Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Ähnlich und doch anders

09. September 2010

Unser  Bemühen, mit der aktuellen Sprachentwicklung Schritt zu halten, konfrontiert  uns notwendig immer wieder mit Wörtern aus den neuen Medien, aus Internet, Computerei , Telekommunikation und den Überschneidungen, die diese hervorbringen. Naturgemäß sind die meisten dieser Wörter aus dem Englischen entlehnt; einige von ihnen sind auch gar nicht mehr so furchtbar neu wie etwa googeln  und – gerade bei Verben kritisch! – auch die Frage ihrer flektierten Formen geklärt: Die korrekte Schreibung für den Infinitiv  der Suchmaschinenbenutzung lautet also nicht etwa “googlen” (das wäre ja auch denkbar, weil die Suchmaschine nach dem Willen ihrer Schöpfer “Google” heißt)  sondern “googeln” und es heißt ganz folgerichtig “ich goog(e)le” – wie “ich kugele” (mir den Arm aus/den Berg hinunter).  Solche kleine Ähnlichkeiten in Graphie und Lautung zwischen den “neuen” Wörtern und ganz althergebrachten kamen mir neulich in den Sinn. Und in den Ähnlichkeiten versteckt sich oft auch (wie überhaupt bei den alphabetischen Nachbarschaften der Lemmata im Wörterbuch) eine gewisse Komik.  Sehen wir einmal nach, was die neue Welt mit dem altdeutschen Sprachkosmos so an Berührungspunkten hat.

Da hätten wir zunächst den Link. Seltsam für meine Ohren, dass man auch “das Link” sagen kann. Wer einen Link auf eine Webseite setzt, der  verlinkt die Seite. Hoffenlicht hat er damit nicht den Seitenbetreiber gelinkt, denn “linken” heißt umgangssprachlich auch “täuschen” – “meistverlinkt” funktioniert dann aber formal und semantisch wie ” meistgelesen”.

Wer einen Beitrag in ein Forum stellt, der “ postet“  (nicht wie die Post auszusprechen). Komisch, dass ein solcher Mensch dann kein Poster ist. Wohl aber findet man das Wort “Vorposter” für einen Menschen, der aus der Sicht dessen, der den anderen so bezeichnet, vor ihm im gleichen Forum gepostet hat. Wenn man aber in der Schweiz mit “posten” zu tun hat, dann handelt es sich um “einkaufen” (und zwar gar nicht mal online im Webshop). In der Schweiz dürfte sich das aber etwa wie “gang go poschte” anhören.

Was ein Vorposter macht, ist aber keineswegs   “vorposten”, auch nicht  ”vorkosten”, sondern – er postet!  Manche Menschen im Forum machen den anderen Forumsteilnehmern (die heißen nicht “Forensiker“)  wenig Freude , weil sie sich im virtuellen Raum negativ verhalten. Diese Leute heißen “ Trolle” und das ganze Forum freut sich, wenn sich ein Troll  trollt. Denn der Troll ist nicht selten eben einfach ein Proll.

Blogger bloggen in Blogs (“in Blogs” sieht man nicht  gleich an, dass es “der Blog” oder “das Blog” heißen kann, Puristen bevorzugen “das Blog” und stützen sich dabei darauf, es heiße ja “das Weblog”, aber wie bestimmt man IM DEUTSCHEN das Genus von “Log” (Tagebuch)?

Der Blogger ist mitunter von der Rolle, wenn seine “Blogrolle” zu umfangreich wird.   Er könnte dann ”twittern“;  dieses Wort wird selbst von manchen Onlinewörterbüchern nicht gewürdigt, die dann ganz unbedarft  fragen “Meinten Sie wittern?”.  Das war halt (nicht)  im Fokus. Es klingt ein wenig wie  ”klittern“, ist  aber seriöser, denn es bedeutet mit Twitter einen Tweet in die Welt setzen.  TWIET – das klingt richtig  putzig, na ja, hat ja auch nur 140 Zeichen, das kleine Ding. Auch in der Welt, die digital ist, geht es nicht selten  um Werbung und bisweilen muss sich auch  ein CEO mit Fagen des SEO befassen. Die Community erfreut sich derweil  an Virals; das sind keine Viren, da Viren ja gemeinhin kaum Freude bereiten, sondern für das Internet gedrehte Werbefilme, die sich wie ein Virus ausbreiten sollen, weil der eine dem oder der anderen sie empfiehlt.  Und wenn alle zusammen nicht nur rezeptiv, sondern auch produktiv mit dem Web umgehen, bekommt dieses das Attribut “2.0″, also Web 2.0 .

Ich frage mich, wann der Tag kommt, an dem die Öffentlichkeit in den Leitwörterbüchern unserer Sprache “2.0″ (mit vorher zu klärender Wortklasse) als Stichwort findet. Warum? Weil “2.0″ ja schon richtig “produktiv” wird wie wir Sprachwissenschaftler sagen, etwa im Titel der Werbekampagne Trollinger 2.0. Das gefällt sicher nicht nur in Stuttgart.

Immer aber sollte der via Web vermittelte Inhalt, der Content, seriös und hochwertig sein. Dann macht er, den man auf der ersten Silbe  betont, einen auf Englisch gesagt so richtig content (auf der zweiten Silbe betont).

Andreas Cyffka




Kommentare

  • Markus |  02.12.2010

    Na, hier fehlt doch das Paradebeispiel, das *Handy*


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