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Weil richtig schreiben wichtig ist

Was leider geil ist, ist auch urkeksi

06. Dezember 2012

 

Während wir noch etwas Zeit haben, die Wörter und Unwörter des Jahres zu erraten, ist man in Österreich schon etwas weiter. Wir geben hier  die Pressemitteilung zur Wahl des Österreichischen Worts des Jahres 2012 wieder:

Ergebnisse der Wahl des Österreichischen Worts des Jahres 2012

1. Österreichisches Wort des Jahres 2012
1. Rettungsgasse
Das Wort kam bei den InternetwählerInnnen und der Jury mit großem Abstand an
die erste Stelle. Die Rettungsgasse wurde mit 01.01.2012 neu eingeführt und
verpflichtet Autofahrer bei Unfällen an den linken bzw. rechten Rand der Straße
auszuweichen, um den Rettungskräften und der Polizei Platz zu machen. Da dies
nicht immer funktioniert und die Anwendung der Bestimmungen als verwirrend
empfunden wurde, ist das Wort seither in aller Munde und Gegenstand von
Diskussionen. Das Wort selbst ist im positiven Sinne mehrdeutig, da es als “Gasse,
durch die man gerettet wird” bzw. “Gasse, durch die die Rettung kommt”
verstanden werden kann, wobei der Ausdruck “Rettung” nur in Österreich in der
Bedeutung ‘Rettungsdienst’ oder ‘Rettungswagen’ verwendet wird.
2. Schulschwänzbeauftragter
Dieses genuin österreichische Wort bezeichnet einen Beamten der Wiener
Schulverwaltung, dem die Aufgabe übertragen wurde, Maßnahmen gegen das in der
Bundeshauptstadt häufige Schwänzen der SchülerInnen zu entwickeln. Die Komik
des Wortes ergibt sich einerseits aus dem stilistischen Kontrast (dem formalen
“Beauftragten” im Gegensatz zum subversiven “Schwänzen”), andererseits aus dem
bedeutungsmäßigen Verhältnis der beiden Teile der Zusammensetzung: Während
ein Brandschutzbeauftragter für den Brandschutz sorgen soll, soll der Schulschwänzbeauftragte wohl nicht für das Schwänzen sorgen. Das Wort ist weiters
durch Lautwiederholungen (Alliterationen) sch-sch gekennzeichnet, was ihm eine
besondere Ausdruckskraft verleiht.
3. präfrustriert
Dieses semantisch paradoxe Wort drückt aus, dass man in Hinblick auf das Ergebnis
eines künftigen Ereignisses bereits im Voraus frustriert ist, weil man annimmt, dass
es negativ ausgeht. Solches geschah aus Sicht der Wiener Jungsozialisten in Hinblick
auf den jüngsten sozialdemokratischen Parteitag, der sie “präfrustrierte”, weil sie
sich davon letztlich nichts erwarteten. Sprachlich handelt es sich hier um eine
paradoxe Wortbildung, da man üblicherweise erst nach einem Ereignis frustriert ist
und nicht schon vorher.
2. Österreichisches Unwort des Jahres 2012
1. Unschuldsvermuteter:
Dieses genuin österreichische Wort, das geradezu nestroysche Qualität aufweist, ist
von der Phrase “Es gilt die Unschuldsvermutung!” abgeleitet, die aufgrund
zahlreicher Korruptionsfälle in Zeitungsberichten zu lesen ist und andeutet, dass sich
das Medium von den Anschuldigungen distanziert. Die Phrase wurde zuerst zu
einem Adjektiv verkürzt und dann in ein Nomen umgewandelt, das in
kürzestmöglicher Weise den negativen Sachverhalt der juristischen Schuld andeutet.
Damit bewirkt es einerseits eine Vorverurteilung, verschleiert diesen Umstand
jedoch zugleich, weil ja ausgedrückt wird, dass es sich um einen Unschuldigen
handelt.
2. Pleitegriechen:
Mit diesem negativen Wort wird eine Pauschalverurteilung aller Griechen
ausgedrückt. Es bezieht sich jedoch nicht auf die Verursacher der Krise – die Banken,
sondern die gesamte griechische Bevölkerung -, der unterstellt wird, dass sie
arbeitsscheu und Bankrotteure wäre, was in doppelter Weise falsch und
herabwürdigend ist.
3. Anfütterungsverbot:
Dieses Wort ist in der Sache positiv, da damit das Verbot der passiven und
allmählichen Bestechung von Amtsträgern bezeichnet wird. Sprachlich handelt es
sich um einen Euphemismus, weil die Bestechung als “Anfütterung” verschleiert
wird und verharmlost wird. Normalerweise werden Tiere “angefüttert”, sodass nicht
klar wird, was mit diesem Ausdruck tatsächlich gemeint ist.

3. Österreichisches Jugendwort des Jahres 2012:
1. leider geil:
Dieser Ausdruck wurde von den InternetwählerInnen mit großem Abstand vor
anderen Wörtern gewählt. Es ist der Titel eines populären und humorvollen Songs
der Gruppe Deichkind. Die Formulierung steht in einer Reihe ähnlicher
jugendsprachlicher Ausdrücke wie cool, geil usw. ein, wobei der Ausdruck eine
zusätzliche Qualität durch den ausgedrückten Gegensatz negativ-positiv bekommt.
Damit folgt er dem Muster von Ausdrücken wie “schön schiach”, “schön
anstrengend” usw.
2. Zehentanga
Dieser Ausdruck bezeichnet auf originelle und sehr bildliche Weise Flip Flops. Er
spielt auf die schmalen Riemen an, die den Fuß halten und eine große Ähnlichkeit
mit den dünnen Streifen der knappen Tanga-Badeanzüge haben. Diese trägt man
bekanntlich an völlig anderer Stelle als Schuhe, was dem Ausdruck eine paradoxe
bzw. überraschende Bedeutung verleiht.
3. urkeksi
Dieses Adjektiv bedeutet “super”, “toll”, “spitze” und besteht aus dem positiv
wertenden “keksi”, das eine Verkleinerungsform des Wortes “Keks” darstellt und
der vor allem im Großraum Wien üblichen Steigerungsform “ur” (ursuper, urarg).
Wenn etwas “urkeksi” ist, dann ist es wahrscheinlich gleichzeitig “leider geil”.
4. Österreichischer Ausspruch des Jahres 2012:
1. “Ich trete nicht zurück, ich mache den Weg frei.”
Dieser Ausspruch stammt von Gabriele Moser, Abgeordnete der Grünen im
Parlament, die eine Zeit lang Vorsitzende des KorruptionsUntersuchungsausschusses war. Sie beendete mit dieser Aussage ihre Tätigkeit als
Ausschussvorsitzende. Sie hat damit auf elegante Weise ausgedrückt, dass sie
“zurückgetreten wurde” und tat dies sowohl in sprachlicher, als auch in sachlicher
Hinsicht auf bestmögliche Weise. Sie hat sich damit große Verdienste um die
österreichische Demokratie erworben, da sie ein politisches Patt beendet und eine
unangenehme Krisensituation durch demokratische Reife und sprachliche Eleganz
entschärft hat.
2. “I am going home now!”
Dieser Ausspruch stammt vom österreichischen Extremsportler Felix Baumgartner,
den er unmittelbar vor seinem Absprung aus einem Ballon in der Stratosphäre in 39
Kilometer Höhe getätigt hat. Der Ausspruch wurde seither zum geflügelten Wort.

5. Österreichischer Unspruch des Jahres 2012:
1. “Das ist mir nicht erinnerlich.”
Dieser Ausspruch war in den Sitzungen des Korruptions-Untersuchungsausschusses
des österreichischen Parlaments unzählige Male von ehemaligen oder aktiven
Politikern, Lobbyisten und Konzernvorständen zu hören, womit sie wohl häufig
Nichtwissen vortäuschten, so sie sich nicht zuvor ohnedies bereits der Aussage
entschlagen hatten. Damit haben sich diese Personen nicht nur der Verantwortung
entzogen, sie haben mit dieser altertümlichen Formulierung auch ausgedrückt, dass
sie quasi hilflose Opfer ihrer Erinnerung seien.
2. “Ich bin kein Politiker!”
Dieser von Frank Stronach stammende Ausspruch ist ein klassischer Unspruch, da er
in der Sache nicht den Tatsachen entspricht und die Intentionen seines Urhebers
verhüllt. Stronach hat nicht nur eine Partei gegründet, er will auch die
österreichische Politik in seinem Sinne verändern – alles Merkmale eines Politikers.
Sollte gemeint sein, dass er bisher kein (Berufs-)Politiker war, dann hätte dies einer
Präzisierung bedurft. Darüber hinaus ist es keine Schande, ein Politiker zu sein,
sondern ein wesentliches Element der Demokratie, dass sich M

 


DEUTSCH: JEDES WORT EIN STAR

Andreas Cyffka | 





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