Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

15. Dezember 2011

Liebe Leserin, lieber Leser,

 das Jahr nähert sich mal wieder seinem Ende. Das Jahr im Blog war geprägt durch Themen, die manchmal ganz leicht, manchmal auch weniger leicht zu verstehen sind.

 Im Dezember vernehmen wir bereits die Meldungen aus Österreich und der Schweiz zu den in unseren Nachbarländern gekürten Wörtern des Jahres. Dass der Wortbestandteil Euro- in beiden Sieger-Wörtern vorkommt, stellt nun eine – sagen wir – maßvolle Überraschung dar. Das Jugendwort im Österreich des Jahres 2011 ist „liken“, was stimmig ist, denn die Bedeutung von Facebook wächst ja beständig.

Spaß hatten wir mit dem Einfall der österreichischen Aktionskünstler von BirdBase und ihrer Idee einer rechtschreiblich stark deformierten Kafka-Ausgabe als Medien-Aufreger. Auf gewisse rechtschreibliche Defizite und ganz allgemein die Bedeutung und die Wahrnehmung von Rechtschreibung sollte die Aktion hinweisen. Wir halten das für keine ganz schlechte Idee, denn mit geringem Zeitversatz hatte der Rat für deutsche Rechtschreibung ja Alarm geschlagen hinsichtlich eines alarmierenden Ausgreifens von Analphabetismus.

Ein klein wenig Stolz waren wir bei der Meldung, dass PONS Die deutsche Rechtschreibung ihren Nutzern nun 147.000 Stichwörter bieten kann.

Wir sinnierten über rechtschreiblich bedenkliche Funde in Wald und Flur und begrüßten das Onlinewörterbuch Deutsch als Fremdsprache auf PONS.eu. Wir sinnierten über letzte Fragen wie den Heavy-Metal-Umlaut und sammelten Erkenntnisse im Netz auf wie:

Derjenige, der viel falsch schreibt, hat entweder andere Prioritäten in seinem Leben oder ist vielleicht auch dabei es noch zu lernen.

Wir hoffen, dass Sprachliches für Sie auch zukünftig wichtig bleibt. Und nach einer Phase von  Zimtsternen, Sekt und Raketen wollen wir Ihnen auch 2012 leckere, perlende und Funken sprühende [auch: funkensprühende] Themen rund um Deutsch und das rechte Schreiben präsentieren. Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

 

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: FREUT UNS, WICHTIGES

Kommentare

  • dieta disociada |  18.12.2011

    We think this is not a bad idea because of low time delay but it will get some idea about this.Here’s my list that have a table to follow the dieta disociada. Comes in handy if you do explication and it feels better, Try to see it better. I encourage all of them!

  • Quickster |  20.12.2011

    Und noch kein Bericht über das Wort des Jahres in Deutschland: “Stresstest”. Da hat es mich nämlich gewundert, dass sich kein “Euro” im Wort befindet ;)

  • Lux |  29.12.2011

    Dann freue ich mich schon auf die neuesten kreativen Auswüchse 2012. Es war ein spannendes Jahr, nur viel zu kurz, aber das wird das nächste auch wieder ;)

Österreichisches Wort des Jahres

15. Dezember 2011

 Flag of Austria.svg

Das Wort  “Euro-Rettungsschirm” wurde in Österreich zum Wort des Jahres gewählt.  ”Die Wahl dieses Wortes ist durch seine Bedeutung und aufgrund der Häufigkeit des Auftretens in den Medien begründet. Zudem hat das Wort zwei positive Bedeutungen, indem es als ‘Schirm’ Schutz vor von oben kommenden negativen Auswirkungen verspricht, gleichzeitig aber auch als ‘Rettungsschirm’ eine weiche Landung der in die Krise geratenen Wirtschaft der Euro-Länder in Aussicht stellt”, lautet die Begründung.

Auf Platz zwei gelangte “Arabischer Frühling”, was aktuelle Ereignisse “historischer Größe” bezeichne, sich an den “Prager Frühling” anlehne und die Hoffnung auf eine umfassende Demokratisierung in autoritär regierten Ländern ausdrücke. 

Den Titel  Un-Wort des Jahres 2011 konnte die Schöpfung  “Töchtersöhne” für sich verbuchen. Die Jury: “Das Un-Wort des Jahres 2011 ist aus der Verkürzung der neu formulierten Zeile ‘Heimat, bist du großer Töchter, Söhne’ der österreichischen Bundeshymne entstanden und stellt eine sprachlich sehr unglückliche Formulierung dar, da damit unbeabsichtigt die von Töchtern geborenen männlichen Enkel gemeint sein können. Die mangelhaft gestaltete Hymnenzeile war Anlass dafür, dass von verschiedenen Seiten ein legitimes Anliegen der Frauen in Zweifel gezogen wurde. Es ist die mangelhafte sprachliche Form und die damit verbundenen Reaktionen, die den Ausdruck zu einem Unwort machen.”

Österreichs Jugendwort des Jahres 2011 ist “Liken” (“Gefällt mir”). Begründung  der Jury:

“Das Jugendwort 2011 ist vor allem durch seine weite Verbreitung und seine besondere Funktion in der Kommunikation in den von den Jugendlichen stark benutzten sozialen Medien gekennzeichnet. Gleichzeitig steht es für einen gängigen Typ von neu gebildeten Wörtern, indem ein englisches Wort mit einer deutschen Endung versehen wird. Inhaltlich steht es für die Funktion „Gefällt mir“ auf Facebook und in anderen sozialen Medien, mit der unverbindliche Zustimmung und Sympathie zu Handlungen von „Freunden“ in den sozialen Medien ausgedrückt werden können.”

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, WISSENSWERTES

Kommentare

  • Dana |  26.12.2011

    Interessant sich verschiedenen Unwörter anzuschauen. Mein Meinung nach liegt Österreich mit dem Euro-Rettungsschirm da ziemlich weit vor. Mal schauen was 2012 so an “Unwörtern” bringt.

Schweizer Wort des Jahres

14. Dezember 2011

Flag of Switzerland.svg 

Das Schweizer «Wort des Jahres 2011»
lautet .«Euro-Rabatt»

Während in den letzten beiden Jahren Begriffe aus der Politik
die Wahl dominierten («Minarettverbot» und «Ausschaffung»), kommt das diesjährige Sieger-Wort aus dem Bereich Wirtschaft. Eine typisch
schweizerische Seite der Eurokrise sei, dass die Konsumenten von den tieferen Preisen im EU-Raum
profitieren, findet die Jury. «Euro-Rabatt» sei die präzise Verkürzung für dieses Phänomen. Die Wortschöpfung sei derzeit im Schweizer Alltag allgegenwärtig: Mit dem Verkaufsargument «Euro-Rabatt»
wird für Preisermässigungen insbesondere beim Auto- oder Möbelkauf geworben. Abgeschlagen, aber auch interessant: Das Wort «Seefeldisierung».
Der Begriff steht exemplarisch für eine ungute Entwicklung in Schweizer Städten: Ganze Stadtteile
werden durch Zuwanderung von hochqualifizierten und reichen Bewohnern zu Luxusquartieren, unerschwinglich für jahrelang ansässige Bewohner. Dieser Vorgang ist allgemein auch unter dem Begriff  Gentrifizierung bekannt.
 
Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: GELESEN, WISSENSWERTES

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Kafkaesk

08. Dezember 2011

Durch die Medien geisterte dieser Tage die Nachricht einer extrem fehlerhaften Edition von Kafkas “Das Schloss”, angeblich finanziert mit Mitteln der EU und kostenlos an österreichischen Schulen verteilt. Inzwischen ist der Spuk aber gebannt: Weder die EU-Finanzierung noch die flächendeckende Verteilung an Schulen waren real.  Hinter dem Kafka-Buch steckt die österreichische Aktionsgruppe “The BirdBase”.

1000 Exemplare von Kafkas “Schloss”, gespickt mit insgesamt 1850 Fehlern, will The Bird Case an Schulen und Medien verteilt haben, inklusive Pressematerial von einem  fiktiven Verleger Adrian Schulz vom Verlag Gehlen & Schulz. Zwei Millionen Exemplare sollten angeblich  gedruckt worden sein, gefördert mit 345.000 Euro von der EU. ”Bild”,  “FAZ”, und  Börsenblatt berichteten.  Jetzt stellte sich heraus:

“Die Schloss-Edition war  eine scherzhafte Aktion mit ernstem Anliegen. Und alle, die sich mit dem Thema befasst haben, sind darauf hereingefallen”, schreibt “Die Presse“. Die Aktionsgruppe “The BirdBase” wollte mit der Aktion Kritik am österreichischen Bildungssystem üben. “Wenn sich nichts ändert, werden solche Bücher der Normalfall sein”, heißt es der Zeitung zufolge in einem Schreiben der Gruppe, die etwa 100 Teilnehmer haben soll, darunter viele Lehrer.

Allerdings: Wir finden, dass es im ersten Satz des “Enthüllungstextes” vieles (mit kleinem “v” ) heißen muss. 

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN

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