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Weil richtig schreiben wichtig ist

Erster Mai

27. April 2012

Noch ist es April, liebe Leser, aber viele von Ihnen sehen sicher einem angenehm langen Wochenende in Verbindung mit dem Maifeiertag entgegen. Dass der Erste Mai kein Tag wie jeder andere ist, das schlägt sich auch sprachlich in vielfältiger Weise nieder.
Rechtschreiblich fällt er in die Kategorie der besonderen Kalendertage, weshalb man Erster Mai mit einem großen “E” schreibt. Der Volksmund weiß : Alles grün macht der Mai! Uns von PONS freut das natürlich besonders. Der Mai gilt als der
“Wonnemonat”. Dabei enthält das Gedicht von Friedrich Rückert(1788-1866) durchaus nicht nur wonnige, sondern auch ausgesprochen melancholische Gedanken:

Der Mai macht alles grün,
Nur meine Hoffnung nicht.
Er macht die Rosen blühn,
Wie euer Angesicht,
Und läßt die Sonne glühn,
Wie euer Freudenlicht.
Der Mai macht alles grün,
Nur meine Hoffnung nicht.

Der Mai macht alles grün,
Auch meiner Kinder Grab.
Mit seinem Thaue sprühn
Die Thränen mir hinab,
Und seine Lüfte mühn
Sich mit den Seufzern ab.
Der Mai macht alles grün,
Auch meiner Kinder Grab.

Der Mai bildet im Deutschen eine ganze Reihe von Wortzusammensetzungen, deren erstes Element in der Regel “Mai-” ist, das aber seltener oder dichterisch auch als “Maien-” begegnet.

Der Erste Mai erfreut bekanntlich nicht nur durch schönes Wetter beim Maiausflug der Familien, sondern hat auch politisch-historische Dimensionen, die in Maifeiern und Maikundgebungen zum Ausdruck kommen. Schön, wenn’s bei der Kundgebung bleibt. Maikrawalle haben wenig von Wonne.

Im Mai weht dem Dichter die Maienluft, er genehmigt sich von der Maibowle und stellt ekstatisch fest: Es grünt und mait! So vitalisierend ist er, der Mai, lässt flugs ein Verb sprießen. Und ist etwas ganz besonders schön, kann man sagen: Wie einst im Mai! Das  ist der Titel einer Operette von Walter Kollo.

Das Aufstellen des Maibaums oder Maienbaums hat lange Tradition, ebenso die Wahl  einer jungen Dame zur Maikönigin. In Kiel erfreut man sich an der Kuchenspezialität  der Maikringel.

Die Maiblumen blühen und in Wörterbüchern die Stichwörter: “Mailbox” und “mailen” stellen dankbar fest: Zwischen uns gibt es das “Mailehen” – ist das nicht romantisch?

Wo und wie auch immer Sie Ihren Ersten Mai verbringen – wir wünschen Ihnen einen schönen Tag!

 

MAI UND DEUTSCH: BEIDE GRÜN

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FREUT UNS

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Klug und verständig

26. April 2012

 

 

“Wir sollten wieder lernen, so klug und verständig zu reden wie kleine Mädchen mit ihren Puppen.” (Kurt Weidemann)

IMAGINE THERE’S NO DEUTSCH


Andreas Cyffka | Kategorie: FREUT UNS, GELESEN

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Anagramme

26. April 2012


 

Dieses Video wirbt natürlich für einen nicht unbekannten Hersteller der Nahrungsmittelindustrie und insbesondere dessen Buchstabensuppe. Buchstabensuppe – muss das uns Wörterbuchleute nicht entzücken? Essen wir sie nicht jeden Tag?  Mitnichten! Auch für uns ist doch immer wieder überraschend, was Werber Sprache so alles an Aspekten abgewinnen können. Im Film plädiert der gestrenge Herr Papa auch ohne Töne von sich zu geben für Ruhe. Doch die Zungenakrobatik will halt gekonnt sein und so präsentiert er im ersten Versuch das provokante H-Wort. Nun besteht zwischen der HURE und der RUHE aus sprachwissenschaftlicher Sicht tatsächlich eine Beziehung. Die beiden Wörter sind Anagramme.

Anagramme sind Wörter und Sätze, die durch Umstellen der Buchstaben eines Wortes oder Satzes entstanden sind. Nur die gegebenen Buchstaben sind verwendbar und keine anderen dürfen zur Hilfe gerufen werden.

Wenn also Anna schreibt, ist’s ein Anna-Gramm,  wenn’s bei den gegebenen Buchstaben bleibt, ist es ein Anagramm. Anagramme taugen nicht nur zum Werbejux, nein: Sie spielen sogar in der Lyrik eine Rolle. Eine wahre Meisterin des Anagramm-Gedichts war Unica Zürn, die 123 Anagramm-Gedichte verfasst hat. Zum Beispiel dieses:

Das ist ein Anagrammgedicht

 

Ein Anagramm ist das Gedicht

gemacht im Anti-Sarg, im Sande.

An Ti gedacht, im Gras, im Sande,

stimmt dich der i-aa-Gesang an.

 

Das singt ein Tiger am am Dach.

Das ist mein Rachetag am Ding.

Da nagt sein Drama am Gesicht,

das ist ein Anagrammgedicht.

 

Ei das dich mag´ren Satang mit

Danten grimmig stich! – Das E-AA-

das Anagramm, dein geisticht

arme Magd sagt an: dein Ich ist

ein Gramm Dichtang. Ist E-A-

das Nest im Ei, ach dring am Tag

ein Anadicht, das Geistgramm –

ein Gramm ANA. Das Gedicht ist

im Na gemacht. Rest: DAS NA IGDI

ist der anamitische Dang-Gam-

Gam-Gan-dit – ein dramatisches

Gedicht. Das ist ein Anagramm

 

RECHTE SCHREIBUNG – EIN GEDICHT!

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, POESIE

Kommentare

  • deutschfreak |  26.04.2012

    Krasses Gedicht! Unica Zürn war j a mit Hans Bellmer zusammen – irgendwie passt diese Dichtung zu Bellmers Fotos

  • Deutschblogger |  26.04.2012

    Das ist richtig, deutschfreak. Unica Zürn und Hans Bellmer arbeiteten zusammen. Aber ich persönlich finde Bellmers Arbeiten weit verstörender. Grüße!

  • krassnik |  26.04.2012

    Unica – hieß die wirklich so?

  • Deutschblogger |  26.04.2012

    Geboren wurde sie als Nora Berta Ruth Zürn

Wie Sie das und dass nie mehr verwechseln

25. April 2012

 

Wie gestern angekündigt, liebe Leser, heißt es heute also : Rein in den roten grünen PONS Regel- Flitzer.  Ausgestattet  mit Antischockiersystem (keine  linguistische Aufblasung) und Seitenaufschwallschutz (Verzicht auf seitenlange Erklärungen). Los geht’s in Richtung best practice dass/das!

Zunächst das Wörtchen “daß”:  Mega-out! Nichts ist so alt wie die Schreibung von gestern. Diese Schreibung gibt es seit der Rechtschreibreform nicht mehr. Nirgends! OK, in alten Texten kann man sie natürlich noch lesen, aber bitte nicht mehr schreiben!

Also bleiben wir beim “dass” – und unterscheiden diese KONJUNKTION vom ARTKEL bzw. RELATIVPRONOMEN “das” in der folgenden Weise:

Das  Wort  ”das” kann man immer durch “dieses”, “jenes” oder “welches” ersetzen, wobei die Bedeutung gleich bleibt:

Das Wort  ist falsch geschrieben.

Dieses Wort ist falsch geschrieben.

Bei der Konjunktion “dass” klappt das natürlich nicht:

Ich wusste nicht,  dass sie über Rechtschreibung schreibt.

*Ich wusste nicht, dieses sie über Rechtschreibung schreibt.

 

Und nun etwas Grammatik:

 

DAS  … ist ein DASS … ist eine

ARTIKEL oder RELATIVPRONOMEN oder DEMONSTRATIVPRONOMEN

KONJUNKTION

 

- bestimmter Artikel

Das Wort ist ein Substantiv.

Man kann “das“hier
durch “dieses” ersetzen.

Dieses Wort ist ein Substantiv.

- Relativpronomen

Ein Wort, das ein Substantiv ist, schreibt man groß.

Man kann “das“ hier durch “welches” ersetzen.

Ein Wort, welches ein Substantiv ist, schreibt man groß.

- Demonstrativpronomen

Das glaube ich nicht.

Man kann “das” kann hier
durch “dies” oder
jenes” ersetzen.

Dies glaube ich nicht.

Sie leitet einen so genannten Objektsatz ein

Man versteht, dass Rechtschreibung wichtig ist.

Der Nebensatz “dass Rechtschreibung wichtig ist”
ist ein Objekt des Verbs “verstehen”. Frage: Was versteht man?

 

Sie leitet einen so genannten Subjektsatz ein

Dass Rechtschreibung wichtig ist, ist allgemein bekannt.

Der Nebensatz “Dass Rechtschreibung wichtig ist”
ist das Subjekt des Hauptsatzes. Frage: Wer oder was ist allgemein bekannt?

Sie leitet einen so genannten Attributsatz ein

Der Vorschlag, dass wir "das" im Blog behandeln, wurde bejubelt.

Der Nebensatz “dass wir “das” im Blog behandeln” ist ein  Attribut von “Vorschlag”.

Das war’s schon.  Dass man das nicht “Dass war’s schon” schreibt – das wissen Sie nun.

Nun bitten wir Sie um Ihre Meinung:

 

 

Sollen im Blog öfter konkrete Rechtschreibregeln behandelt werden?

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SCHON KRASS, DASS DAS SO EINFACH IST

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, REGEL-SCHNÄPPCHEN, WISSENSWERTES

Kommentare

  • krassnik |  26.04.2012

    Der Vorschlag, dass wir “das” im Blog behandeln, wurde bejubelt.
    - bringt mal noch mehr Regeln mit so irren Beispielsätzen!!

  • Deutschblogger |  26.04.2012

    Gerne, krassnik! Wir bringen noch mehr es gibt ja noch viel mehr tolle Regeln. Grüße

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