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Weil richtig schreiben wichtig ist

Cool Runnings

08. August 2012

 

Der Film Cool Runnings aus dem Jahr 1993  erzählt die Geschichte der ersten jamaikanischen Bobmannschaft, die bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary an den Start ging. Der Film basiert lose auf einer wahren Begebenheit. Tatsächlich konnte sich eine jamaikanische Bobmannschaft zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary qualifizieren. Sie stellte auch ohne großen sportlichen Erfolg damit den olympischen Grundgedanken „Dabei sein ist alles“ unter Beweis. Gut, dass Regisseur Jon Turteltaub als Amerikaner Englisch als Muttersprache hat. Wäre es Deutsch gewesen, wäre das Projekt unter Umständen schon an der Frage gescheitert, ob die Bobfahrer des Inselstaates sprachlich (phonetisch) nun aus Jamaika oder aus “Dschemaeike” kommen.

Dies wäre zumindest in einer Welt problematisch gewesen, die mit den Augen des Verein Deutsche Sprache gesehen wird, der beständig gegen Anglizismen im Deutschen kämpft. Nun hat er im Rahmen der Olympischen Spiele dem ARD-Reporter Wilfried Hark den von  ihm neu geschaffenen „Dschammeeka-Preis“ verliehen.

Grund: Hark spreche nach Meinung der Sprachpfleger Namen mit einer zu englischen Aussprache aus, besonders das Wort „Jamaika“. Mit dem Preis sollen künftig  Reporter ausgezeichnet werden, “die bei sportlichen Großereignissen am konsequentesten die deutsche Aussprache von Orts-, Länder- und Personennamen vermeiden“ – so VDS-Vorsitzender Professor Walter Krämer.
Krämer weiter: “Ich habe nichts dagegen, wenn Reporter Länder in ihrer jeweiligen Landessprache aussprechen.
Dann hieße die Insel aber ,Dschömeika’“.„Dschammeeka“ würden den Namen vor allem Amerikaner aussprechen.

Nun ist bei Jamaika laut Duden ohnehin es so eine Sache mit der Aussprache: Man kann “Jamaika” oder “Dschamaika” sagen. Beim “Dscha” ist dann aber gut auf eine deutliche Qualität des “a” zu achten! Rutscht man da etwas zu sehr in Richtung “e”, ist schon Schluss mit lustig und man findet sich bei einer “sich anbiedernden” englischen Aussprache.

Mit Verlaub: Die Vermeidung “sinnloser”, weil “überflüssiger”  Anglizismen, für die es gute deutsche Entsprechungen gibt, ist ein sinnvolles Anliegen. Die Kritik an solchen ist legitim. Der Dschammeeka-Preis aber ist ein Füller für das Sommerloch. Und dazu nicht mal ein guter. Dafür gibt es nur – Pardon – ein Wort: uncool.

Andreas Cyffka

 


Andreas Cyffka | 

DEUTSCH -SEIN – LASSEN


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, QUERPONS, WORTSTICHELEI


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