Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Cool, Alter

21. November 2011

Was machen Deutschblogger eigentlich, wenn sie wandern gehen? Sie denken natürlich über Sprachfragen des Deutschen nach.  Ihr natürliches Wanderrevier ist daher der Buchenwald. Während die Tanne ja vornehmlich im Kontext von Weihnachten Symbolkraft erhält, ist die Buche ein ausgesprochen sprachaffiner Baum.  Man bedenke z.B. ihre herausragende Bedeutung als Namensgeberin von Ortschaften.  Laut Wikipedia sollen allein in der Schweiz  über 700 geographische Bezeichnungen Verbindung zur Buche haben. Beispiele: Buchthalen, Bucheggberg, Schönenbuch, Buch am Irchel oder Buochs. “Buch-” als Namensbestandteil findet sich natürlich auch in Deutschland allerorten. Die Ortsnamen kann man sogar wissenschaftlich betrachten, was als Toponomastik oder Toponymik bezeichnet wird (zu griech. topos (“Ort”) und onoma (“Name”).

Diffuser werden die Dinge schon beim Wort Buchstabe: 

So meint Wikipedia vorsichtig, Das Wort sei “ wahrscheinlich”aus den germanischen, zum Los bestimmten Runenstäbchen (*bōks) entanden. “Diese als Runen bezeichnete Schriftzeichen wurden damals oft mittels Punzieren in Waffen, aber auch in Stäbchen aus dem harten und schweren Holz der Buche geritzt.” 

Nun ritzen aber auch die Nachfahren der Germanen (zumindest einige von ihnen) gern mal Zeichen in Holz. Sie erzeugen dabei etwas, dessen Bezeichnung rechtschreiblich relevant ist: Graffiti. Dieses sich aus ital. graffiare (“kratzen”) ableitende Wort ist sehr häufig und sehr falsch als Grafitti zu lesen. Sucht man in Google nach “Graffiti ist ” finden sich reihenweise Sätze wie “Graffiti ist vor allem ein Problem, das in den Großstädten auftritt ” oder  “Graffiti ist keine Sünde”: Doch, ist eine Sünde, denn es ist Plural: Der Singular lautet “das Graffito”.

Das “Cool Alter …”  (vgl. unser Foto) haben wir auch  im Wald gefunden, konnten auf unserem Weg uns nicht einigen, ob dies grammatisch nun wirklich parallel zu “Guten Morgen Hans, wie geht’s?” ist, warum der Schreiber -Ritzer nicht gleich “Alder” geritzt hat und ob hinter “Alter” nicht ein Komma gehörte. In Ermangelung eines Taschenmessers hätten wir die Korrektur aber eh nicht einritzen können.

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES

Kommentare

  • jermaine |  28.11.2011

    Das kenn ich nur zu gut, wenn man sich ständig mit der Sprache befasst, analysiert man automatisch alle kommentare:)

  • Hans Sonne |  29.11.2011

    Ich dachte immer Wandern sei zum entspannen und Kopf freibekommen da ;) Wenn ihr beim gemütlichen durch die Gegend stapfen über Sprachfragen nachdem, dann ist der Bournout nicht weit ^^

Zur Aufnahme der deutschen Sprache in die Verfassung

08. November 2011

Heute zu lesen auf der Seite des Deutschen Bundestags:

“Die Forderung, Deutsch als Landessprache im Grundgesetz aufzunehmen, ist im Petitionsausschuss überwiegend auf Skepsis gestoßen. Bei einer öffentlichen Sitzung am Mittwochnachmittag beschäftigten sich die Abgeordneten mit zwei öffentliche Petitionen. Die eine sprach sich gegen, die andere für eine Aufnahme aus.

So plädierten der Verein Deutsche Sprache (VDS) und der Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) dafür, dass die deutsche Sprache als Landessprache im Grundgesetz festgeschrieben wird. Damit werde nicht nur die Funktion der deutschen Sprache als das „wichtigste Verständigungsmittel anerkannt, sondern auch ihre besonderen Aufgaben innerhalb unserer Gemeinschaft“ – etwa als „Gerüst für bestimmte kulturelle Ausdrucksformen“, heißt es in der Petition. Der Hauptpetent Walter Krämer, Vorsitzender des VDS, begründete den Vorstoß mit einem „dramatischen Bedeutungsschwund und Ansehensverlust der deutschen Sprache“. Er wies darauf hin, dass bereits 17 von 27 EU-Staaten ihre Sprache als Ausdruck der jeweiligen Kultur in der Verfassung festgeschrieben hätten. Die Petition kommt auf rund 75.000 Mitzeichner.

Dagegen sprach sich der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch dafür aus, den gesetzlichen Status der deutschen Sprache unverändert zu lassen. Deutsch als Amtssprache sei in den Verwaltungsverfahrensgesetzen von Bund und Ländern eindeutig geregelt, betonte er in seiner Petition mit Unterstützung von rund 3.000 Mitzeichnern. Damit stehe die „herausgehobene Stellung der deutschen Sprache in der Kommunikation zwischen Bürgern und staatlichen Institutionen außer Frage“. Es bestehe zudem ein breiter gesellschaftlicher Konsens. Die Aufnahme der deutschen Sprache in das Grundgesetz habe lediglich Symbolcharakter und sei „ein Signal der Abschottung“ gegenüber Freunden und Verbündeten der Bundesrepublik, hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund und gehörlosen Deutschen, deren Sprache die deutsche Gebärdensprache sei.

In ihrer Fraktion gebe es noch keine „einhellige Meinung“ zu diesem Thema, sagte Sabine Weiss (CDU/CSU). Sie fragte jedoch, wie eine Grundgesetzänderung konkret den Bedeutungsschwund der deutschen Sprache aufbessern oder aber den Minderheitenschutz gefährden könne. Zudem wollte sie wissen, ob bei den genannten 17 EU-Staaten die Bildungs- und Integrationspolitik von der Aufnahme der Landessprache im Grundgesetz profitiere.

Sonja Steffen (SPD) erkundigte sich nach möglichen Konsequenzen für Minderheiten in Deutschland wie Dänen und Sorben. Zudem wies sie auf die Integrationskurse hin, deren Teilnahme laut Ausländerrecht verpflichtend sei. Es sei mitnichten so, dass Zuwandererfamilien sich weigerten, die deutsche Sprache zu lernen.

Sowohl das Gerichtsverfassungsgesetz als auch die Verwaltungsverfahrensgesetze legten Deutsch als Amtssprache fest, betonte Memet Kilic (Bündnis 90/Die Grünen). Aus seiner Sicht müsse das reichen.

Ähnlich deutlich äußerte sich Peter Röhlinger (FDP). Er wies auf die zunehmende Internationalisierung von Wissenschaft und Wirtschaft hin. Unter Umständen könne es auf Fachkräfte abschreckend wirken, wenn sie zunächst Deutsch lernen müssten.

Sprache befinde sich immer im Wandel, betonte Agnes Alpers (Die Linke). Sprachkultur werde von allen Menschen einer Gesellschaft entwickelt und Deutschland sei eine multikulturelle Gesellschaft. Zudem wies Alpers darauf hin, dass gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund, die eine gute zweisprachige Beziehung genossen hätten, einen hohen Bildungsstand und gute gesellschaftliche Teilhabe nachweisen könnten.”


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, WISSENSWERTES

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Rechtschreibhindernis

04. November 2011

In der  Rhein-Zeitung online stand am  25. Juni 2008:

 

“Bewer­ber für den rhein­land-pfälzi­schen Poli­zei­dienst schei­tern nach Beo­bach­tun­gen der Lan­des­poli­zei­schule vor allem an ihren man­gel­haf­ten Recht­schreib­kennt­nis­sen.
Das Diktat sei «für Etliche eine erheb­liche Hürde», sagte die an dem Aus­wahl­ver­fah­ren betei­ligte Diplom-Psy­cho­login, Chris­tine Telser, in einem Gespräch mit der Deut­schen Presse-Agentur dpa in Koblenz. Zudem sei zu beob­ach­ten, dass immer mehr Bewer­ber im Aus­wahl­ver­fah­ren Pro­bleme hätten, über Hin­der­nisse zu klet­tern oder Purzelbäume zu schla­gen.”

Auch wenn die reformierten Regeln öfter mal Purzelbäume schlagen: Schlechter schreiben als die Polizei erlaubt – ist ein Hindernis. Strafpunkte erhält auch die Schreibung “Etliche”. Das Pronomen schreibt man immer klein.

Andreas Cyffka 


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN

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