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Weil richtig schreiben wichtig ist

Von sprachlichen Abseitspositionen

05. Juli 2010

Spielerpositionen

Nach Meinung  des Philosophen Peter Sloterdijk verhält sich „der Sport (…) zum Alltag wie das Heilige zum Profanen.“

Da muss was dran sein – oder kennen Sie viele Phänomene, die es fertig bringen, 300 000 Menschen zu versammeln – noch dazu in friedlicher Atmosphäre?!

 So bringen auch jene, die über das derzeit alles beherrschende Fußballfest schreiben, nicht nur Blumen des Guten hervor. Am Tag des Viertelfinales beging die BILD-Zeitung folgendes verbales Foul: „Adios, Diego! Dein Messi bekommt heute auf die Fressi.“

 Und auch jenseits eindeutiger sprachlicher Abseitspositionen gerät Humor schon mal ins Aus; ob eine  „Pizza Maradona“, die laut ihrem Erfinder „nix drauf hat“ in ihrer unsportlichen Häme wirklich bekömmlich ist?

 Die Weltpresse überschlug sich am Sonntag geradezu mit Meldungen über den Traumsieg der deutschen Nationalelf. Da war von Blitzkrieg, fliegenden Panzern und Fußballwalze die Rede.

 Eine Lieblingsschlagzeile stand jedoch im SonntagsBlick (Schweiz): „Die Messi ist gelesen.“ Die Redewendung „Die Messe ist gelesen“ bedeutet, dass etwas unwiderruflich vorbei ist; treffender und eleganter hätte man es nicht formulieren können.

Iris Leibold/Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FUNDSTÜCKE, KONTROVERSES


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