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Weil richtig schreiben wichtig ist

Körperlos

12. Oktober 2011

Neulich stieß ich auf das Wort “körperlos”. Ein interessantes Wort, das zur Googlenutzung regelrecht herausfordert. Natürlich findet die Suchmaschine auch in Foren gestellte Fragen des Typs “Hilfe, was ist mit meinem Körper los?” Sehen wir davon ab, ist das in einem bekannten deutschen Wörterbuch über das Wort Gesagte schon erhellender: Dort werden zwei Bedeutungen angesetzt, von denen die erste “ohne Körper [seiend]” nicht weiter überrascht, denn das wäre nach der Semantik des Suffixes “-los” erwartbar. In welchen Kontexten einer denn “körperlos” ist (und wohl als freier Geist herumschwebt), bleibt der Vorstellungskraft überlassen. Das besagte Wörterbuch nennt auch eine zweite Bedeutung aus dem Sachgebiet des Sports: “ohne körperlichen Einsatz [spielend]“. Das geklammerte “spielend” ist wichtiger als seine Existenz in Klammern vermuten lässt, denn körperloses Laufen oder Schwimmen wäre vermutlich schwierig, wenngleich das Erscheinungsbild von Marathonläufern ja untermauert, dass möglichst wenig Körper ein läuferischer Vorteil ist. Nur das Spiel – jenes mit dem Ball  – kann also “körperlos” sein, was  aber bei Ballsportarten real auch nur selten der Fall zu sein scheint, im Fußball äußerst selten, im Basketball immerhin von den Regeln begünstigt. In Spiegel Online war am 06.09. 2007 zu lesen:  “Technik-Trends:

“Handys werden körperlos. Mobiltelefone sind bereits zu kompakten Einheiten geschrumpft, die gerade noch bedient werden können. Für eine weitere Miniaturisierung müssen Handys daher Masse verlieren – etwa durch transparente Displays oder eine Lochtastatur.”

Interessant daran ist, dass hier die Körperlosigkeit sich nicht auf den menschlichen Körper bezieht, der dem Geist abhanden gekommen ist oder der sportlich einen anderen menschlichen Körper nicht berührt oder der – hochmodern – sogar bei Prominenten wegabstrahiert werden kann:

“Der prominenteste Witzigmann-Preisträger dieses Jahres, Prinz Charles, war aus Termingründen nur „körperlos“ per Videobotschaft anwesend.”

Die Körperlosigkeit ist im Spiegel-Zitat  gesagt von einem physischen Gegenstand; so auch im folgenden Beispiel:

 ”Das Tempo, mit dem Amazon das Kindle-Programm ausbaut, zeigt, wie wichtig bei Amazon der Übergang vom teuren Versandhandel (mit hohen Logistikkosten) hin zum vergleichsweise günstigen körperlosen Vertrieb ist”. Da haben wir’s: Ein weiterer Kollokator. Auch ein Vertrieb kann “körperlos” sein, d.h. ähnlich wie beim Spielen (mit dem Ball) eine Handlung. Man sieht: Die Lexikografen haben immer noch Neuland zu entdecken.

Andreas Cyffka

 


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FUNDSTÜCKE


Kommentare

  • IdaM |  07.11.2011

    “Körperlos” ist meiner Meinung nach ein absolutes Unwort, bedeutungslos und im alltäglichen Sprachverkehr nicht zu gebrauchen!


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