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Wider den Shitstorm

20. Februar 2013

 

 

Nicht viele Menschen können für sich in Anspruch nehmen, ein Wort in den DUDEN gebracht zu haben – quasi im Alleingang. Ein Mann kann es: Sascha Lobo.  Und er bedauert das heute. Warum? Das erklärt er in einem hochinteressanten Artikel auf SPIEGEL ONLINE.

 Recherchen würden beweisen, “dass ich eine Mitschuld daran trage, dass das Wort Shitstorm in deutschen Medien zum Alltagsbegriff wurde. Inzwischen steht es sogar im Duden.” Und es steht natürlich in PONS Die deutsche Rechtschreibung:   

 

Interessant: Im  Englischen umschreibe “shitstorm” allgemein sehr unangenehme Situationen. Aber die “mediengängige Bedeutung im Sinn von Netzempörungssturm” existiere so fast nur im deutschsprachigen Raum – aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammen beinahe alle Google-Suchen nach “Shitstorm” weltweit.

Der Autor gibt dann eine ausführliche chronologische Betrachtung der allmählichen Verbreitung des Wortes Shitstorm und seines Siegeszugs als alleiniger Ausdruck für den im Internet brausenden Empörungssturm – gekrönt von der Wahl zum Anglizismus des Jahres 2011. In den englischsprachigen Berichten dazu sei die Erklärungsbedürftigkeit der Bedeutung für US-Amerikaner zu erkennen.

 

Sascha Lobo bedauert dann “seine Beteiligung an der Entstehung des medialen Begriffs Shitstorm”, “denn diese Bezeichnung habe weit mehr Schaden angerichtet als Nutzen gebracht.” Wir geben die angeführten Gründe wörtlich wieder:

“Shitstorm wird in der Regel als Dysphemismus ¹ gebraucht und diskreditiert so jede Empörung.

Shitstorm verlagert damit den Bruch mit den guten Sitten auf die Seite der Wütenden, unabhängig vom Grund für die Wut: Wer mit Schmutz wirft, muss unrecht haben.

Shitstorm erleichtert Tätern daher erheblich, sich medial als Opfer eines digitalen Mobs darzustellen.

Shitstorm ist dabei so subjektiv, dass Lokalpolitiker schon Shitstorm-Interviews geben, wenn sie auf Facebook etwas ruppig nach der Uhrzeit gefragt wurden.

Shitstorm verschiebt so den Maßstab, wie mit vollkommen normaler, aber nicht zustimmender Kommunikation im Netz umgegangen wird.

Shitstorm sät damit durch die bloße Verwendung die Angst vor dem Netz.

Shitstorm wird deshalb auch von Unternehmen als vorgeschobene Begründung verwendet, nicht in sozialen Medien aktiv zu sein.”

Deshalb plädiert Sascha Lobo  dafür, das  Wort Shitstorm “nicht mehr unbedacht und inflationär zu verwenden”.

 

¹ Dysphemismus:

PONS DIE DEUTSCHE RECHTSCHREIBUNG AUF FACEBOOK





Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, WISSENSWERTES


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