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23. April 2012

 

Die Kölner Historikerin Dr. Maren Möhring erhält den Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2012 für ihre Habilitationsschrift über die Internationalisierung der Ernährung in der Bundesrepublik.

Was zunächst recht wissenschaftlich und abstrakt anmuten mag, ist eines ganz gewiss nicht: trocken! Oder finden Sie einen gut gekühlten Retsina trocken, ein Kebab, ein Gyros oder  einen samtigen Barolo?  Heute gehen wir ganz  selbstverständlich zum ”Italiener” oder zum “Griechen”. 

Die mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnete Arbeit beschäftigt sich mit der hochinteressanten Frage, seit wann und wie sich die ausländische Gastronomie in Deutschland durchgesetzt hat  und warum manche “ethnische” Küchen erfolgreich sind und andere nicht.

Ein interessanter Aspekt ist z.B., dass  italienische oder auch griechische Restaurants in den Anfängen besonders von Menschen aufgesucht wurden, die sich eher in der linken Subkultur und der Studentenbewegung ’68 verorteten.

Nach dem Militärputsch in Griechenland emigrierte Griechen haben sich häufig in der Gastronomie selbstständig gemacht – mit  Tavernen, in denen politische Diskussionen stattgefunden haben”, sagt Historikerin Maren Möhring.Auch das Kulinarische war politisch. Mit dem Restaurantbesuch grenzte man sich von der bürgerlichen Welt ab des Elternhauses ab: vom spießigen Deutschen.

 Seit Mitte der 50er-Jahre beginnt in  Deutschland der Aufstieg der “ethnischen Küche” . Zunächst mit der Funktion, die vorwiegend italienischen Gastarbeiter mit  ihren gewohnten Nahrungsmitteln zu versorgen, boomte sie ab den 70er-Jahren. Die mit der Ölkrise einsetzende Wirtschaftsflaute schuf schlechte Bedingungen für die “Gastarbeiter”, die neue Verdienstmöglichkeiten suchten und in der Gründung von Restaurants fanden.

 In den 60er-Jahren entdecken die Deutschen Bella Italia als Urlaubsland und wollen fortan auch in Deutschland  mediterranes Essen genießen.

 Auf Italiener und Balkanrestaurants folgten Griechen und Spanier. Und dann – kamen auch die Asiaten: Thailänder, Japaner, Vietnamesen. Fast Food wurde übrigens nie geografisch definiert, obwohl es eindeutig amerikanisch ist.  Eingang in deutsche Mägen und die deutsche Sprache haben u.a. gefunden:

Antipasto, Barolo, Calamares, Cannelloni, Cappuccino, , Chorizo, Culatello, Döner EspressoGlückskeks, Gnocchi, Gorgonzola, Gyros, Grappa  Kebab,  Köfte,  Lambrusco, Latte macchiato, Mortadella, Ouzo, Paella, Panettone, Panna Cotta, Parmaschinken, Pizza, Prosecco, Raki, Retsina, Risotto, Sashimi, Schaschlik, Sojasauce, Souflaki, Spaghetti, Surimi, Tiramisu, Wok, Zabaione, Zaziki

 

BESSER SCHMECKT’S, WENN RECHT GESCHRIEBEN

Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, WISSENSWERTES


Kommentare

  • Keks |  24.04.2012

    Ich stelle mir immer mal wieder die Frage nach dem Grammatikalischen Geschlecht meines Fastfoods. “Die Falafel”? “Der Döner”?
    Aber wrum sagen die Leute “Das Baguette”, wo doch in Frankreich “la baguette” gesagt wird? Mysterium Speisengrammatik.

  • Deutschblogger |  25.04.2012

    Auch ich würde “die Falafel” und “der Döner” sagen. Beim Baguette sind beide Varianten möglich: “das” und “die”.


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