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Deutsch ain’t never been to Texas – oder doch?

05. September 2012

Bei Texas muss man nicht unbedingt  an Wurstfest,  deutsche Gemütlichkeit und Blasmusik denken. Kann man aber. Wie der Linguist Hans Boas das  Texas-German erforscht.

Texasdeutsch ist eine Varietät des Deutschen, die von den Nachkommen jener Deutschamerikaner gesprochen wird, die ab Mitte der 1850er Jahre vor allem über die Auswanderergesellschaft „Mainzer Adelsverein”  in das zu dieser Zeit noch unabhängige Texas kamen. Darunter waren auch die Deutschen, die Unter Führung des Adelsvereins-Vorsitzenden Prinz Carl zu Solms-Braunfels gründeten diese Einwanderer 1846 die Stadt Fredericksburg. Auch die Städte von New Braunfels, Boerne, Schulenburg, Weimar und Comfort wurden von  ihnen gegründet.

Deutsche Eigentümlichkeiten wie Liederkreise und Schützenfeste sind charakteristisch für den “German Belt”, wie die deutsch geprägte Gegend traditionell genannt wird.

Der Zustrom deutscher Einwanderer hielt noch einige Jahre an; dann wurde Texas nach zehnjähriger Unabhängigkeit Bundesstaat der USA. Die Fredericksburg-Siedler isolierten sich von den anderen Texanern durch ihre Weigerung, Englisch zu lernen und bildeten im Hill Country um Fredericksburg eine Sprachinsel.

Es gab eine Blütezeit des Texas-German (etwa 1880 bis zum Ersten Weltkrieg),  während der in “Hill Country” mehr als hunderttausend Einwohner dieses Deutsch sprachen. Gottesdienste und Schulunterricht wurden auf Hochdeutsch gehalten, es gab fast 90 deutschsprachige Zeitungen und Magazine und ein blühendes Vereinswesen mit Gesangsvereinen wie Germania und der Liedertafel. Davon sind heute maximal zehntausend Sprecher übrig, Tendenz aussterbend. nach Einschätzung von Hans Boas,  deutscher  Sprachwissenschaftler an der University of Texas in Austin, wird es das Texas-Deutsch höchstens noch 30 Jahre geben: “Die meisten Sprecher sind über 60, mit dieser Generation wird auch das Texas-Deutsch aussterben.”

Texasdeutsch stellt linguistisch betrachtet keinen eigenen Dialekt innerhalb der deutschen Sprache dar,  sondern vielmehr eine Mischung aus Deutsch und Englisch. Im Alltag begann man Englisch zu sprechen, freilich vermischt mit deutschen Elementen: Wir meeten uns heute in town. Texasdeutsch wurde dann mehr und mehr  nur noch im engeren Familienkreis gesprochen. Der tatsächlich benutzte deutsche Wortschatz ist von Generation zu Generation immer kleiner geworden.

Texasdeutsch folgt keiner festgelegten Rechtschreibung  und Grammatik, sondern bildet von sozialen Kontakten abhängige Regeln. Allerdings hat die Sprachvariante des Texasdeutsch eine grammatische Vereinfachung durch Wegfall des Genitivs und Zusammenfall von Dativ und Akkusativ erfahren.

 

 

 

 

Die meisten Texas-Deutschen sehen das allmähliche Aussterben ihrer Mundart als etwas Natürliches;  und – typisch amerikanisch – sehen sie es pragmatisch: Für ihre Kinder und Enkelkinder ergibt es im texanischen Alltag heute mehr Sinn, Spanisch zu lernen.

 

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