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Weil richtig schreiben wichtig ist

FUNDBÜRO: Zeitläufte

18. März 2011

Wenn Sie gern die Tour de France verfolgen, liebe BlogleserInnen, so ist Ihnen das Wort “Zeitfahren” ein Begriff. Was aber ist ein “Zeitlauf”? Ein Lauf, bei dem die Läufer – wie die Radfahrer- einzeln auf eine Strecke geschickt werden, die sie dann möglichst schnell absolvieren müssen? Nun, eine solche Interpretation wäre in einem konkreten Kontext sicher möglich, etwa in : “Der erste Lauf  um 13 Uhr ist nur ein Trainingslauf und dient zum Warmlaufen. Der zweite Lauf um 14 Uhr ist der  Zeitlauf.”

In den Wörterbüchern findet sich aber Erstaunliches. Im allgemeinen tritt das Wort im Plural auf, den es gleich in zwei Versionen gibt. Die “normaler” anmutende Light-Version “ Die Zeitläufe” ist die eine. Power-User-Schreiber aber wählen die deutlich gebildet wirkendere Pluralform “Zeitläufte”. Gemeint ist mit beiden Formen der “zeitbedingte Lauf der Ereignisse”.

Woher aber kommt die etwas seltsam wirkende Form “Zeitläufte”? Die Antwort kommt – wie so oft-  aus der Sprachgeschichte: Es gab einmal eine Singularform dazu: Lauft.  So heißt es im Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm:

“Lauft, m. , ahd. mhd. hlouft (mit einem andern ableitungssuffix als die erstgenannte form), in der ältern sprache im allgemeinen bevorzugter als lauf, in der modernen absterbend. die form hlouft, lauft ist eine nur ober- und mitteldeutsche, und gilt
1) von der einzelnen handlung des laufens, im eigentlichen sinne : thut richtige leuft mit ewren fuszen. Hebr. 12, 13 variante; bildlich: sintemal das evangelium nicht feiret noch ruget, sondern leuft in einem lauft und breitet sich aus in alle welt. Luther”

 Die Zeitläufte haben offenbar bewirkt, dass heute  nur die Pluralform übrig geblieben ist.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHLICHES, WISSENSWERTES


Kommentare

  • Mariele |  20.03.2011

    Also das Wort habe ich noch nie gehört…


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