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Weil richtig schreiben wichtig ist

Im Web gefunden

15. Juni 2010

An dieser Stelle wollen wir in loser Folge besprechen, was wir selbst zum Thema Sprache und seinen tausend Facetten so im Netz gefunden haben. Was und gefallen, begeistert, bewegt, beeindruckt, belehrt, bedrückt, bestärkt, … (hier bitte Verb  mit “be”-Präfix einsetzen!) hat.
Heute richten wir den Fokus auf ein interessantes Projekt, den

Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA)

Was wird erhoben?

In vielen deutschsprachigen Gebieten, vor allem in Norddeutschland, werden die traditionellen Dialekte nur noch von älteren Sprecherinnen und Sprechern verwendet, in anderen Regionen, z. B. dem Ruhrgebiet, sind sie fast vollständig aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Regionale Unterschiede haben sich aber bis in die Standardsprache, das “Hochdeutsche”, erhalten. Das betrifft lautliche Merkmale, besonders aber den Wortschatz. So sind im Hochdeutschen sowohl das eher im Nord(ost)en gebrauchte Sonnabend wie auch das eher in der Mitte und im Süden bevorzugte Samstag zugelassen (siehe ‘Pilotprojekt’, Karte Samstag/Sonnabend). Besonders deutliche regionale Unterschiede weist die Alltagssprache auf. Für den ‘Atlas zur deutschen Alltagssprache’ werden neben regionalen Varianten des Wortschatzes auch solche zur Aussprache, zu den grammatischen Formen oder auch zu Formen der Anrede erhoben.

Wieso und wozu?

Lebendige Sprachen wie das Deutsche befinden sich in ständigem Wandel. Mit dem Projekt “Atlas zur deutschen Alltagssprache” soll zum einen die aktuelle Vielfalt des Deutschen erfasst und anschaulich auf Karten dargestellt werden; die Art der Datenerhebung und Kartierung schließt damit an den “Wortatlas der deutschen Umgangssprachen” von Jürgen Eichhoff an, der von 1977-2000 in vier Bänden erschien (und eines Ergänzungsbandes von Peter H. Nelde zu den “deutschen Umgangssprachen in Belgien” aus dem Jahr 1987). Durch den Vergleich der alten mit den entsprechenden neuen Sprachkarten aus der gegenwärtigen Interneterhebung können zum anderen Veränderungen des Sprachgebrauchs in den letzten 30 Jahren nachvollzogen werden. Die Daten schaffen damit die Grundlage für Aussagen zur aktuellen Variation wie auch zu Entwicklungstendenzen des Deutschen.

Wie wird erhoben?

Die verschiedenen regionalen Varianten werden über Internetumfragen, also per indirekter Methode, an fast 500 Ortspunkten in Deutschland, Österreich, der deutschsprachigen Schweiz, Südtirol, Ostbelgien und Luxemburg erhoben. Dabei wird nicht nach der individuellen Gebrauchsform der Internetnutzer gefragt, sondern nach dem “normalen ortsüblichen Sprachgebrauch”. In den Umfrageformularen, die online zugänglich sind und auch online ausgefüllt werden, gibt es zu jeder Frage sowohl vorgegebene Antwortmöglichkeiten als auch ein Freitext-Feld, in dem weitere Angaben gemacht werden können.


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, WISSENSWERTES


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