Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Kälte

07. Februar 2012

Was beherrscht die Medienlandschaft in diesen Tagen wie kein anderes Thema – der Euro, die Weltlage, der Bundespräsident? Alles gut und schön oder auch nicht schön, aber : DAS Thema im Februar 2012 ist DIE KÄLTE. Die Kälte lässt auch Deutschblogs gefrieren, meinen Sie, denn Kälte und deutsche Sprache sind nun nicht gerade ein Traumpaar der Themenfindung? – Dachte ich auch, aber weit gefehlt. Rasch gegoogelt, stark gewundert: Was Wetter auch sprachlich so alles anrichtet! Ein Blogger ereifert sich sprachkritisch:

“Wenn das Thermometer in beunruhigende Minusgrade sinkt, wird alsbald behauptet, nunmehr herrsche klirrende Kälte. Wieso aber klirrend? Das so bezeichnete Geräusch entsteht, wenn metallene oder irdene Gegenstände aneinanderstoßen. Das hört sich bei Kälte, auch sehr strenger, nicht viel anders an als bei Wärme. Es klirrt hier wie dort. Was also soll bei Kälte klirren? Der Schnee keinesfalls und das Eis auf Flüssen und Seen auch nicht; Letzteres knirscht und kracht. Die Kombination von Klirren und Kälte ist Unsinn. Allenfalls kann Eis ein an brechendes Glas erinnern, etwa wenn ein Stück einer ausreichend großen (und dünnen) Eisscholle zerbricht. Dieses, relativ selten auftretendes, Ereignis jedoch als Grund für klirrende Kälte, anzuführen, ist ‘meterologischer Pessimismus’. Schließlich entstehen besagte Eisschollen auch bei anderen Temperaturen.” Nun gut, das klingt alles sehr logisch, aber: Kann es sein, dass es beim Klirren der Kälte nur um die ALLITERATION geht? Das würde auch erklären, warum Google 70.700 Funde von “knackige Kälte” für wetterzentrierte Sprachforscher bereithält. Und nur Bild darf, was Bild darf: Da werden die Minusgrade auch schon mal zur KILLER-KÄLTE. Was unsere These von der Alliteration stützt.

Und weil’s so schön war, noch mal Bild: “Jetzt schießt die Kälte sogar schon die Gullydeckel aus dem Boden.” So ist das, wenn’s richtig kalt wird. Der Focus schreibt dieser Tage: “Zugegeben, es ist kaltniedrig. Aber so kalt nun auch nicht.” Kaltniedrig? Also, ich kenne zartgliedrig, feingliedrig, aber: kaltniedrig? Wissen Sie vielleicht mehr? Eine Meldung von RP-Online: “Der Autohersteller BMW hat Pech mit einer Werbeaktion: Zwar reden derzeit alle von “Cooper” – doch die eisige Wetterlage bringt mit Hunderten Kältetoten vor allem negative Schlagzeilen. Dabei sollte das Kältehoch der werbewirksame Namenspate für ein Kleinwagenmodell von BMW sein. BMW hat sich mit seiner Werbeaktion keinen Gefallen getan: Das berühmte Automodell “Mini Cooper” ist Namenspate für das derzeitige sibirische Kältehoch “Cooper”. Das Unternehmen hatte sich schon vor einiger Zeit beim Institut für Meteorologie an der Freien Universität Berlin die Namenspatenschaft für “Cooper” gesichert, erklärte eine BMW-Sprecherin.” 

Denk dir dein Deutsch

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES


Kommentare

  • S. Fichte |  07.02.2012

    Siehe auch alliterativ unter:
    “Kälteticker”. Nun sind auch die Tiere betroffen (mit kurzem dann langem Vokal):
    Es bibbern die Biber
    Freundliche Grüße, S. Fichte

  • Lukas |  09.02.2012

    Deutsche Sprache, schwere Sprache. Interessanter Beitrag, die Kälte wird aber langsam zu viel.


Seite auf