Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Würzig: Squeeze my Flasche!

24. August 2012

Regelmäßige Deutschblogleser wissen: Wir lieben Fotos, halten uns mit dem Fotografieren von Rechtschreibfehlern aber in der Regel zurück.  Warum?  Zum einen, weil dieser Praxis ein Element des Vorführens von Personen inhärent  ist. So ein Foto spricht ja potentiell auch zu dem, der seinen Schreibakt wiedererkennt (wenngleich die Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen dessen sehr niedrig sein mag). Wir wollen niemanden vorführen. Zum anderen üben wir diesbezüglich Enthaltsamkeit, weil die Praxis so lustig auch nicht mehr ist. Dass solche süßsauer eingelegten Zwiebelfischchen  ernsthaft noch jemandem orthografischen Appetit machen, bezweifeln wir.

Nun hat jede Regel bekanntlich ihre Ausnahme. Die Vorzüge des vorliegenden Bildes waren so dramatisch, dass wir von unserem bewährten Kurs auch einmal abweichen zu dürfen glaubten.  Wir kennen alle diese spezielle Art von Würzsoßenflasche, die an den momentan herrschenden Hochsommertagen vielleicht nicht in, aber höchstwahrscheinlich vor aller Munde sind: beim Grillen. Auf das Grillgut schüttet man das zu Schüttende nicht einfach wie man etwa Wein aus der Flasche in ein Glas schüttet. Nein, man übt auf die aus weichem Kunststoff bestehende Flasche einen definierten Druck aus, auf den diese mit der Abgabe einer wohldosierten Würzsoßenmenge reagiert. Tja – und wie heißt nun diese Flasche? Also auf Deutsch? Druckflasche, Drückflasche, Drückeberger? Sie ahnen es: Haben wir es hier im Deutschen mit einer lexikalischen Lücke zu tun? Will heißen: Gibt es da in der Welt ein Ding, dem in unserer Sprache kein Wort gegenübersteht? Dann hätten wir ein Paradebeispiel dafür, wie hilfreich und sinnvoll ein Anglizismus sein kann (sage noch einer etwas gegen Anglizismen! :-) ) Die Squeezeflasche rettet die Situation. Denn Deutsche können mit ihr  nicht nur niesen oder Autos leasen, sondern eben auch squeezen (“drücken”), will gesprochen werden: skwiesn. Praktisch ist das, oder nicht?

Das Bild dieser perfekten Rettung wird nur dadurch getrübt, dass der Retter auch wirklich fit und in Form sein muss – wie ein durchtrainierter Rettungsschwimmer etwa. Ist er orthografisch unfit, rettet er sich nicht mal selbst – vor einer gewissen Lächerlichkeit. Die Squezzeflasche ist so ein unsexy Vertreter. Da sie jedoch so viele Aspekte des Denglischwahns auf so engem Raum verdichtet, haben wir sie fotografiert. Ein Rettungsschwimmer an Krücken auf dem Cover des Nichtschwimmermagazins.

 

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SQUEEZE MY DEUTSCH


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, WORTSTICHELEI


Kommentare

  • Heiopei |  06.09.2012

    “Wir kennen alle diese spezielle Art, die höchstwahrscheinlich vor aller Munde sind.”
    Insgesamt macht der Text den Eindruck, dass sie in einem Duktus schreiben, der Ihnen eigentlich fremd ist.


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