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Weil richtig schreiben wichtig ist

Substantiviert

17. September 2009

Substantiviert – was für ein Wort. Irgendwie ein Ungetüm. Spräche ich wildfremde Menschen auf der Straße an, wüssten einige wohl nicht, was es mit diesem Ausdruck auf sich hat. Was ein Substantiv ist, ist wohl allen klar. Nimmt der Schreibende nun andere Wörter und macht sie zum Substantiv, dann werden sie substantiviert. Das ist alles.
In der Journalistenschule war kaum etwas schlimmer als ein substantiviertes Wort. Die Substantivierung war verpönt und unsere Lehrer straften sie mit schlechten Noten ab – zu Recht, wie ich finde. Denn indem alles substantiviert wird, wird unsere Sprache steif und weniger lesenswert.
„Peter nutzt gerne sein Fahrrad, um die Umgebung kennen zu lernen und Freunde zu besuchen.“ Das klingt doch nun wirklich tausend Mal besser als die substantivierte Alternative: „Mit der Nutzung seines Fahrrads ist Peter das Kennenlernen der Umgebung und das Besuchen von Freunden möglich.“
Entsprechend, finde ich, lohnt es sich zu kämpfen – gegen alle, die es lieben, substantivisch zu formulieren. Also beispielsweise gegen Behörden und Bürokraten mit ihren „Anweisungen zur Durchführung der Erfolgsmessung“. Aber manchmal auch gegen Redakteure und Medienmacher, die lieber substantivieren, als einem Nebensatz Raum zu geben.
Ob ich mit meinem Kampf Erfolg habe, weiß ich nicht. Doch wie sagte schon Camus: „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“


Jork Herrmann | Kategorie: KONTROVERSES


Kommentare

  • Vitesse Hoepfner |  17.09.2009

    Jawohl! :-) Unterstütze diese Forderung!

    Und bei den Behörden sollte unser Kampf beginnen – denn es ist amtlich: Beamtendeutsch versteht kein Mensch… Siehe hierzu Studie der Uni Hohenheim: http://bildungsklick.de/a/69750/test-belegt-internet-seiten-der-ministerien-sind-haeufig-unverstaendlich/

  • AndreasP |  17.09.2009

    “Peter nutzt gerne sein Fahrrad” ist noch ein Substantiv (+ Null-Inhalt-Verb) zu viel. So spricht und denkt kein Mensch aus Fleisch und Blut. Lebendiger und besser: “Peter fährt gerne Rad. Er lernt damit die Umgebung kennen und besucht Freunde”.

  • Frank |  07.10.2009

    Auch alle Wörter auf “ung” sollten kritisch angesehen werden. Statt Umgebung kann man besser Gegend (oder Nachbarschaft) schreiben. Den Rest hat AndreasP schon verbessert. ;-)


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