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Ö … es ist Deutsch

10. Juli 2012


Nach einer neueren  Studie verwendet die junge Generation in Österreich  zu einem Drittel bundesdeutsche Bezeichnungen. Typisch österreichische Ausdrücke werden wenn, dann nur mündlich verwendet. 

Peter Wiesinger, emeritierter Professor der Sprachwissenschaft der Universität Wien meint, dass die Übersetzungen von Kinderbüchern mit ein Grund sind, warum die österreichische Variante des Hochdeutsch immer weiter zurückgedrängt wird: „Sogar Kinderbücher, die in Österreich hergestellt werden, verwenden bundesdeutsche Ausdrücke.”

Wiesinger macht die „globalisierte Umwelt“ dafür verantwortlich, dass die junge Generation den Unterschied zwischen Norddeutsch und Süddeutsch, zu dem das Österreichische zählt, immer weniger bewusst erlebt. Um die Schriftsprache der heimischen jungen Leute zu erkunden, hat er nun erstsemestrige Germanistik-Studenten befragt, welche Ausdrücke sie verwenden.

„Das österreichische Deutsch wird als eine Variante der Schriftsprache verstanden“, sagt der Professor: Nicht alles, was man mündlich verwendet, schreibt man auch.“ Tatsächlich zeigte die Auswertung der Fragebögen, dass im Schnitt ein Drittel der Befragten bundesdeutsche Varianten statt der österreichischen verwendet. So war etwa ein Bild zu sehen, auf dem ein Mann Stiegen hinaufgeht. Daneben stand: „Was tut dieser Mann?“ Viele schrieben „Er geht die Treppen hinauf“, das „hinauf“ ist österreichisch. Doch ein Drittel der Teilnehmer nannte das Wort „Treppe“ statt Stiege. Nur wenige nutzten die bundesdeutsche Variante doppelt und schrieben „Er geht die Treppe hoch“. Weiters nannte etwa ein Drittel der Befragten einen Buben einen „Jungen“, den Aufzug „Fahrstuhl“ und die Schulnote „eine Eins“ statt „einen Einser“.

Weniger eingebürgert scheint dafür die deutsche „Kasse“ statt der österreichischen „Kassa“, und der Ausdruck „Marille“ ist bisher gar nicht „gefährdet“. „Aber die Präpositionen ändern sich“, sagt Wiesinger. So schwindet das österreichische „Sie kommen auf Besuch“ und weicht dem norddeutschen „zu Besuch“. Auch in „Ich habe auf deinen Geburtstag vergessen“ fällt das „auf“ immer öfter weg. „Man merkt, dass den Menschen der Dialekt als Korrektiv fehlt“, sagt Wiesinger. „Im Dialekt geht man ,auf Besuch‘. Doch gerade im städtischen Bereich, allen voran in Wien, geht der Dialekt bei jungen Leuten verloren.“

„Man müsste schon in der Schule den Leuten bewusst machen, welche Ausdrücke österreichisch sind: Es wird zwar das ,Österreichische Wörterbuch‘ verteilt, aber kein Lehrplan sieht das österreichische Deutsch als Thema vor“, sagt Peter Wiesinger. Viele seien sprachlich unsicher und wählen zur Vorsicht die bundesdeutsche Variante: „Quasi, weil sie meinen, die Deutschen reden besser als wir.“

Als Austriazismen bezeichnet man den Wortschatz, der im restlichen Sprachgebiet als typisch österreichisch wahrgenommen wird. 23 Begriffe wie Erdäpfel, Eierschwammerl, Ribisel oder Powidl wurden beim EU-Beitritt Österreichs im Protokoll Nr. 10 festgehalten, die parallel zu den deutschen Bezeichnungen zu verwenden sind.

Andreas Cyffka |

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Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, DEUTSCH IN ÖSTERREICH, GELESEN, WISSENSWERTES


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