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Weil richtig schreiben wichtig ist

Watching you: Die Hitparade der Suchanfragen im letzten Monat

28. Juli 2011

Online, meine Damen und Herren, erfüllt sich ja so mancher Traum: Der Single wird in der Onlinepartnervermittlung fündig, der Partner verkauft seine alten Singles zusammen mit dem Plattenspieler in eBay, die Amazone findet auf amazon ein Buch über Reitsport – und der Lexikograf findet Antwort auf eine Frage, die Generationen von Lexikografen in der alten Offlinewelt gequält hat. Was schlagen die Menschen in unserem Wörterbuch nach? Doch heute ist ja die Antwort auf alles immer nur ein paar Mausklicks entfernt und Nachschlagehitparaden erstellen sich schneller als man Google auf Kugel reimen kann.

Was wurde im vergangenen Monat so in PONS Die deutsche Rechtschreibung nachgeschlagen?

Das Ewigweibliche bestimmt auch dieses scheinbar so trockene Gebiet: Gesucht wurde oft das „Dekoltee“, doch richtig ist das  „Dekolleté“ oder das „Dekolletee“.

Man sieht: Ob é oder ee hinten, auf die zwei l kommt’s an.

Genitiv und Plural übrigens: des/die Dekolletés, Dekolletees

Das Ewigzweifelhafte scheint die Frage der Getrennt – und Zusammenschreibung bei Infinitiven und deren Spielart mit dem Wörtchen „zu“ zu sein. Wenn Sie sagen möchten, jemand möge Ihnen etwas zurückschicken, dann bitten Sie darum,  XYZ zurückzusenden. Ja, genau so: als ein Wort. Denn „zurücksenden“ ist auch EIN Wort – wenngleich man das oft fälschlicherweise als „zurück senden“ liest.

Oder Sie machen es wie die Schweizer und sagen „retournieren”. Das ist aber orthografisch auch nicht viel einfacher. Ist es aber nicht toll, dass man in der Vergangenheitsform  „sandte/(oder seltener:) sendete zurück, hat zurückgesandt/(oder seltener:) zurückgesendet“ sagen und auch schreiben kann?

Das Ewiggegensätzliche: „wiedergeben“ und „widergeben“ – sie stehen mit an der Spitze der Nachschlagecharts. Dabei ist es ganz einfach: Bedeutet das wider „gegen“ (wie in „widersprechen“), schreibt  man OHNE das „e“ , bedeutet das wieder dagegen „noch einmal“, dann muss es „ie“ heißen: „wiedergeben“

So wird auch „wider Erwarten“ gar nicht wider Erwarten viel nachgeschlagen. „Wider“ hat hier die Bedeutung „gegen“, also nicht mit „ie“.

Und die weiteren Kandidaten:

Bescheid geben/Bescheid sagen

•wir möchten Ihnen Folgendes mitteilen

das Folgende

aus, in, nach, von dem Folgenden; im Folgenden 

kennenlernen:

Das kann man “kennenlernen” oder “kennen lernen” schreiben. Entsprechend:

Es freut mich, Sie kennenzulernen ODER Es freut mich, Sie kennen zu lernen.

Endlich: Das hat mit dem „Ende“ zu tun und enthält deshalb ein „d“, NICHT: entlich

sympatisch: Sympathisch ist es, wenn Sie das Wort korrekt mit einem „th“ schreiben: sympathisch. Sorry, kommt halt aus dem Griechischen.

Und noch eine häufige Frage ans Onlinewörterbuch:

inwieweit – genau so schreibt man das: als ein Wort.

Aber hätten Sie gewusst, was das Wörtchen grammatisch ist? Ein Interrogativadverb. So, jetzt wissen Sie das.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHLICHES, LEXI


Kommentare

  • Benno |  02.08.2011

    Sehr geehrter Herr Cyffka,

    herzlichen Dank für diesen interessanten Blick hinter die Kulissen des Onlinewörterbuches! Und danke für die Auflistung…jetzt sind wir doch alle wieder ein bisschen klüger…


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