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Weil richtig schreiben wichtig ist

GASTBLOGGER: Robert Tonks

28. Februar 2013

Unsere im letzten Jahr begonnene Reihe GASTBLOGGER setzen wir in diesem Jahr fort. Den Auftakt macht heute:  ROBERT TONKS – der Mann, der mit seinen Büchern zum Thema “Denglisch” von sich reden macht.

Roberts Erstlingswerk “It is not all English what shines“ stieß im  deutschsprachigen Raum auf starke Resonanz.
Vor kurzem hat er ein weiteres Buch folgen lassen:

Denglisch in Pool Position – English makes German Werbung funny! 2

Einen Beitrag über Robert zeigte eben erst die ZDF Mediathek:

Auf PONS Deutschblog schreibt er heute unter anderem über den Denglisch-Klassiker TO GO.

 

Über die TOGO ROAD zum KLIMBINGPARK

Während die Sprachpuristinnen und -puristen den ihm innewohnenden
Niedergang von Deutsch als Heimatsprache beklagen, erkennen
die Kapitalismuskritikerinnen und –kritiker in ihm einen Ausdruck des
amerikanischen Kulturimperialismus und die Kommerzialisierung von
Sprache im Zuge der Globalisierung. Andere wiederum begrüßen es, dass mit
seiner Hilfe Deutsch so vielfältig und zukunftsfähig wird wie noch nie,
während Werbetexterinnen und -texter sowie Firmennamensgeberinnen und
–geber es ohne Rücksicht auf Verluste einsetzen. Schließlich finden es
Englischsprachige lustig. Die Rede ist von Denglisch.

Wie wird Denglisch bei Duden definiert?

Denglisch: Substantiv, Neutrum – Mischung aus Deutsch und Englisch;

denglisch: Adjektiv – deutsch mit [zu] vielen englischen Ausdrücken
vermischt

Apropos „mit [zu] vielen englischen Ausdrücken vermischt“: Neulich während
zweieinhalb Tagen als Tourist auf den Straßen von San Francisco
unterwegs las ich den Modebegriff „to go“ ganze zweimal: Ein „Coffee
to go“-Schild gab es am Flughafen und in der Innenstadt entdeckte ich
auch eins. An einem einzigen Abend vor einem Jahr mit amerikanischen
Freundinnen und Freunden auf den Straßen einer bundesdeutschen
Landeshauptstadt unterwegs hingegen zählten wir dreißig „to
go“-Schilder, darunter auch eins mit dem Logo im Schaufenster „Point
shop to go“. „Soll der Laden abgerissen werden“, fragte Cindy. (Anm. der
Red.: „to go“ heißt unter anderem „abzuschaffen“, „wird abgerissen“.)
„Und“, fuhr sie fort, „was verkauft er überhaupt für Punkte?“ Auf einer
Straße in Bahnhofsnähe fanden wir sogar 12 weitere Beispiele. Wir
staunten sowohl über ein „Kiosk to go“ (die abzureißende Bude wird wohl
Opfer der Stadtteilerneuerung) als auch über „TOGO 0,90 €“ schräg
gegenüber. Ein komplettes Land als Schnäppchen zum Mitnehmen also!

Wir tauften die Straße „Togo Road“. War unsere TOGO Straße in Düsseldorf
oder nicht doch in München, Dresden, Hamburg, Stuttgart oder sogar
Berlin? Die amerikanischen Gäste konnten sich am Ende ihrer
Deutschland-Reise gar nicht mehr erinnern. So viel zum erstrebten
Alleinstellungsmerkmal von Produkten und Dienstleistungen in der Werbung.

Denglisch war nie mein Thema. Dann bat mich einmal vor einigen Jahren
ein befreundeter Französischlehrer, einen Vortrag an der Volkshochschule
über die Verwendung von englischen Begriffen wie „sale“ in der Werbung
zu halten. Er hatte sich gerade über ein Schild in einem Schaufenster
gewundert, auf dem „Lingerie sale“ stand, was auf Französisch „schmutzige
Damenunterwäsche“ heißt.

Bloß, wo sollte ich anfangen? Bei meiner Auseinandersetzung mit der
Thematik begann ich mit meiner kürzlich verstorbenen Schwiegermutter
Liesel. Sie liebte Klamauk. Sie wurde 1920 in Duisburg-Alsum geboren, an
einem Ort, der sich im Wandel der Zeit zu einem Parkplatz von
Thyssen-Krupp Steel entwickelte. Dass Liesel „steel“ deutsch aussprach,
ist nicht rein zufällig: Wie die meisten Deutschen ihrer Generation
konnte sie ja kein Englisch. Als dann Liesel eines Sonntagnachmittags an einem großen Hinweisschild in den
Ruhrauen vorbeifahrend, das den neuen Kletterpark „ www.climbingpark.de“
auf Englisch ankündigte, laut und deutlich und phonetisch deutsch

„KLIMBINGPARK“

vorlas, verlor ich, der ja Liesel zum traditionellen Kaffee und Kuchen
mit dem Auto abholte,  fast die Kontrolle über das Fahrzeug. Wichtig an
den beiden Schlüsselerlebnissen auf meinem Weg über die TOGO ROAD zum
KLIMBINGPARK war:

Nun wusste ich endgültig, dass ich aus diesem Thema nur etwas Humoriges
für jung und alt machen kann.

 



Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, DEUTSCH IN DER WELT, GÄSTE IM DEUTSCHBLOG


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