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WAS NOCH NICHT IM WÖRTERBUCH STEHT: gastrosexuell

14. Oktober 2014

gastro

 

In seinem Buch Der gastrosexuelle Mann: Kochen als Leidenschaft. (Campus-Verlag, 2014) hat Autor Carsten Otte einen neuen Typus beschrieben: den gastrosexuellen Mann. Laut Wikipedia beschreibt dieser Neologismus Männer, die kochen, um Freunde oder potenzielle Partner zu beeindrucken.

Quelle: FR ONLINE

Wohl noch nie wurde im deutschen Fernsehen so viel gekocht. Kochshows haben ganz eindeutig Konjunktur. Sendungen wie etwa  Alfred Bioleks  „Alfredissimo“  sind schon Klassiker, aber auch die Privatsender verbuchen gute Einschaltquoten  mit Sendungen wie „Das perfekte Dinner“  oder  „Die Kochprofis – Einsatz am Herd“ . „Das perfekte Dinner“ etwas sehen täglich durchschnittlich 1,47 Millionen 14- bis 49-jährige Zuschauer. Dabei gibt es eine gewisse Bandbreite, in welchem Maße das eigentliche Kochen die Hauptrolle spielt. In Bioleks  „Alfredissimo“  spielte diese wohl eher das angeregte Gespräch mit Prominenten und nebenbei wird mit einem Glas Wein in der Hand gekocht – Kochen plus Talk gewissermaßen.
Ganz anders „Das perfekte Dinner“ :  Hier kocht sich eine Gruppe von fünf Hobbyköchen durch die fünf Abende der Arbeitswoche, wobei der Punktsieger dann einen Geldpreis gewinnt: Kochen plus Gameshow gewissermaßen. Wieder anders:  „Die Kochprofis – Einsatz am Herd“ . Hier geht es darum, einem weniger erfolgreichen Restaurant zum Erfolg zu verhelfen – durch Updaten von Speisekarte oder Managementmethoden.

Ist Kochen  im Fernsehenen ein “neumodischer” Trend ? Hat’s Alfred Biolek erfunden? Nein!

Fernsehkoch Clemens Wilmenrod war der Vater der Kochshow im deutschen Fernsehen. Bereits 1953 war seine Sendung „Bitte in 10 Minuten zu Tisch“ populär, in der Wilmenrod ganz im Stil der Zeit seine Zuschauer schon mal mit „Ihr lieben, goldigen Menschen“ oder auch „Verehrte Feinschmeckergemeinde“ begrüßte. Als Erfinder  von Toast Hawaii befriedigte dieser Fernsehkoch auch  als Fernwehkoch  das aufkommende Interesse der Nachkriegsgesellschaft an kulinarischen Exotika  und als Vorkämpfer von Rumtopf und Putenbraten als Weihnachtsessen war er Wegbereiter von Küchenklassikern.

Worauf basiert der Erfolg der Kochshows? Wir vermuten folgende Erfolgsfaktoren:

(a) Sie sind unterhaltsam. Anderen bei der Arbeit zuzusehen, macht  Spaß.

(b) Es gibt etwas zu lachen. Man denke etwa an die  sarkastischen Kommentare des vom Deutschblogger sehr geschätzen Off-Kommentators bei „Das perfekte Dinner“ .  Ist das witzig, Mann!

(c) Der voyeuristische Aspekt:  Wird – wie beim “Pefekten Dinner” – nicht in Studios, sondern in Villen, Lofts, Studentenbuden, Dreizimmerwohnungen, WGs, Burgen, Schlössern, Landgütern, Rittersitzen oder Dreiraumwohnungen gekocht, erhält der Zuschauer zwanglos soziologische Studien über die deutsche Gesellschaft und den Habitus bestimmter Gruppen mitgeliefert (Kennen nur Schlossherren Kobe-Rinder? Können auch WG-Bewohner ein  Paillard zubereiten?  Kaufen Zahnärzte auch mal Discounter-Champagner? Und psychologische: “Truthildes Deko wird sicher ganz konservativ! Ich glaube nicht, dass Friedbert den Erdbeerspiegel perfekt hinkriegt. Bei der Deko hat Kasimir sicher sein Freund geholfen – die sind verpartnert.”

(d) Der tiefenpsychologische Aspekte:

Auf die Frage, wie er sich den Kochshow-Hype erkläre, antwortete Vincent Klink der Stuttgarter Zeitung:

“Das hat viel mit der Psychologie des Menschen zu tun, der Sehnsucht nach Wärme und einer Höhle. Auf einer Party stehen die Gäste nicht im Wohnzimmer rum, sondern in der Küche. Das ist der Ort, an dem sie sich am wohlsten fühlen. Und es macht ja auch Spaß, sich etwas am Herd zusammenzubasteln, das hinterher auch schmeckt. Vor allem, wenn man ein Freilaufhuhn nimmt und keinen tiefgefrorenen Broiler aus Kasachstan.”

Sind wir, die wir das gern ansehen, nun voyeuristische Spinner, von Höhlensehnsucht getriebene Küchenwohlfühler? Nein, wir sind kulturell interessiert. Das sieht man unter anderem auch daran, dass  Kulinarisches wie Tabouleh ein Tabu eh nicht mehr ist, vor allem nicht für Wörterbuchmacher, welche auch diejenigen Linien erkunden, die zwischen Kochmütze und Roter Grütze, zwischen Amuse-Gueule und Gemüs (gell?) verkehren. Und zwar von Abgang  , Bedeutung  5,  bis Zweitwein.

 


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, LECKERES DEUTSCH

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