schriftsteller)


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FUNDSTÜCKE, GELESEN

Kommentare

Surf Comfort

09. September 2011

Immer wieder kommt der Herbst und im Herbst denkt man: (a) an Wein und (b) die deutsche Sprache. Haben beide doch gemeinsam, dass man sie “panschen” kann. Und dies führt weder beim Wein noch bei der Sprache zu erfreulichen Ergebnissen.  Allerdings spielen beim Wein – und bei der Sprache – auch Geschmacksfragen eine gewichtige Rolle. Die Deutsche Telkom scheint irgendwie den Geschmack des Verein Deutsche Sprache (VDS) nicht ganz getroffen zu haben, denn für Produkt-Bezeichnungen wie «Free Call International Advanced» oder «Call & Surf Comfort» ist Telekom-Chef René Obermann zum «Sprachpanscher des Jahres 2011» gekürt worden.

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) bezeichnete die Internetseiten der Deutschen Telekom als  «eine Schocktherapie im Horrorkabinett der deutschen Sprache».  Guter  Horror aber – das wissen Thriller-Liebhaber – fällt nicht vom Himmel, der baut auf Erfahrung und Tradition auf. Eine gewisse Tradition (lateinisch tradere bedeutet ja “weitergeben”) gibt es ja auch, denn der Telekomchef übernahm das Staffelholz der VDS-Auszeichnung quasi von Vorgänger Ron Sommer, der 1998 wegen einer Vielzahl von englischen Begriffen bei der Telekom ebenfalls zum Sprachpanscher ernannt worden.

Die Telekom wies die Kritik zurück. Vor allem die Telekommunikationsbranche werde nun mal von Begriffen wie «Social Media», «Smartphones», «Apps» und «Cloud» dominiert, teilte das Unternehmen in Bonn mit. «Diese Begriffe haben sich nicht nur im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt, sondern finden sich zum Teil mittlerweile auch in namhaften Nachschlagewerken», so Pressesprecher Christian Fischer. 

Es freut uns, dass wir uns da als mitgemeint fühlen dürfen, waren wir doch bei unseren Wörterbüchern immer schon auf höchste Aktualität bedacht. Es freut uns aber auch, dass das Wörterbuch an sich auch in Zeiten der smartestens Phones eine Rolle spielt, weil es die Kommunikation beschreibt, sei sie nun Tele- oder face to face.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, WISSENSWERTES

Kommentare

  • Rick M. |  22.09.2011

    Also ich finde das ganze nicht so schlimm. Schlimmer wäre es, wenn die Begriffe übersetzt werden. Und es tut ja auch niemanden weh, wenn neuartige, technische Begriffe auftauchen. Das Internet entwickelt sich ja auch so schnell weiter.

NEU bei PONS.eu: Deutsch als Fremdsprache

06. September 2011

 Liebe Leserin, lieber Leser,

 wir freuen uns, Ihnen heute ein neues Onlinewörterbuch auf pons.eu vorstellen zu dürfen:  Deutsch als Fremdsprache.

Ob in Sidney, Schanghai, Tokio oder Tübingen: Wo auch immer das Deutsche als Fremdsprache gelernt wird, lernt es sich jetzt ein bisschen leichter.

Nach Schätzungen könnte  der deutsche Allgemeinwortschatz (Grundwortschatz mit Wortschatz der Bildung und der allgemeinen Anteile an Fach- und Gruppensprachen) an die 100.000 Wörter umfassen; der Gesamtwortschatz mit regionalen (aber überregional bekannten), dichterischen und veralteten Wörtern sowie den beruflichen, technischen und wissenschaftlichen Fachwortschätzen zwischen 400.000 und 800.000 Wörter.  Ein Wörterbuch KANN also natürlich gar nicht „alles“ erfassen und ein LERNERwörterbuch sollte es sicherlich auch nicht.

Wie sind die 77.000 Stichwörter und Wendungen des neuen PONS Onlinewörterbuchs DaF vor diesem Hintergrund zu sehen? Sie reichen aus, um auch anspruchsvolle deutsche Texte zu verstehen, die Lernern im universitären Umfeld oder tagtäglich in den Medien begegnen. Vor allem, weil ihnen mehr als 125.000 lernerfreundlich leichte Definitionen hilfreich zur Seite stehen. Und Deutsch spricht man nicht nur in Deutschland: Berücksichtigt werden natürlich auch Wörter, die für den Sprachgebrauch in Österreich und der Schweiz typisch sind.  So muss es keinen Lerner beelenden (traurig stimmen), dass Wörter wie  Bannwald (Lawinenschutzwald) oder Dachgleiche (Richtfest) im Wörterbuch fehlen.

 Als LERNER eine Sprache NICHT als Muttersprache zu haben, bedeutet, all das nicht intuitiv zu wissen, wovon der Muttersprachler  in der Regel nicht einmal weiß, dass er es weiß.

 Das PONS Onlinewörterbuch Deutsch als Fremdsprache versucht möglichst viel von diesem Wissen über die Wörter des Deutschen explizit zu machen.

Dieses Wissen umfasst besonders:

 -  die Schreibung des Stichworts

-   die Silbentrennung

-   die Betonung

-    eventuelle Schreibvarianten

-  das Genus

-   eventuelle grammatische Einschränkungen

-    stilistische Markiertheit

-    Zugehörigkeit zu einem Sachgebiet

-    die Bedeutungen des Stichworts 

-    die typischen sprachlichen Kontexte, die das “natürliche Umfeld” des Stichworts bilden und die sich in Kollokationen und bevorzugten syntaktischen Verwendungen abbilden

-       das Wortbildungspotential des Stichworts und damit sein Stellenwert als Baustein der systematischen Wortschatzstrukturen

 Und worum geht es noch in der deutschen Lernerlexikografie? Dies klärt eines meiner Lieblingszitate ( von Achim Seiffarth¹) :

 „Man erwartet von Deutschlernenden, dass sie wissen, wo Rhein und Elbe liegen, dass Goethe kein Städtename ist usw. Das ist vermutlich Allgemeinbildung und wird übrigens in offiziellen Deutschprüfungen in der Regel nicht vorausgesetzt (was bei französischen Französisch-Prüfungen hingegen möglich ist). Oft geht man auf politische Bildung aus. Was ist eine Bundesrepublik? Dann scheint man wieder zu denken, Deutschlernende müssten die deutschsprachigen Länder auch mögen oder zumindest interessant finden, ihnen menschlich näher kommen. Und schließlich hat man entdeckt, dass Sprechhandlungen oft nicht gelingen wollen, wenn das Wissen um nicht-versprachlichte Kontexte fehlt. Zum Geburtstagskaffee bringt man keine Hinkelsteine mit. Morgens sagt man ‘Guten Morgen’, riskiert aber damit nach 10, der Langschläferei verdächtigt zu werden.“ – Eben, so ist das. Und deshalb können Deutschlerner sich im Onlinewörterbuch DaF zusätzlich zu den Stichworteinträgen mit detaillierten Infokästen zu mehr als 100 Themen darüber  informieren, was uns zwischen Bier und Bilingualismus, zwischen Müll und Modalpartikel, zwischen Halbsprachigkeit und Halbaffix so umtreibt: Keine halbe  Sache, dieses DaF. Deutsch einmal als Freundsprache.

 Andreas Cyffka

________

¹VON DER REPRODUKTION ZUR PRODUKTION. Deutsch-italienische Kulturübungen2002 Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHLICHES, FREUT UNS, LEXI, SCHEINWERFER, WICHTIGES

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