Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

1 000 000 Nürnburger

17. August 2010

Vor einem Monat – tempus fugit – hatten wir uns mit dem Nürnburger beschäftigt. Inzwischen sind 1 000 000 Exemplare verkauft.  In Ermangelung eines Testexemplars in unserer Lieblingsschnellessgaststätte mussten wir uns vorerst auf das Urteil der Stiftung Warentest verlassen, die in einem jüngst veröffentlichten Bratwursttest   (Heft 07/2010) den präsidentiellen  HoWe Würsten ein “Gut (2,5)” verliehen hatte.

 Nun wären wir aber nicht wir, beließen  wir es bei  einer  fastfoodtheoretisch-ontologischen Seinsbestimmung  der Wurstsemmel. Nein – als Deutschblogger und Blogonauten sehen wir es als unsere Aufgabe an, auch die kulturellen und sprachwissenschaftlichen Implikationen der Burgeroffensive zu betrachten. Und wo ließen die sich besser betrachten als in der Blogosphäre? Dort stießen wir in einem im schönen Frankenland beheimateten Blog auf Dialogsequenzen, die wir  in unseren kühnsten Träumen nicht zu erhoffen gewagt hätten, sind doch in ihnen alle Aspekte des Themas – und die sprachlichen nun keineswegs zuletzt – aufs innerlichste  verwoben – pure Poesie, die wir auszugsweise und mit unseren linguistischen Betrachtungen präsentieren.

Als am  16. Juli 2010 der dortige Blogger dem Nürnburger ein “reelles Brötchen” und “kein Alibi-Gemüse” attestiert, tritt er eine Lawine von Blog-Kommentaren los (Namen der Kommentatoren von der Redaktion geändert):

Geschrieben von BH:

“Schmecken recht gut die Dinger. Ich befüchte aber, dass es Die wieder nur kurz giebt.”  BH, BH, es ist aber auch gemein: Manchmal wird die Länge eines Vokals in der Schreibung angezeigt, z.B. durch das “ie” in “liebt”. Manchmal – und das ist nun fieser als Senfsoße auf dem weißen Hemd – aber auch nicht: Es heißt “gibt”.

Nun mischt sich ein gewisser  C in die Diskussion:

“wenn ich ne bratwurst im brötchen will ,geh ich in ne pommesbude”

Guter C, so steht das aber nicht in der amtlichen Regelung: Konsequente Kleinschreibung war in der Orthografiegeschichte zwar immer wieder eine Reformbestrebung, aber ALLES wird nun auch nach der Rechtschreibreform nicht kleingeschrieben.

Wir ersparen dem Leser nun eine Passage, in der das sehr anstößige Wort “Hackfresse” benutzt wird, zu dessen Aufnahme in das Wörterbuch wir uns bislang trotz unserer deskriptiven Grundhaltung in solchen Fragen nicht durchringen wollten. Aber 227.000 Google-Belege dafür können nicht irren, oder doch? In Geschmacksfragen wohl eher schon. Wir werden die Frage überdenken.

Gut, dass nun Anonymus in die Diskussion eingreift und das Niveau auf schon bildungssprachliches Niveau hebt:

“Der Mann ist ein kleiner Wurst-Imperator im Hintergrund.”  Schön gesagt!

Und ein gewisser  Wursty betreibt sprachliche Feindifferenzierung  und spricht von “Kaschemmen mit vegetarischem oder veganem Angebot auf der Karte.”

Bodenständig gibt sich  Meat Eater, der das Wort Nürnburger durch  ”Drei in am Weggla” ersetzen will.

Jetzt wirft sich ein “Gast” ins Getümmel – und es wird regelrecht unschön: Als “einen Fett-Emulgator-Fleischreste-Mus im eigenen Darm” denunziert er die gesamte Gattung Würstchen – ist er vielleicht Veganer?

“Gast” begibt sich nun auf fachsprachliche Höhen (“Systemgastronomie”), strauchelt dann aber bei der Kommasetzung (“besser, als”):

“Aber wenn es um Systemgastronomie geht (und darum geht es bei mir selten), dann geh ich noch am liebsten zu Subway. Ist zwar auch nicht viel besser, als der Rest, aber manchmal habe ich einfach keine Lust mir was Ordentliches zum essen zu suchen.”

Und ein gewisser  Zing macht uns sprachlos:

” Für wie viele Würstchen reicht dein Darm eigentlich?”

… worauf   MiniMoppel am 17.07.2010 07:01  kontert:

“der “eigene” Darm wird selbstverständlich zuvor lebensmitteltechnisch ordnungsgemäß desinfiziert, als nix ekliches”

Die Ironie probt  “hajo”:

“Ich ess nur handgeraspelte linksgedrehte Rohkost aus biologischem Eigenanbau”. Hajo, sorry, aber da ist wohl “linksdrehend” gemeint.

Diskriminierend oder nur sprachspielerisch? Die Diskussion driftet ab ins Grenzwertige:

“Ich glaub ich geh jetzt zum Türken und frag nach nem Nürndöner.”

#7 murry am 16.07.2010 19:07 (Antwort)

Nürndöner?

Hüm wür leider nücht. 

#7.1 Murrat am 16.07.2010 19:30 (Antwort)

Schüdü! 

Fastfood -Hasser Dirk poltert:

“Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft mal ersticken wird.”

#9 Christof am 16.07.2010 19:49 (Antwort)

“Nee, da ist Schweinefleisch verarbeitet.Das setzt sich in unserer Gesellschaft auf Dauer nicht durch.”

“Gianni”:

“Ich als Nürnbergerin werde denn ganz sicher niemals essen. Ich bin doch net Krank. 

Für mich grenzt das an Kröperverletzung .”

Darauf schlagfertig #11 nomii am 16.07.2010 21:51 (Antwort):

“Deine Rechtschreibung aber auch….brrrrrrrrr.”

Ja, Gianni, Rechtschreibfehler werden oft übel genommen, aber lasse dich trösten: 11.1.1.1 Judge am 17.07.2010 17:52 (Antwort)

“Lass dich nicht von Trollen aergern, nomii.”

Lassen wir Max das Schlusswort sprechen:

#23.1.1 Max am 18.07.2010 09:51 (Antwort)

“Es geht hier um Nürnberger Bratwürste. Nürnberg in Franken, Deutschland, nicht um Nürnberg in Pennsylvania. Es geht nicht um irgendwelche zonalen Erzeugnisse.”

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, QUERPONS


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