Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Flow Control

16. September 2010

Schon toll: Eben hatte ich über das Diktum von Norbert Bolz “Man muss auch eine Art „Gadgetlover“ sein” nachgesonnen, da eröffnete mir eine im Netz gefundene Meldung diesbezüglich völlig neue Sinnzusammenhänge. Eine aktuelle Untersuchung der US-amerikanischen Online-Datingseite OKCupid  will herausgefunden haben, dass  iPhone-Besitzer sexuell deutlich aktiver als Nutzer von Android- und BlackBerry-Smartphones sind.  Gehen wir mal davon aus, dass da was dran ist. Wie ist das dann mit Menschen, die ein iPad benutzen oder phone und Pad ei gleichzeitig? Nicht auszudenken!  Das Gadget  versetzt den Menschen da wohl richtig in Flow, aber der sollte vernünftigerweise kontrolliert, “under control” bleiben.

Andererseits stehen ja weitaus ältere Technologien und ihre Produkte immer schon im Rufe, Menschen zu einschlägiger Attraktivität zu verhelfen. Je nach sozialem Stratum etwa bestimmte rote Automobile, bestimmte Kosmetika; schließlich erhoben alle Zigarettenmarken ausnahmslos und immer schon den Anspruch.  Dann ist die i-Attraktivität wohl eben ein alter neuer Trend.

Am 15. September (ein Zufall?) hat in Hamburg der 15. Deutsche Trendtag stattgefunden. Bei einem solchen diskutieren Experten, insbesondere Trendforscher – über Trends eben, jedes Jahr über einen anderen. Diesmal stand die Veranstaltung unter dem Motto “Flow.Control”.  Ja, ja – durchaus mit den beiden Punkten dahinter.  Der Trendforscher Professor Peter Wippermann:

“Der anschwellende Datenstrom ist über die Ufer der traditionellen Medienkanäle getreten. Die Deiche zwischen Kommunikation, Transaktion und Produktion sind unter den Bedingungen des Internets gebrochen. Die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschmelzen zu einem einzigen Flow.” 

Ich z.B. bewege mich ja rein beruflich viel auf den Seiten unseres Sprachenportals PONS.eu. Ich komme nach Hause – und …? Jetzt sind sie gespannt: Nein, ich schaue nicht ins Onlinewörterbuch, ich klicke auf “Deutschblog”. Will sehen, ob Sie mir einen Kommentar geschickt haben. Haben Sie wieder nicht?

Hm, vielleicht sind Sie ein “Digital Visitor”:
“Die Digital Visitors suchen noch immer nach Control und orientieren sich an den rettenden Ufern der langsam virtuell überschwemmten realen Welt. Digital Visitors sind mit Massenmedien aufgewachsen und gelegentliche Besucher der neuen Netzwerkwelt. “ 

Aber Sie werden sicher noch ein “Digital Resident“:

“Die Digital Residents baden im Datenmeer. Sie lieben den Flow, das Gefühl des völligen Aufgehens im Networking. Sie sind mit interaktiven Medien aufgewachsen und erleben die virtuelle Welt als zweite Natur. Sie erwarten die richtige Botschaft zur richtigen Zeit am richtigen Ort. ”

Die folgenden Sätze könnten für unser Sprachenportal komponiert worden sein (redaktionelle Anmerkungen in Klammern):

“Die erste Wirklichkeit der realen Welt kombinieren sie in Echtzeit mit der virtuellen zweiten Wirklichkeit, der Augmented Reality. Das ist für sie nicht mehr Science-Fiction, sondern Alltag [Sie schlagen ständig online bei PONS nach]. Spontan handeln zu können und ein unmittelbares Feedback zu bekommen [die PONS.EU -Sprachexperten antworten Ihnen ] gibt ihnen ein Gefühl, die Kontrolle über ihre Aktivitäten zu behalten. Control bedeutet bei ihnen Mitgestaltung, nicht mehr Meinungsmacht [im OpenDict gestalten Sie unsere Onlinewörterücher bereits energisch mit]. Sie sind Mitspieler und nicht mehr Leser, Hörer oder Zuschauer und wandeln sich vom Konsumenten zum Prosumenten. Sie lieben Cherrypicking statt Fleißarbeit [darum sind wir Ihr Onlinesprachenportal]  und praktizieren Selbstkontrolle statt Systemkontrolle. Flow.Control. ist ihre Lebensphilosphie.”

“Flow.Control. ist ein Trend, der in einer dynamischen und flexiblen Gesellschaft geschäftlich zum Wettbewerbsvorteil und privat zum Glück führen kann.”

Wenn ich so durch die Webpräsenz des Trendtags navigiere, giere ich naiv natürlich nach Neuwörtern. Und da scheint sich mir ein MEGATREND abzuzeichnen, der zu Kofferwörtern:

 Dr. David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) für Wirtschaft und Gesellschaft, Rüschlikon/Zürich hat da einige Prachtexemplare: 

- Bleisure (= Business + Leisure): Ein Fall von Bleisure liegt vor, wenn Sie als Hotelgast ” einen Internetzugang” UND “eine Körpermassage, Sport treiben und ein Fitnessfrühstück” wollen.

-  Freemium (= free + premium): Ein Fall von Freemium liegt vor, wenn ein Premiumprodukt mit Gratisangeboten gekoppelt ist (wie etwa bei Google)

Auch hübsch ist ” glocal”, das sich aus “global” und “local” kombiniert.

Also wenn Sie jetzt “deutsche Rechtschreibung” und PONS kombinieren (ich verschone Sie  hier mit Saloppheiten wie Die deutsche PONSschreibung) , dann haben Sie die richtige Schreibung im Koffer, liegen absolut im Trend und wer weiß, ob die Nutzung des RICHTIGEN Onlinewörterbuchs das iPhone bei der nächsten okcupid-Wahl nicht vom ersten Platz verdrängt.

Andreas Cyffka


 




Kommentare

  • Dr. Apfel |  09.11.2010

    Na, ob apple da nicht vielleicht bei OKCupid nachgeholfen hat, damit die Ergebnisse entsprechend ausfallen?


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