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Weil richtig schreiben wichtig ist

Joachim Löw verzockt sich

29. Juni 2012

 

Joachim Löw verzockt sich. Das liest man heute als Überschrift in der ZEIT ONLINE. Googelt man “Joachim Löw verzockt sich”, findet man immerhin schon 105 Ergebnisse von genau dieser grammatischen Konstruktion. Genau das ist es ja: eine Konstruktion.

Wir schlagen nach im DUDEN: Der sagt, dass verzocken ein schwaches Verb ist, sein Perfekt mit “hat” bildet, umgangssprachlich ist. Zustimmung für all dies. Die Bedeutung sei “durch Zocken verlieren”. “Zocken” wird erklärt als (umgangssprachlich) für “Glücksspiele” machen. Einverstanden. So kenne ich das Wort. So würde ich es gebrauchen. Jemand verzockt etwas. Er hat das Geld verzockt.

Die Beispiele zeigen aber eine syntaktisch andere Vewendung: jemand verzockt SICH.

Und mag Jogi Löws  Taktik auch vielleicht fußballerisch  mit Glücksspiel zu tun haben (oder auch nicht): Hier wird nicht gesagt, dass Löw Geld im Glücksspiel verloren hat, sondern, dass er sich geirrt, irgendwie getäuscht oder sonstwie verheddert hat.

Vielleicht sieht man hier ja einen Prozess in action, den der Linguist Rudi Keller von der Universität Düsseldorf so beschrieben hat:

“Wir nehmen den Beginn eines Wandelsprozesses wahr, der notwendigerweise eine Regelverletzung darstellt. Unsere Wahrnehmung lässt nach in dem Maße, in dem die anfängliche Regelverletzung zum allgemeinen Usus geworden ist. Denn damit verliert sie jede Auffälligkeit.”

 

Andreas Cyffka


DEUTSCH ZOCKT, DEUTSCH ROCKT


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHLICHES


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