Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Alles nur Luft

13. Oktober 2011

 Luft, liebe Leser, ist ein ähnlich wunderbares Wort wie “körperlos”.  Luftig-leicht, darin fast körperlos, tanzt es durch so ziemlich alle Regionen, die die linguistische Betrachtung identifizieren kann.  Als da wäre: die Komposition oder: das Bilden von Komposita. Sie sei an erster Stelle genannt; schließlich geht es hier um die deutsche Sprache und eine deren hervorstechendster und berühmtester Eigenschaften ist ja gerade die Möglichkeit lange, wenn’s beliebt sehr lange Wörter zu bilden. Sicher fällt auch Ihnen etwas Schönes ein, was man an die Donaudampfschifffahrtskapitänswitwenrentenabholstelle noch anhängen könnte. Eben! Darum tummelt sich die Luft ja in ganzen Hundertschaften von Komposita, mal an zweiter Stelle wie in Atemluft und mal spielt sie die erste Geige wie in Lufteinlass. Das Wort Luft klingt auch noch irgendwie so … luftig eben. Deshalb beteiligt es sich gern an der als Alliteration bekannten Spielerei der gleichen Anlautung benachbarter Wörter wie in von Luft und Liebe leben oder eben: luftig-leicht. Luft kann so zärtlich sein wie der Lufthauch, aber auch gewaltsame Akte produzieren wie das Luftgewehr. Etwas kann auf ihr schweben wie beim Luftkissen. Luft besorgt so praktische Dinge wie die Trocknung von Früchten und Salamis und kommt als Lufthoheit auch schon mal aristokratisch daher. Während Luft  beim Atmen unerlässlich und in der Luftfahrt unverzichtbar ist, erscheint sie nicht immer von so positiven Konnotationen umrankt. Denn Luft steht auch schon mal bildlich für das Leichte, das Unstabile, das Unbeständige und Unverlässliche. Im Deutschen löst sich etwas in Luft auf, im Englischen verschwindet es “in der dünnen” Luft – vanish into thin air, ein Idiom, das sich in Umrissen  schon bei Shakespeare findet,  der in  The Tempest ( 1610)  Prospero sagen lässt: :These our actors, as I foretold you, were all spirits and are melted into air, into thin air. Zum Stichwort “Luftbuchung” weiß Wikipedia:

“Eine Luftbuchung beschreibt in der Buchführung eine Buchung ohne einen tatsächlichen geschäftlichen Hintergrund. Mit sehr vielen Luftbuchungen zwischen vielen verschiedenen Konten wird versucht, die eigentliche Herkunft des Geldes zu verschleiern, häufig um Geldwäsche  zu betreiben.” Da wäre die Luft schon auf dem Weg zur Kriminalität, harmloser ist da der nur leichtsinnige Mensch, der Luftikus, den einst die Studentensprache mit latinisierender Endung aus der Luft griff.

Andreas Cyffka

 


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FUNDSTÜCKE


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