Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

LG von LG

31. August 2010

Liebe Leserin, lieber  Leser,

“Liebe Grüße von LG” – ein herzerfrischend- herrliche Idee, ein Video der Extraklasse!  Hier gerät eine Abkürzung auf die Überholspur zur Genialität!

http://brainwash.webguerillas.de/viral-marketing/liebe-gruse-von-lg/

LG

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES

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Vom Denken über Deutsch

31. August 2010

Höchste Geistes- und Seelenbildung
bekundet es, alles in seiner
Muttersprache sagen zu können.

(Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831)

In einer Pressemitteilung vom 13. Juni 2008 verffentlichte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) die Ergebnisse einer Allensbach-Umfrage  zum Thema  “Wie denken die Deutschen über ihre Muttersprache und über Fremdsprachen?”

Zugegeben: 2008 – das ist nicht gerade gestern; zwei Jahre sind  in unserer schnelllebigen Zeit ein Zeitraum, der sich in der subjektiven Wahrnehmung vieler dramatisch kontrahiert, obwohl – oder vielmehr: weil – er mit 2x 365 x X neuen Entwicklungen gefüllt ist. Es sei X die Zahl der alltäglich neu über uns hereinbrechenden Nachrichten und Neuerungen, Entwicklungen und  Enthüllungen, Formen und Reformen, Menschen und Moden, und last not least: Wörter und neuen Wörter.

Das Institut für Demoskopie in Allensbach hatte zwischen dem 4. und 17. April 2008 insgesamt 1.820 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählte Personen ab 16 Jahre mündlich-persönlich zum Thema ‚deutsche Sprache’ im weitesten Sinne befragt. Und da Einstellungen zur Sprache sicherlich nicht auf den  kleinen, sondern den großen Wellen surfen, nicht einem Tageskurs unterliegen, sondern eher über  Jahre augenfällig und abfragbar  werden, halte ich  die Ergebnisse von 2008 für immer noch relevant und interessant genug, um einen Blick darauf in diesem Blog zu werfen.

Unter “Die Einstellung der Deutschen zum »Sprachverfall” konstatiert die Studie zunächst ein eher trübes linguistisches Lebensgefühl.

 

                 ” In der Wahrnehmung einer großen Mehrheit der Bundesbürger droht die deutsche Sprache mehr und mehr zu verkommen. 65 Prozent teilen diese Einschätzung. Vor allem Ältere sorgen sich über einen Verfall der deutschen Sprache, aber auch von den Jungen sieht dies jeder Zweite so. Vielfältige Ursachen werden dafür angeführt: Dass heute weniger gelesen und mehr ferngesehen wird, dass der Einfluss anderer Sprachen auf die deutsche Sprache stark zunimmt und ganz allgemein weniger Wert gelegt wird auf eine gute Ausdrucksweise schon im Elternhaus, in der Schule, in den Medien, insbesondere auch bei der Kommunikation via SMS oder E-Mail. Hinzu kommen Verunsicherung durch die Rechtschreibreform sowie mehr und mehr unverständliche Abkürzungen. 42 Prozent der Bevölkerung urteilen, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger heute schlechter ausdrücken können als noch vor 20, 30 Jahren.”

 
Dass Ältere die Dinge bisweilen kritischer sehen als die Jugend, ist Allgemeingut, seit Sokrates (470-399 v.Chr.) konstatierte: “Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.”  Nur sehen auch junge Menschen nun offensichtlich ziemlich kritisch auf das heutige Deutsch! Das muss zu denken geben. Aber lässt es nicht auch hoffen? Denn eine kritische Meinung ist immer noch eine Meinung, Sprache ist also für junge Leute etwas, zu dem man eine Meinung hat, das im Fokus ist.

Am vergangenen Wochenende im Zugabteil: Zwei junge Damen, vielleicht Schülerinnen; die eine (eine SMS tippend): “Schreibt man “immer noch” zusammen?” – Die andere: “Ist doch sch***egal!” – Verfall sprachlicher Werte oder ein Reflex der Tatsache, dass die Augenblickswelt elektronischer Botschaften eben eine ist, die nicht in Stein gemeißelt ist. Verzeiht der Augenblick Fehler leichter?

Die Allensbach-Studie: “Positiv wird allerdings von jedem Dritten angemerkt, dass der Wortschatz der Leute heute größer ist als früher, dass vor allem durch die Arbeit am Computer mehr gelesen und geschrieben wird als früher (23 Prozent), und 18 Prozent – darunter vor allem viele Jüngere – haben sogar den Eindruck, dass die deutsche Sprache vielseitiger, lebendiger geworden ist.”

Gut, es gibt also Hoffnung. Eine Erweiterung des Wortschatzes ist mit Sicherheit gegeben. Dafür sorgen schon die Fachsprachen, im Internet immer nur einen Klick entfernt.

Rechtschreibreform und Rechtschreibfähigkeiten ist ein zweifelsohne “heißes” Kapitel der Untersuchung, welche konstatiert:

“Die Bevölkerung kann sich noch immer nicht mit der Rechtschreibreform anfreunden. Mit der Rechtschreibreform haben sich nur wenige angefreundet (9 Prozent), die Mehrheit, 55 Prozent, spricht sich auch jetzt noch dagegen aus. Vielen ist die Rechtschreibreform letztlich ‚egal’ (31 Prozent). Spiegelt sich im allgemeinen Lamento über einen ‚Verfall der Sprachkultur’ lediglich eine Verklärung der ‚guten alten Zeit’? Die Rechtschreibkenntnisse der Bevölkerung jedenfalls haben sich in den letzten 20 Jahren nicht verschlechtert, aber auch – trotz Explosion der höheren Bildungsabschlüsse in diesem Zeitraum – nicht verbessert. Wörter wie ‚Lebensstandard’ oder ‚Rhythmus’ konnte damals wie heute nur jeder Zweite bzw. knapp jeder Dritte korrekt schreiben. Und auch Jüngere, unter 30-Jährige, schneiden bei diesem Test nicht schlechter ab als Altersgleiche vor gut 20 Jahren. Zwar reicht dieser kleine Rechtschreibtest nicht aus, das allgemeine Gefühl eines Verfalls der Sprachkultur in Deutschland zu widerlegen, weckt allerdings Zweifel an Pauschalurteilen.”

Da haben wir sie wieder: “Standard” und “Rhythmus”, Stars unserer immerwährenden Hitliste des Nachschlagens in PONS Die deutsche Rechtschreibung!

Anglizismen – da kann man sich die Umfrageergebnisse schon recht gut selbst denken, oder? Und in der Tat kommt es so:

“Vor allem Ältere und Deutsche ohne Englischkenntnisse stören sich an englischen Ausdrücken. Von den Jüngeren stören sich nur wenige daran. An die zunehmende Verwendung englischer Ausdrücke wie ‚Kids’, ‚Event’, ‚Meeting’ oder ‚E-Mail’ haben sich inzwischen viele Deutsche gewöhnt, aber 39 Prozent – in überdurchschnittlichem Anteil Ältere ohne Englischkenntnisse – stören sich daran.”

 Die Befragten haben hier also, finde ich, in erwartbarer Weise geurteilt: Klar hinterfragen ältere Menschen wohl eher, ob “Event” und “Meeting” sein müssen. Ihre Lebenserfahrung  sagt ihnen wohl auch, dass eine gute “Veranstaltung” und eine produktive “Besprechung” vielleicht weniger Glamour, aber mindestens den gleichen Inhaltswert haben. Aber: “Was sind schon sechstausend Anglizismen, bei einem Wortschatz von einer halben Million? Peanuts! (Oliver Baer)

Und man erfährt aus der Studie auch:  ”Bayerisch und Norddeutsch bleiben die Lieblingsdialekte der Deutschen. Dialekt, Mundart wird noch von jedem Zweiten gesprochen, aber mit leicht abnehmender Tendenz. Bayerisch und norddeutsches Platt bleiben am beliebtesten, die verbreitete Abneigung gegenüber dem Sächsischen hat sich eher noch verstärkt.”

Als in Bayern Geborener (ja, auch wenn man es mir nicht gleich anhört) freut mich dies. 

Die Niederraunauer Wissenschaftlerin Dr. Edith Burkhart-Funk:

“Der Dialekt ist etwas Altehrwürdiges, Gewachsenes.Das schafft Selbstbewusstsein.“ An die Eltern appelliert sie, das Sprechen des Dialektes bei ihren Kindern nicht zu unterdrücken. „Hochsprache und Dialekt können problemlos nebeneinander existieren. Das Hochdeutsche wird in der modernen Medienwelt ohnehin ohne Schwierigkeiten erlernt.“

Ich stimme zu.  Ausdrücklich auch für das Sächsische.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, LEXI

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Unboxing und Balconing – ein Vergleich

27. August 2010

Schon Ende 2006 war auf der Internetplattform Heise ein Artikel über Unboxing zu lesen. Schon 2006  – da staune ich. Ich selbst bin auf das Wort erst im Sommer 2010 gestoßen, im Zusammenhang mit der Remaster-Edition von Exile on Main Street der Rolling Stones. Diese wird auch in einer Luxusvariante, die neben der CD auch eine Langspielplatte und diverse andere Materialien enthält, angeboten. Viel auszupacken also – und so stieß ich erstmalig selbst auf ein Unboxing-Video.

Es fasziniert mich immer wieder, dieses “-ing”.  Das  kleine D-ing  aus dem Englischen entwickelt in seiner deutschen Zweitheimat richtig Power. Einer tut etwas, mehrere tun etwas – und das magische “-ing” macht daraus ein “Tuing”: Ein Phänomen ist geboren, genauer: Ein Wort ist geboren und man ist geneigt, dann auch das so Bezeichnete als irgendwie definierter und eigenständiger, als gegenüber anderen Dingen eigenständiger und profilierter zu sehen – als Phänomen also. Und so eine ziemlich eigenständige Sache ist z.B. das im berauschten Zustand vollzogene Springen vom Balkon mallorquinischer Hotelburgen -das heißt dann “Balconing“.

Unboxing ist vernünftiger als Balconing: In filmischen Bildsequenzen wird dabei gezeigt, wie eine Person  ihr frisch erworbenes und  oft via Amazon speditiertes Produkt (in der Regel ein Gadget) auspackt.  Rund 100 Unboxing-Videos fand man schon Ende 2006 bei YouTube, die von Tausenden auch angeschaut werden.

Als “Geek porn” hat  das Online-Magazin The Register die Unboxing-Filme bezeichnet.  Wie müsste man das übersetzen? Pornographie für Außenseiter (Geeks)?

Bei Heise war zu lesen: “Netzseiten wie Unboxing.com, die sich nur mit der Zurschaustellung von Auspackvorgängen beschäftigen. Und die, wie der Betreiber der genannten Seite schreibt, den Leuten helfen soll, ihre neusten “Toys” zu zeigen. Eine neue komische Spielart des Exhibitionismus also, der zwar völlig sinnfrei ist, aber ja auch keinen wehtut. Wesentlich erstaunlicher ist jedoch die hohe Zahl der Elektronik-Voyeure, die Gefallen an den Unboxing-Videos finden.”

Aber da muss doch in einigen Punkten widersprochen werden: Das gezeigte Tun ist doch nicht sinnfrei. Fast jeder bekommt doch gern etwas geliefert, gestehen wir es uns ein. Warum würde sonst der Versandhandel so blühen? Und wenn man gerade selbst nicht auf eine Bestellung wartet (“Wo ist meine Bestellung?”), kann man die Zeit bis zur nächsten Bestellung überbrücken und sich am Unboxing eines Gleichgesinnten delektieren. Dieser Exhibitionismus macht also durchaus Sinn. Und dass es keinem wehtut, das Unboxing, stimmt auch nur, wenn die unboxende Person geschickt und umsichtig vorgeht -wer hätte sich bei der Gelegenheit (in der Aufregung!) nicht schon selbst mit  Schere oder Schweizer Messer verletzt?

Eine implizite Voraussetzung allerdings muss für Unboxing gegeben sein: Die  auszupackende Sache muss ein gehöriges Maß an Sexiness haben, denn merke: Unboxing ist nicht die englische Übersetzung von “abschachteln”. Letzteres geschieht in Discountmärkten und ist relativ unsexy.

Gar nicht wie ein Geek, sondern wie ein Insider verhalten Sie sich, wenn Sie die PONS.eu -Seiten anklicken. Die brauchen Sie auch nicht auszupacken.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, QUERPONS

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Hitparade der Suchanfragen

27. August 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Leser des Deutschblogs sind Sie sicher auch Benutzer(in) des Onlinewörterbuchs PONS Die deutsche Rechtschrteibung. Wir würden  uns natürlich riesig freuen, wenn Sie öfter darin nachschlagen oder neue Stichwörter für das Wörterbuch vorschlagen. Wörterbuchmacher fragen sich natürlich, was Menschen in einem Wörterbuch nachschlagen. Alles, was man darüber herausfinden kann, trägt dazu bei, das Wörterbuch besser auf die Bedürfnisse der Nutzer abzustimmen.  Bei gedruckten Wörterbüchern ist eine Antwort auf diese Frage nicht ganz leicht. Im Online-Medium ist es natürlich eine feine Sache, dass die Technik die Suchwörter liefern kann, die am häufigsten nachgeschlagen werden.  Betrachtet man diese Wörter, kann man sich häufiger denken, warum gerade sie offenbar Schwierigkeiten aufwerfen und Grund besteht, sie in einem Rechtschreibwörterbuch nachzuschlagen.

Ein Wort , das sehr oft nachgeschlagen wird, ist “Haus”. Das auf den ersten Blick unproblematische Wort wirft aber auch einige Fragen auf, wenn es nämlich in bestimmten Kombinationen auftritt. So kann man “Haus halten”, aber auch “haushalten” , man schreibt “außer Haus” und “von Haus aus”. Geht es um die eigene Wohnstätte, sind zwei Schreibungen gleichberechtigt: ” Nach Haus(e)/zu Haus(e)/von zu Hause(e) sind richtig und “nachhaus(e)/zuhaus(e)/von zuhause” sind ebenfalls richtig.

Das nächste Wort: Die Sache ist  sehr oft “kalt”, die Schreibfragen “heiß”: Die Rede ist vom “Buffet”; diese Schreibung hat auch eine Alternative: “Büfett”. In der Schweiz und in Österreich wird allerdings “Buffet” bevorzugt.

Ganz oben in der Nachschlagehitparade – das sehr alltägliche “hallo”. Warum? Das sonst kleingeschriebene “hallo” kann auch als Substantiv verwendet werden (“mit großem Hallo”) und wird dann “Hallo” geschrieben. Die Wahl hat man wieder beim “Hallo sagen” oder “hallo sagen”.

Ein “Standard” ist etwas, das man einhält – oder nachschlägt. Grund für häufiges Nachschlagen ist wohl der Wunsch, sich des letzten Buchstabens zu versichern: “d” beim “Standard” , nicht zu verwechseln mit der “Standarte” (einer kleinen Fahne).

Was führt  ”Status”  und “Fundus” in die Hitliste des Nachschlagens? Sollte es die Frage nach dem Plural sein: Der ist NICHT “Stati” oder “Fundi”, sondern lautet – auch “Status” bzw. “Fundus” . Manchmal ist die Sprache einfacher als man denkt.

Gern nachgeschlagen: “Ich weiß”.  Ja, das wird mit “ß” gechrieben, denn ein “ß” hat  nach wie vor nach Diphthongen wie “ei” zu stehen: Es heißt also nicht “weiss”. Unsere Leser in der Schweiz werden aber einwenden, dass es doch “weiss”  heißt und das ist auch richtig, denn in der Schweiz benutzt man das “ß” nicht; gar nicht.

Das “Modell”, warum nachschlagen? Um es nicht mit mit dem “Model” (Fotomodell; mit kurzem “o” gesprochen) zu vertauschen und auch nicht mit dem “Model” (Gussform; mit langem “o” gesprochen).

Das Wörtchen “dass” bleibt in alter wie in neuer Rechtschreibung eine Fehlerquelle erster Güte. Kein Wunder, die Entscheidung zwischen “das”  und “dass”  setzt ja im Grunde eine richtige syntaktische Analyse voraus. Den Artikel schreibt man “das” wie in “das Haus”, die Konjunktion schreibt man “dass” wie in “er weiß, dass …”

“Appetit”und “Rhythmus” bleiben Rechtschreibklassiker. Heiße Nachschlagekandidaten sind schließlich auch das “Dekolleté” (oder alternativ auch “Dekolletee”, aber BITTE NICHT “Dekollté”) und die “Dessous”.  An diesen Schreibungen besteht ein natürliches Interesse – rein rechtschreiblicher Art natürlich. Honni soit

Und was ist Ihr liebster Schreibfehler, Ihre persönliche orthografische Klippe? Machen Sie uns eine Freude – schreiben Sie uns!

Andreas Cyffka

 


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHLICHES, FREUT UNS, LEXI

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