Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

RUND UM “s”, “ss” und “ß”

21. April 2015

 

Auch erfahrene Schreiber sind sich durchaus nicht immer sicher, ob ein Wort mit „ss“ oder „ß“ geschrieben wird. Relativ verbreitet ist die Annahme, der Buchstabe “ß” sei durch die Rechtschreibreform abgeschafft worden. Zwar sieht man ihn im Schriftbild heute seltener, abgeschafft worden ist er aber durchaus nicht. Was sind also die geltenden Regeln im Umgang mit dem “ß”?

Das “ß” hat ja wirklich eine echte Sonderstellung. Ursprünglich aus einer Verbindung (Ligatur) von Anfangs- und Schluss-s der deutschen Frakturschrift entstanden, ist es in der Schweiz wirklich abgeschafft worden. Als Großbuchstabe ist “ß” auch nicht in unserem Alphabet zu finden. Im internationalen Standard für Computerzeichensätze (Unicode) hat es das “ß” mittlerweile zum Großbuchstaben geschafft. Viele Typographen haben sich bereits Gedanken über die Gestaltung des neuen, großen “ß” gemacht.

Um “ss” und “ß ” richtig zu verwenden, sollte man grundsätzlich beachten, ob der s-Laut stimmlos oder stimmhaft ist und ob er auf einen langen oder kurzen Vokal folgt.

Ist der s-Laut stimmlos und folgt auf einen langen Vokal, schreibt man “ß”.
Beispiele: “Maß”, “Floß”, “Gruß”

Ebenso schreibt man “ß”, wenn der stimmlose s-Laut auf einen Doppellaut (Diphthong) wie  au, äu, eu und ei folgt.

Beispiele:
“weiß”, ”außer”, “preußisch”

Nun ist der s-Laut aber auch in Wörtern wie “Haus”, “Gras” und “brauste” stimmlos. In diesen folgt er auf einen Diphthong (“Haus”, “brausen” ) bzw. auf Langvokale (“Gras”). Dennoch schreibt man hier “s” (und nicht “ß”), denn der  s-Laut bleibt in den verschiedenen Beugungsformen des Wortes nicht immer stimmlos: Häuser, Gräser, brausen.

Die Regel zur Verwendung des Doppel-s lautet:  Ist der s-Laut stimmlos und folgt auf einen kurzen Vokal, schreibt man “ss”. Zum

Beispiele: “Fluss”, “Klasse”, “Masse”

Man schreibt insbesondere nach der neuen Rechtschreibung die Konjunktion “dass” zur Einleitung eines Nebensatzes mit Doppel-s.

Wird ein Wort in Großbuchstaben (Versalien) geschrieben, wird das “ß” zu “SS” (“STRASSE” statt “Straße”). So soll vermieden werden, dass das „scharfe S“ mit einem “B” verwechselt wird.

 

 


DEUTSCH: SCHÖN SCHARF


Andreas Cyffka | Kategorie: REGEL-SCHNÄPPCHEN

Kommentare

REGEL-SCHNÄPPCHEN: Liebe Alle – oder: Liebe alle?

26. September 2014

liebe_alle

So schreiben alle „alle“ richtig!

Sie möchten einer Gruppe von Kollegen eine Mail schicken und sich dabei an „alle“ wenden. Doch wie schreibt man das korrekt in der Anrede? Sehr oft liest man da
„Liebe Alle”. Dies ist zwar verbreitet, aber falsch. Das Wort „alle“ ist ein Indefinitpronomen und ein unbestimmtes Zahlwort.
Es wird immer kleingeschrieben. Das gilt auch für die Wörter „andere(r)“, „eine(e)“, „viel(e)“, „meiste“ und „wenige“:

Ich habe alle um ihre Mithilfe gebeten.
Der eine oder andere hat hier gelegentlich Schwierigkeiten.
Es gibt immer noch viele, die diese Regel nicht kennen.
Die meisten machen nur wenige Rechtschreibfehler.

Wie so oft in Rechtschreibfragen – es gibt noch einen kleinen Zusatz zur Regel:
Die Zahladjektive „viel”, „wenig”, „(der) eine”, „(der) andere” können großgeschrieben werden, wenn ihr substantivischer Charakter hervorgehoben werden soll:

Diese Suche nach dem anderen/Anderen bewegt viele Künstler.
Die meisten/Meisten kennen diese Regel nicht.


Andreas Cyffka | Kategorie: REGEL-SCHNÄPPCHEN

Kommentare

  • Karl Röthlin |  31.08.2016

    in ” liebe Alle” hat Alle einen klar substantivischen Charakter; deshalb werde ich weiterhin Alle schreiben

REGEL-SCHNÄPPCHEN: Tageszeitangaben

01. Juli 2014

Guten Morgen, liebe Rechtschreibung!

sonnemond

morgens

am Mittag

heute Nachmittag

Montagabend

gute Nacht

 

Seit dem 1. August 2007 wird in Medien und schulischen Institutionen die neue deutsche Rechtschreibung (beschlossen am 2./3. März 2006) umgesetzt. Bei den ganzen Änderungen verliert man schon mal den Überblick.

Keine Ausrede hat man allerdings, wenn es um einfache Tageszeitangaben geht: Dass Substantive groß und Adverbien klein geschrieben werden, ist nun wirklich nichts Neues. Wenn es also „Freitags“ oder „am morgen“ hieße, müsste man auch „Besonders“ oder „am treffpunkt“ schreiben.

Was schon eher Schwierigkeiten bereitet, sind Kombinationen dieser Zeitangaben. Heißt es nun „heutemorgen“, „heute morgen“ oder „heute Morgen“? Heißt es „am montag Morgen“, am Montag Morgen“, „am Montagmorgen“? Hier kommt man nur mit wesentlich abwegigeren Überlegungen weiter: Es heißt „heute Morgen“, weil das so viel wie „am heutigen Morgen“ bedeutet. Man geht also von einem temporalen Adverb aus. Und es heißt „am Montagmorgen“, weil eine Konstruktion wie „am montagigen Morgen“ nicht existiert und Montag somit nicht einfach zum Adverb konvertiert werden kann. Erst wenn das neu entstandene Kompositum „Montagmorgen“ als generelle Zeitangabe verwendet werden soll, wird es wieder klein geschrieben: Das (Derivations-)Suffix -s verwandelt es dann wieder in ein Adverb.

Wirklich kompliziert wird es aber bei Kombinationen mit „früh“. Für Tageszeit + „früh“ lässt der Duden zwei Möglichkeiten zu: „heute früh“ und „heute Früh“. Für Wochentag + „früh“ gilt dagegen ausschließlich „Montagfrüh“. Wie kann man sich nun das erklären? Nun ja, der Duden basiert auf dem Prinzip der Analogie. Während „heute F/früh“ sowohl zu „heute Morgen“ als auch zu „heute in der Frühe“ analog gesetzt werden könnte, gibt es mit „Montagmorgen“ lediglich eine parallele Struktur. Aber Moment mal – was ist denn mit unserer Regel, dass Adverbien klein und Substantive groß geschrieben werden? Dann wäre „Montagfrüh“ ja ein Substantiv, oder? Allen Rechtschreibregeln kann man es eben nicht recht machen…

Beispiele

morgens, mittags, nachmittags, abends, nachts

am Morgen, das Heute und das Morgen,

heute Morgen, morgen Abend

Montagmorgen, Dienstagmittag, Mittwochnachmittag, Donnerstagabend, Freitagnacht

montagabends, dienstagmittags, mittwochnachmittags, donnerstagabends, freitagnachts

heute früh/Früh

 

Janina Reinhardt


Andreas Cyffka | Kategorie: REGEL-SCHNÄPPCHEN

Kommentare

Regel-Schnäppchen: Artikel- und Adjektivdeklination im Deutschen

23. Juni 2014

Zum Wochenstart bringt unsere Autorin Janina Reinhardt Licht in ein schwieriges Thema – die Artikel- und Adjektivdeklination im Deutschen!

Manche verflixte Endungen…
…lernt man nie – oder doch? Bei der Deklination lässt einen das Sprachgefühl schon so manch ein Mal auf der Strecke. Die Adjektivdeklination stellt nämlich längst nicht nur für Fremdsprachenlerner eine Herausforderung dar: In der deutschen Sprache sind Ausdrücke wie „Ende diesen Jahres“ oder „sämtliche andere Informationen“ längst keine Seltenheit mehr. Hätten Sie gewusst, dass es korrekterweise „Ende dieses Jahres“ und „sämtliche anderen Informationen“ heißen sollte? Und vor allem: Wissen Sie WARUM es so heißen muss?
Im Deutschen signalisieren die Flexionsendungen der Nomen, um welches Genus, welchen Numerus und welchen Kasus es sich handelt. Eigentlich eine feine Sache, diese Signalendungen: So wird es einfacher, den Satzinhalt zu erfassen und Missverständnissen wird vorgebeugt. Weniger praktisch ist dagegen, dass bei „nur“ fünf dieser Markierungsformen keine einzige eindeutig ist (-er kann z. B. sowohl für Nom. Sg. m. junger Mann als auch für Gen. Pl. junger Männer stehen).
Betrachtet man nun noch die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten mit Artikeln bzw. anderen Wörter (wie jene, diese, alle, …), die als Artikel fungieren, wird es (auf den ersten Blick) noch unübersichtlicher: Es heißt ohne das kleine Kind, aber ohne (ein) kleines Kind. Wie soll man da denn herausfinden, welche Endung gerade benötigt wird? Doch in Wahrheit liegt genau hier der Schlüssel: Es gibt Endungen, die in jeder Nominalphrase, die einen Determinierer enthält, realisiert werden müssen – egal welche Art von Artikel und mit oder ohne Adjektiv. Die Endungen des bestimmten Artikels liefern somit die Endungen für jegliche Deklination. Und diese Signalendungen trägt ENTWEDER der Artikel ODER das Adjektiv.
Kehren wir also zurück zu unseren beiden Ausdrücken. „Ende diesen Jahres“ kann nicht stimmen, da hier lediglich ein Artikel vorkommt. Also muss dieser auch die Genitiv-Signalendung -es tragen (dieses). Bei „sämtliche andere Informationen“ gibt es dagegen ein Wort, das als Artikel fungiert und daher auch das Pluralsignal -e trägt (sämtliche). Folglich kann das Adjektiv nicht mehr die Signalendung verwenden, sondern muss die Endung -en erhalten (anderen). Aus dem gleichen Grund muss ich nun die Überschrift für ein korrektes Fazit anpassen: Manche verflixten Endungen sind einfach nicht (mehr?) intuitiv.

Kleines Regelwerk:
mit bestimmtem Artikel (oder manche, jene, alle, …): -en, außer Nom. Sg. f./m./n. & Akk. Sg. f./m. -e
die großen Häuser
dem interessanten Gespräch
der kleine Junge
für die alte Frau
mit unbestimmtem oder Possessiv-Artikel: Wenn Artikel mit Signalendung -en/-e (Nom./Akk. f.), sonst trägt Adjektiv Signalendung (-en, -e, -es, -er)
eine dumme Idee

von einer angemessenen Größe

ein gelbes Auto, ein böser Blick

ohne Artikel: Adjektiv trägt Signalendung (-en, -e, -es, -er, -em)
ohne große Mühe
schönes 1-Zimmerappartement mit freiem Blick auf den Bodensee

Die Signalendungen entsprechen den Endungen des bestimmten Artikels:

 

signalendungen


Andreas Cyffka | Kategorie: REGEL-SCHNÄPPCHEN

Kommentare

« Ältere Einträge

Seite auf
Feedback