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Weil richtig schreiben wichtig ist

Griaß enk Lodnon 2102 Oimplycs!

16. August 2012

 

Nichts ist so alt wie die Nachricht von gestern. So gesehen dürften wir über die Olympischen Spiele von London eigentlich gar nicht mehr sprechen. Aber auch nach dem Ende des letzten sportlichen Wettkampfs bleibt eine bestimmte Form von Wettkamp weiterhin aktuell: Der mal mehr, mal weniger sportlich und fair ausgetragene Kampf ums Geschäft. Sport, insbesondere der “große” Sport eignet sich hervorragend dafür. So kommt einem angesichts der Griaß di -Thematik (wir berichteteten) doch wieder Olympia in den Sinn und einige damit verbundene wundersame Meldungen:

So fahndeten Kontrolleure ganz Großbritannien nach verbotenen Werbe-Wörtern wie “Sommer” oder “London”. Sommer und London sind Werbewörter? Warten Sie’s ab!
Geradezu eine gewisse Berühmtheit erlangte in diesem Zusammenhang der Herrenausstatter  Stephen Holt, der  seine Schaufenster im englischen Städtchen Surbiton mit den Worten “Lodnon 2102 Oimplycs” und zu Quadraten mutierten Ringssymbolen dekorierte, weil es Nicht-Sponsoren strengstens verboten war, die Olympischen Ringe, aber auch Wörter wie London, Gold, Spiele oder sogar Sommer zu Werbezwecken benutzt werden. Insgesamt 20 Wörter und Symbole standen auf dem Index.

Knapp 300 Markenpolizisten waren im Einsatz, um im gesamten Land das teure Recht der Olympia-Sponsoren zu wahren. Mit 1,4 Milliarden Pfund (1,8 Milliarden Euro) finanzierten Großkonzerne wie General Electric (GE), McDonalds, Visa und British Telecom (BT) rund die Hälfte der laufenden Kosten der Olympischen Spiele.

Bis zu 20.000 Pfund Strafe bei Verstoß gegen die Richtlinien sind schon eine Ansage!

Man sieht, dass der Streit um das österreichisch-bayerischen GRIAß DI (der Deutschblog berichtete) vor solchen Hintergründen als mehr erscheint als eine Skurrilität.

 

Die Auseinandersetzung zwischen einer Allgäuer Firma und einem Tiroler Unternehmer schlug in Österreich hohe Wellen; sie  wirft Licht auf die Tatsache, dass auch  Sprache heute mit handfesten ökonomischen Motiven reklamiert, “geschützt”, “patentiert” werden kann. Das geht deutlich über ihre schon traditionelle Rolle als einer der wichtigsten Kreativimpulse von Werbung heraus. Man kann das nicht gut finden.

Wenn Sie nicht Betroffener sind, ist es Ihnen vielleicht auch egal. Was aber sagt man dazu, wenn man es gut findet (vielleicht wenn Sie Werber sind) ? Vielleicht:  I am loving it  - oder ganz modern: GEFÄLLT MIR?

Hm, ich habe da so meine Bedenken. Da könnten mächtige Akteure ihre Rechte verletzt sehen, die Ihnen dann keinen Burger spendieren und nicht mit Ihnen Freunde werden wollen. Also: GEFÄLLT MIR NICHT MEHR? Ach, was – das gehört ja auch wem.

LESEN SIE AUCH: Markenschutz wirft langen Schatten: Griaß di, Deutsch!

Andreas Cyffka | 

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Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, KONTROVERSES, WISSENSWERTES


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