Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Voll obama

16. Juli 2010

Präsidenten verkaufen Wurstsemmeln (wir berichteten),  die Klimaanlagen in Eisenbahnzügen funktionieren, Sie haben ein schwieriges Fremdwort intuitiv richtig in Übereinstimmung mit dem amtlichen Regelwerk getrennt – fast jeder Tag hält doch Überraschungen bereit, die so keiner erwartet hätte –  mehr noch, die so gar keiner hätte erwarten können.  Yes Sir, Leben und Welt sind nun mal recht unberechenbare Gesellen oder ins Positve gewendet: Sie sind “dynamisch”. Linguisten wissen, dass Sprache zu den  dynamischsten Systemen überhaupt gehört. Dennoch hat Sprache es offenbar schwer mit dem Dynamischsein. Neue Wörter begegnen uns nahezu täglich, aber nicht allen wird ein begeisterter Empfang zuteil. So ist die Wahrnehmung, die Sprache – insbesondere auch unsere deutsche Sprache – verfalle oder sei zumindest von einer Art vage empfundenem Qualitätsschwund befallen, eine sehr moderne. So erlebte etwa die ZEIT am Ende des vergangenen Jahres unseren momentanen Sprachzustand als krisengeschüttelt - und das nur, weil die Gesellschaft für deutsche Sprache “Abwrackprämie” zum Wort des Jahres ausgerufen hatte. Zugegeben, warum “Abwrackprämie”? Die nur auf Rang vier gekommene Bad Bank wäre doch auch eine anmutige Siegerin gewesen. 

Nun haben wir Deutschblogger die Unart, dass wir die Leserkommentare ja noch viel lieber lesen  als die Zeitungsartikel. Ja, die Kommentare – da steckt doch das wahre Sprachdeutschland drin. So befindet zum ZEIT-Artikel ein Schreiber mit dem Nickname “politaffe” (irgendwie auch preisverdächtig), die Medien seien an allem schuld. Würden diese die “Sprachinkontinenzergebnisse” (herrlich)  und die ” Sprachmutanten”  nicht drucken,  dann würden diese Wörter keinen Fuß in die Tür zum Gegenwartsdeutschen bekommen.

Im nächsten Posting schreibt ein gewisser Azenion: 

Neue Dinge brauchen neue Namen.

Azenion, Du bist ein Philosoph, ein Sprachphilosoph.  Diese wahre Tatsache ist einer der Hauptmotoren der Wortschatzentwicklung – nicht nur im Deutschen.

Und Herr Stefan Vieregg bringt es ein Posting weiter (“ein Posting weiter”: Ist das jetzt verfallenes oder korrektes Deutsch??) so schön auf den Punkt, dass wir von PONS Die deutsche Rechtschreibung uns anmutig verneigen:

“Unsere Sprache lebt und generiert immer wieder neue Wörter. Ein Zeichen, dass das Immergleiche nicht ausreicht! Dynamik ist angesagt!”

Das hätten wir auch nicht besser sagen können.

Darum lassen wir doch die Menschen an unserem Onlinewörterbuch mitschreiben.  Ein Wörterbuch, das einfach Wörterbuch ist, wäre doch wie eine Landkarte. Es gibt Konventionen darüber, was da dargestellt wird, z.B. größere Städte wie Mannheim – und eben auch Stuttgart. Dynamische Web 2.0-Wörterbücher hingegen sind wie Navigationssysteme. Dieses Navi führt Sie zu existierenden sprachlichen Orten, weil diese  jemand gekannt und im bestehenden Wortbestand vermisst hat.

Und darum gebührt das Schlusswort ZEIT-Forum-Kommentator “luccas” (den Wort- des- Jahres-2009-Kanidaten “Haste mal ’ne Milliarde?” betreffend). Luccas sagt:

“Also ich find den Spruch “”Haste mal ne Milliarde?” voll obama.”

Das finden wir auch – voll obama.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES


Kommentare


Seite auf