Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Ihrseitsdumm

24. August 2011

 

Gern blicke ich regelmäßig – täglich eigentlich (na gut, fast täglich …) in den Posteingang der “Rechtschreibung”. Da gibt es immer Interessantes zu entdecken. Neue Wörter? Aber immer gern! Knifflige Fragen? Wir zerbrechen uns gerne mit Ihnen den Kopf! Und heute lese ich da eine aus drei Wörtern bestehende Botschaft, die in ihrer anmutigen Prägnanz den Bloglesern nicht vorenthalten sein soll: Da steht : “Ihr seits dumm”.  Ja, genau in dieser Form, ohne Punkt am Ende. Ja, ist das nicht wunderbar? Empfange ich diese Nachricht doch mitten in einer Phase, in der mich gewissermaßen sprachliche Mikrosignale besonders interessieren. Die lieber anonym bleibende Autorin verorte ich zunächst anhand des kernigen “seits” im Süddeutschen. Seids ihr bereit für etwas Rechtschreibung? Dann müssen wir mal festhalten, dass die zweite Person Plural des Verbs “sein” – ihr seid -zu den besonders häufig falsch geschriebenen Wörtern gehört. Häufig sieht man sie mit einem “t” am Ende, aber richtig ist es mit einem “d”: ihr seid. Das ist ja auch irgendwie praktisch. So kann man die Verbform gut von der Präposition “seit” unterscheiden. Die schreibt man seit Menschengedenken mit einem “t” am Ende. Die Konjuktion übrigens auch: Seit wir dieses Mail gelesen haben, mussten wir ständig nachdenken, wie wir den Eintrag “sein” verbessern können. Und jetzt haben wir da – bei “sein” -so einen kleinen Hinweis angebracht – gar nicht dumm, oder?

Das ist doch toll: Sagt man jemandem, er sei dumm, teilt man ihm damit auch mit, dass man keine Lust (mehr) habe zu kommunizieren.  Unsere Schreiberin hat aber ganz im Sinne von Watzlawicks Metakommunikativem Axiom sehr wohl mit uns kommuniziert: Sobald zwei Personen sich gegenseitig wahrnehmen können, kommunizieren sie miteinander, da jedes Verhalten kommunikativen Charakter hat.

Ist die Autorin nun ein böhses Mädchen? Seltsame Frage! Und wirklich so (falsch)  geschrieben, mit “h”? So habe ich das neulich auf einem Aufkleber auf der Heckscheibe eine Autos gelesen. Sie wissen schon – wo sonst Abi 81 steht; sorry,  das wäre nur in meinem Fall so, wenn ich eine Heckscheibe besäße. Davon aber in einem anderen Beitrag mehr.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, WORTSTICHELEI

Kommentare

C wie Rechtschreibung

03. August 2011

 

Neulich bin ich auf einen interessanten Beitrag gestoßen. Der Autor zog betreffend der reformierten Rechtschreibung ein nüchternes Fazit. Freundlich ausgedrückt, meinte er,  könne der derzeitige Umgang mit der deutschen Rechtschreibung und der Zeichensetzung allenfalls als chaotisch oder anarchisch bezeichnet werden. Achtzig Prozent aller neu aufgelegten Bücher würden in der neuen Schreibung gedruckt, aber nur zweiundzwanzig Prozent der Deutschen benutzten die neuen Schreibweisen auch. Fast die Hälfte der Bevölkerung sei regelmäßig unsicher.

Unverhofft, aber sehr erfreulich sei dabei: Die Deutschen sprechen wieder über ihre Sprache, nicht nur mit ihr. Die Rechtschreibreform sei demzufolge mit der Rolle Harry Potters für die Jugendliteratur zu vergleichen: Es möge  Besseres geben, aber die Jugendlichen lesen wieder. Ein Bewusstsein wachse, dass die Beherrschung der Sprache und ihrer Nuancen entscheide über die Qualität der Kommunikation. Jede Auseinandersetzung mit der Sprache sei auch ein Schritt zu besserer Verständigung.

An diesen Text musste ich denken, als ich den derzeitigen Mediendiskurs über den Slogan „C wie Zukunft“ verfolgte. Dieser von einer Partei auf Wahlplakaten in Mecklenburg-Vorpommern benutzte Slogan habe dazu geführt, dass sich „Kübel von Spott“ über selbige ergießen würden – insbesondere im Internet, wo findige Köpfe flugs Seiten wie „c-wie.de“ eingerichtet haben und analog gebildete Schenkelklopfer wie „c wie Kanzler Cohl“ oder „C wie SORRY, ES HÄTTE CUCUNFT HEISSEN MÜSSEN!“ miteinander konkurrieren.

Ja, ja, das C. Jener dritte Buchstabe des lateinischen Alphabets, Konsonant mit der durchschnittlichen Häufigkeit von 3,06 % in deutschen Texten. Der zwölfthäufigste Buchstabe in deutschen Texten macht Medienkarriere! Und das ist er, der Harry-Potter-Faktor; es mag bessere Slogans geben, aber die Tatsache, dass Schreiben nicht anarchisch verläuft, wird hier mit Aufmerksamkeit, der Währung des Internets, geadelt. Ist das nichts? Das ist  viel. Das ist so viel, dass sich in Blogkommentaren Trouvaillen wie diese finden:

 „Kommentar von Anonymous on 26. Juli 2011 7:40

 he alda , was´n scheisen dreck eah mann, scukunft würd mit s geschrüben alda !

Antworten Kommentar von MrMerlin on 26. Juli 2011 11:22

haldie fresse, droddel! TSUKUNFT würt müt T geschiben!!“

The words of the prophets are written on the subway walls …“ (Paul Simon, Sound of Silence)

Das ist Rechtschreibung von unten, meine Damen und Herren. Wenn dieser Kommentar nicht nur von einem intellektuellen Witzbold stammen, sondern real sein sollte, dann IST das spottbekübelte Wortspiel um das C ein Erfolg – für das Sprachbewusstsein, eine Art Stöhnen  eines Scheintoten.

 Der Slogan sei ein Erfolg, meint ganz entspannt der zuständige Geschäftsführer.

Zwar könne er teilweise verstehen, dass sich die Leute lustig machten und glaubten seine Partei beherrsche  die Rechtschreibung nicht. Diese aber, beruhigt er, man habe „extra noch einmal im XXXX [Name von der Redaktion geändert]  nachgeschaut, und gesehen, dass sich Zukunft mit ‚Z’ schreibt. Wenn etwas auf Webseiten muss, dann dieses!

 Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES

Kommentare

  • b_ella |  23.08.2011

    Hallo,

    Hilfe:
    weir weiss, wie ich ‘Formaldehydabspalter’ aus dem Deutschen ins Polnische übersetzen kann?

    Für jede Hilfe dankbar…

    Schöne Grüße aus Berlin
    Eliza

  • C wie Zukunft – Lan&hellip |  18.09.2015

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