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Weil richtig schreiben wichtig ist

Wörterbücher und Fachsprache

11. September 2009

Fachsprache und Fachsprachen stellen seit geraumer Zeit einen Forschungsbereich der Linguistik dar. Obgleich die Fachsprachenforschung bisher nicht genau festlegen konnte, was – aus theoretischer Sicht – genau ein Fach ist, gibt es dennoch ein ausgeprägtes Bewusstsein von Fachsprachen, da Fachsprachen eine Reihe von sehr folgenreichen Eigenschaften haben.

(Eine aktuelle Diskussion zum Thema Fachsprache finden Sie auch beim Werbeblogger.)

Fachsprachen sind zunächst neben der Gemeinsprache und den Mundarten ein Teil „der Sprache“.

Obwohl Fachsprachen auf nahezu allen linguistischen Ebenen spezifische Eigenschaften aufweisen (etwa grammatische und textuelle), denkt man bei ihnen zuerst an die lexikalische Ebene: die Fachwörter. Manche von ihnen sind außerhalb des eigentlichen Fachgebiets ungebräuchlich und sogar unbekannt. Daher die bekannte Wahrnehmung von Fachsprache als „Fachchinesisch“ – dem „Normalbürger“ ebenso unzugänglich wie die – zumindest sprachlich als Gipfel der Unverständlichkeit hingestellte – chinesische Sprache.

Das ist aber nur die eine Seite. Die andere hat wesentlich damit zu tun, dass im Internet-Zeitalter vernetzter Information immer mehr Menschen auf immer mehr (Fach) Wissen zugreifen können und dies auch tun – und andererseits die von den „Fächern“ hervorgebrachte Technik in immer höherem Maße unser Leben tangiert. Dass als Begleiterscheinung die Technik ihre Sprache in die Allgemeinsprache mitbringt, ist schon derartig Normalität, dass es vielfach gar nicht bewusst wahrgenommen wird.

Während die Wörter von Fachsprachen traditionell in Fachwörterbüchern lexikografisch beschrieben werden, spielen sie auch in den allgemeinen Sprachwörterbüchern immer schon eine gewisse Rolle. Traditionell wurde hier Wörtern aus bestimmten Fachgebieten wie etwa der medizinischen und juristischen Fachsprache, aber auch der Sprache der Drucker oder der Seemannssprache ein gewisser Raum gegeben, heute werden aus nachvollziehbarem Grund vermehrt Begriffe aus der Endanwender-EDV, aus Internet und Telekommunikation, aus dem Bereich technischer Innovation und dem Wirtschaftsleben in den Stichwortlisten der Wörterbücher berücksichtigt. Denn einerseits ist ihr Verständnis schon für die Lektüre der Tageszeitungen unerlässlich geworden, andererseits werden sie im aktiven Sprachgebrauch immer mehr benötigt – und für die Wörterbücher selbst sind sie als Ausweis von Aktualität schließlich auch eine Art Qualitätsmerkmal. Kurz: Mit der sporadischen Berücksichtigung von Fachsprache im Wörterbuch ist es heute nicht mehr getan, wenn auch der in so manchem Vorwort erhobene Anspruch, „alle Fach- und Sondersprachen“ seien berücksichtigt, etwas überzogen erscheinen mag, da allein schon die Quantifizierung des Umfangs eines jeweiligen Fachwortschatzes je nach Theorie sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Eher schon erspüren lässt sich dagegen die Ausgewogenheit der berücksichtigten Gebiete (in Relation zum Maß ihres Eindringens in die Sprache der Medien und damit in die Öffentlichkeit). Wie halten wir es damit in unserem PONS Onlinewörterbuch, der Deutschen Rechtschreibung?

Bei der Erstellung der breiten Datenbasis unseres Wörterbuchs haben wir uns bemüht, Fachwörter aufzunehmen, die wir als relevant betrachten, die man häufig liest und häufig hört, deren Kenntnis und deren Verständnis für die Teilnahme am „aktiven Sprachleben“ also erheblich ist. Diese haben gemeinhin den Charakter von Fremdwörtern. Wir können in diesem Wörterbuch nicht die genaue Historie solcher Wörter aufführen, deuten aber kurz auf die Sprache, aus der das Wort abgeleitet ist, was zwar nicht selten das Lateinische und das Griechische ist, heute aber sehr verstärkt die neue Wissenschaftssprache, das Englische, weshalb in der Regel auch eine Ausspracheerklärung erfolgt. Wir entsprechen nicht ganz der Tradition, berücksichtigen vielleicht althergebrachte Wörter aus dem Druckwesen oder der Seemannssprache etwas weniger, verzeichnen aber UMTS und Blackberry ebenso selbstverständlich wie W3C und SWOT-Analyse.

Und last, not least: Ohne ein Fachwörterbuch sein zu wollen, profitieren wir als Onlinewörterbuch intensiv von und kommunizieren ebenso mit unseren Nutzern, die uns Wörter wie Läppen oder Pop-up-Fenster vorgeschlagen haben.

Vermissen Sie ein Fachwort oder eine Wendung? Schreiben Sie mit an der deutschen Rechtschreibung, wir freuen uns über Ihren Beitrag!


Andreas Cyffka | Kategorie: WISSENSWERTES


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