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Weil richtig schreiben wichtig ist

RICHTICH VALSCH: LÄSN DURCH SCHRAIBN

26. Juni 2012

Erregungszustände über die Rechtschreibung des Deutschen sind selten geworden. Es wird – im Gegensatz zu seligen Tagen der Rechtschreibreform – heute im orthografischen Zusammenhang  wenig verbal zugeschlagen, dafür aber viel nachgeschlagen.  Leichte Zutaten für das redaktionelle Sommerkochschema – Rechtschreibung mal wieder ein Sommerlochthema? Doch jüngst schaffte es Rechtschreibung tatsächlich ins Nachrichtenportal T-Online und sogar ins Fernsehen. Rechtschreibung? Also, nicht ganz. Gewissermaßen eher die Abwesenheit derselben.

Immer mehr Grundschüler in Deutschland werden nach der reformpädagogischen Methode “Lesen durch Schreiben” (LdS)  unterrichtet. Dabei lernen die Kinder nicht mehr Buchstabe für Buchstabe aus der Fibel kennen, sondern können Wörter so schreiben, wie sie sie akustisch wahrnehmen. Korrekturen durch Lehrer beziehungsweise Eltern sind bei diesem Konzept allerdings nicht erwünscht.

Der Satz “Fahrrad fahren macht Spaß” liest sich dann schon mal  ”Varrat varn machd schbas!”  Die Rechtschreibfehler, die so entsprechend zahlreich anfallen, sollen aber in den ersten beiden Schuljahren zunächst nicht verbessert werden. “Freude an Sprache” und “Kreativität” sollen sich uneingeschränkt entfalten können.
Entwickelt wurde das Konzept in den 70er Jahren vom 2009 verstorbenen Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen. Eine Variante dessen ist die in Deutschland weit verbreitete sogenannte “Rechtschreibwerkstatt” vom Schulpsychologen Norbert Sommer-Stumpenholz.

Dabei hilft die sogenannte Anlauttabelle, die jedem Kind zur Verfügung steht. Sie unterstützt beim Auffinden der Laute und zeigt dazu passende Bilder, wie etwa A für Affe, Eu für Eule oder Ei für Eis.

Lehrer, die mit dem Konzept arbeiten, schwärmen  von den schnellen Erfolgen ihrer Schüler.

Sehr viele Mütter und Väter sehen es allerdings anders und wettern in Internet-Foren wie bei “petitionen.com”gegen die Methode.

Der ehemalige Lehrer Günter Jansen kämpft mit seiner Webseite “grundschulservice.de”  gegen LdS.

In der dritten Klasse, wenn auf korrekte Rechtschreibung umgestellt werden müsste, käme meist der Einbruch, der sich bis in die weiterführenden Schulen bemerkbar mache. Dann haben sich nämlich schon individuelle Rechtschreibschwächen fest setzen können, die durch LdS bisher verdeckt waren. Außerdem sind viele Schüler am Ende der Grundschulzeit verunsichert, denn was in den ersten Schuljahren nicht korrigiert wurde, wird nun als falsch angestrichen.

Man sieht: Auch ohne LSD ein ganz schöner Rechtschreib-Trip mit LdS!  Was halten Sie davon?

Andreas Cyffka


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Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, KONTROVERSES, WISSENSWERTES


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