Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Besser als wie man denkt

30. November 2010

“Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten. ” (Konfuzius)

Diese Erkenntnis erscheint absolut richtig. Wer hat ihn nicht noch in Erinnerung, jenen ersten Fehler von epischen Ausmaßen? “Hier werden Sie geholfen”. Verona Pooth hieß damals noch Verona  Feldbusch und Bastian Sick hielt im Spiegel die Begebenheit immerhin für einer Erwähnung würdig, dass ”eine Kundin in einem Geschäft die höfliche Frage einer Verkäuferin, ob sie eine Beratung wünsche, mit den Worten erwiderte: “Nein danke, ich werde schon geholfen!” Die Verkäuferin sah die Kundin ungläubig an und wartete auf ein Zwinkern, ein Lächeln, auf irgendein Zeichen, mit dem die Kundin zu erkennen gab, dass sie sich einen sprachlichen Scherz erlaubt habe. Aber da kam nichts. Offenbar war die Kundin fest davon überzeugt, die richtigen Worte gewählt zu haben. Und dabei sah sie Verona Feldbusch nicht einmal ähnlich.”  Nun, um Grammatikfehler zu machen, muss man ihr nicht ähnlich sehen – es hilft aber vielleicht in Sachen Medienwirksamkeit .

“Jeder Mensch macht Fehler. Das Kunststück liegt darin, sie dann zu machen, wenn keiner zuschaut.” (Peter Ustinov)

Eine ganz andere Kunst liegt aber darin, sie zu machen, wenn Fernsehdeutschland zuschaut, zur Prime Time nämlich. Diesen Umstand nutzt  aktuell  der Mode-Discounter KIK, dessen Produkten Verona mit “Besser als wie man denkt” den gewissen Kick zu verschaffen versucht. Da kommen Erinnerungen auf ans Geholfenwerden.  Pooth wäre schließlich nicht Feldbusch, wenn sie die Vierfachalliteration  ”Kleidung clever kaufen bei Kick”  nicht mit einem Salto mortale  in Sachen  Deutsch als Hemdsprache  noch toppen könnte. Ihr “besser als wie” ist der dreifache Rittberger auf dem dünnen Eis der deutschen Grammatik.

Auch, wenn Frau Verona  sicher nicht alle ihre Satzkonstruktionen  im absoluten Halteverpooth parkt, hat sie (oder der Kik-Texter?) doch den untrüglichen Sinn, für die Wirkung, die schiere Sexiness, die  Ästhetik des Fehlers. Dabei vertraute sie dem FOCUS doch einst an: “Ich hatte auf jede Frage eine Antwort parat, und es wurde viel über mich gelacht. Eigentlich so wie heute.“ Als ehemalige Lieblingsfächer gab Verona  an: „Geschichte, Sport, Kunst und, da staunen jetzt vielleicht viele, auch Deutsch.“ Der BILD-Zeitung sage sie:  “Ich habe ja nie behauptet, fehlerfrei zu sprechen. Das liegt daran, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin und zu den schnell sprechenden Menschen gehöre. Für mich gibt es keinen entscheidenden Unterschied zwischen ‚ihm‘ und ‚ihn‘. Jeder hat so seine kleinen Schwächen…“

Sicher, hat jeder. Dennoch, der verflixte Komparativ beziehungsweise seine frevlerische Würzung mit einem deplatzierten “wie” scheint für manchen ein Tuch zu sein, dessen Röte nur noch von jener übertroffen wird, welche sich bei Lektüre gewisser sprachnörglerischer Sätze bei einem anständigen Menschen einstellt. So hatte  Heidi Klum mit  ”mehr kreativ als wie andere”  und einem  ” Job als Model viel schwerer als wie andere Berufe”  den empfindsamen Roger Willemsen einst so sehr berührt, dass dieser in nicht zitierfähiger, dennoch des öfteren zitierten Übersetzung eines englischen Idioms (to beat the shit out of somebody) heidimäßig entgleiste wie ein US-Diplomat in Wikileaks – Teflon aber auch!

Nur nackt ist billiger. (auch ein KIK-Zitat). Die  Tatsache, dass es richtig  heißen muss: „KiK – Besser, als man denkt“! kann man sich doch leicht merken. Vor allem als Grönemeyer-Fan: “Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt! Ist es besser, viel besser, als man glaubt!”

Warum die Dinge mit einem “wie” verkomplizieren? Warum  den strengen sprachkritischen Blick nicht eher Formulierungen zuwenden wie Willemsens “unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil, die kleine Mädchen zum Weinen bringt, indem sie ihre hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt”? Da gibt es genug sprachkritische Arbeit.

Auch Goethe hätte Heidi und Verona verziehen. Bei so viel geballtem Charme hätte er gesagt:

“Uns ist ganz kannibalisch wohl/ als wie fünfhundert Säuen”. (Faust I, Vers 2293 f.)

Und jeder Instrumentalisierung sprachlicher Fehler anderer für die eigenen publizistischen Zwecke hätte er wohl mahnend entgegengehalten, schon bei kleinen Fehlern zur Mäßigung ratend:

“Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen  nicht zu Rande.”

Andreas Cyffka
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Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES


Kommentare

  • ParrotSketch |  02.12.2010

    Wenn wir schon bei absichtlichen Fehlern sind: Ich weiß nicht, ob man es wirklich als Fehler bezeichnen kann, aber ist es Absicht und wenn ja welcher Sinn steckt dahinter, die Namen der zitierten Persönlichkeiten kursiv zu schreiben?

  • Freddi |  14.12.2010

    @ParrotSketch, vermutlich ist es ein gängiges Stilmittel – um anzudeuten, dass es sich hier um einen Satz oder Satzbaustein handelt, der nicht aus der Feder des Herrn Cyffka stammt…
    Oder!? ;)


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