Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Man spricht Tour

13. Juli 2012

 

 

Interessieren Sie sich für die Tour de France? Ja? dann sind Sie wahrscheinlich auch ein Altfan; so einer, dem „Besenwagen“ kein weniger natürliches sprachliches Ausdrucksmittel ist als „Besenschrank“ und dem niemand erzählen kann, contre la montre sei das Motto der französischen Slow Food-Bewegung. In diesem Fall werde ich Ihnen wohl nichts Neues mehr über die Tour anbieten können. Sollten Sie aber ein radsportlich Späterweckter sein, werden Sie nicht vom Leben bestraft, sondern von ARD und ZDF, welche berichterstattungstechnisch im Jahre 2012 nicht an die Verhältnisse in goldenen Team-Telekomtagen aufschließen. Aber es gibt ja noch andere Informationsquellen – und es gibt das gedruckte Wort. Wollen Sie sich Tour-Flair der klassisch-literarischen  Art mal aus gedruckten Seiten entgegenwehen lassen, greifen Sie zum Kultklassiker der Speichenliteratur,  dem Roman von Hans Blickensdörfer. Nein, der heißt nicht „Epo im Blut“, sondern „Salz im Kaffee“ und ist ein feiner Lesestoff und eine Anregung, dem Verhältnis von Tour de France und Sprache nachzuspüren. Das wollen wir hier – natürlich in aller gebotenen  Kürze- auch tun und zwar bis weit jenseits des zur Legende gewordenen Artikelgebrauchs von Walter Godefroot (“Die Bölts, die ist so stark, die geht niemals kapütt.”)

Die TdF führt nicht unbedingt immer durch die Touraine, jene historische Landschaft in Westfrankreich (Danke, Wikipedia!). Das von einem Tourteilnehmer  benutzte Fahrrad ist kein Tourenrad, sondern – präzise - ein Straßenrennrad oder eine “Rennmaschine”. Die Tourteilnehmer werden auch schon mal als Tourfahrer bezeichnet. Doch ist ein Tourfahrer etwas ganz anderes als ein Tourengeher, denn der hat mit hohen Bergen zu tun (die TdF allerdings auch). Sprache ist eben verwirrend. So sind Details zum Rennverlauf nicht die „Tourdaten“, denn die haben eher Rockbands. Das Trikot schreibt man in der Schweiz auch „Tricot“. Alle wollen es, wenn es gelb ist; schreiben dürfen Sie: das “gelbe Trikot” oder das “Gelbe Trikot”, denn beides ist richtig.

Der Gebildete  kann einen Überblick über ein Thema „Tour d’Horizon“ nennen, muss sich dann aber beweisen, in dem er die Berggämsen, diese kleinen Bergfahrer (vorzugsweise spanischer oder kolumbianischer Provenienz) auch korrekt mit „ä“ schreibt und nicht als „Berggemsen“ in die (Prä-Reform) Ära von Fausto Coppi verweist. Und alle dürfen überhaupt nur zum Tourgucken vor den Fernseher, wenn sie wissen, wie man die Fortbewegung auf dem Drahtesel richtig schreibt: „Rad fahren“ – gut, wenn Sie in der Schweiz leben, dann eben „Velo fahren“. Am Streckenrande bemerkt: Den Teil der Bevölkerung, der “Rad fährt” können Sie als den “Rad fahrenden”, aber auch als den “radfahrenden” Teil schreiben – wenn das mal nötig sein sollte.

Die TdF beginnt immer mit einem auch als „Prolog“ bezeichneten Einzelzeitfahren. Ein guter Rundfahrer ist daher am besten auch ein guter „Roller“, der Jargonausdruck für einen guten Zeitfahrer. Zeitfahren ist in mancher Hinsicht eine gute Sache: Da kann sich keiner in den Windschatten hängen und es kommt auch nicht zu einem Massensturz.

Aber Zeitfahren ist nicht Touralltag. Rollt das Feld geschlossen durch Frankreich, löst sich da manchmal ganz diskret ein Fahrer und sucht sein Heil in der Flucht. Ein solcher Ausreißversuch ruft  jedoch – ganz wie im richtigen Leben – bald eine Verfolgergruppe auf den Plan, wobei sich die Verfolger in der Führungsarbeit abwechseln. Ist der Ausreißer gestellt, können sich alle mal freuen: (a) auf jenes Essen, das den Rennfahrern in fliegender Fahrt auf bestimmten Streckenabschnitten zugereicht wird – ein Tun, das man Verpflegungskontrolle nennt, obwohl dort eigentlich nichts kontrolliert wird. Und (b) auf den Ruhetag, an dem Rennfahrer auch meist auf dem Rennrad sitzen („aktive Erholung“).

Ist das Rennrad mal defekt – kein Problem, dafür gibt es den Materialwagen, meist gesteuert vom sportlichen Leiter. Ein Service, der besonders wichtig wird, wenn der Kapitän Defekt hat. Seine Domestiken führen ihn dann wieder an das Feld heran. Sie heißen auch Wasserträger, denn ohne frische Getränke erschöpft man sich schnell und wird ein Fall für den Besenwagen.

Der Teufelslappen  ist schon bald in Sicht, jene dreieckige Fahne, die den letzten Kilometer der Etappe anzeigt. Nach dem Etappensieg wartet auf den Sieger nicht gleich der Mannschaftsbus, sondern die  - Dopingkontrolle. Geben Sie’s zu: Das böse D-Wort rastet in den Satz wie die Schuhplatte ins Klickpedal. Eine ähnlich feste Verbindung wie zwischen pedalierendem Bein und Tretkurbel haben die „Skandale“ der vergangenen Jahre leider zwischen der Tour und den chemisch-medizinischen Hilfsmitteln erzeugt.

Doch das Monument Tour ist größer, die Tour schreibt Geschichte und ist Geschichte. Auch im Urteil von einem, der es wissen muss –  Erik Zabel: ” Überall, wo ich hinkomme, hat Eddy schon zehnmal gewonnen.”




DEUTSCH: GARANTIERT POSITIV


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES


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