Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Rechtschreibung ist die Wissenschaft der Esel

12. April 2012

 

Reinhard Mey – der Name sagt Ihnen nicht nur “etwas”, liebe Leser, falls Sie nicht unbedingt zu den jüngsten Bloglesern gehören.  Dass die Freiheit über den Wolken wohl grenzenlos sein muss, das hat man im Ohr. Und mit  dem Antrag auf  Erteilung eines Antragsformulars nahm der Liedermacher nicht nur in unsterblicher Weise die Behördensprache aufs Korn, sondern schuf ein unvergängliches Stückchen Deutsch. Umso interessanter fand ich den Fund des mir bis dato unbekannten Mey-Songs “Der Unendliche Tango Der Deutschen Rechtschreibung”. Das mit den Worten “Hab’ ein altes Heft gefunden” beginnende Lied beschwört offensichtlich nicht nur glückliche Erinnerungen des Erzählers an die Schulzeit im allgemeinen, den Deutschunterricht im besonderen herauf.

Von einem “bösen, roten Stift” ist die Rede, der “mit sadistischem Vergnügen” in der “armen Niederschrift” nicht korrigiert, nein: “metzelt”.

Der Autor rezitiert alte Rechtschreibmerksprüche: “Nach L N R, das merke ja, stehn nie T Z und nie C K!

Bildest die Mehrzahl du vom Wort, dann hörst die Endung du sofort!

Nimm die Regel mit ins Bett: Nach Doppellaut kommt nie T Z!”

Der Autor spürt: “Mich interessiert das Leben und nicht, wie man’s buchstabiert!” Er wird ” Anarchist”, der begreift, dass die Rechtschreibung die Wissenschaft der Esel ist.”

“Rechtschreibung” reimt sich dann anschließend noch einmal zwanglos mit “Bevormundung.” Rechtschreibung als ”endloser Tango”, dem zu “trotzen” ist. Ein interessanter Fund, der Schlaglichter auf manches wirft: Auf die Schule einer anderen Zeit.  Auf Wahrnehmungen des Phänomens “Rechtschreibung”, die wir hier nicht in naiver Weise der Person Reinhard Mey zuschreiben, die aber durchaus auch gegenwärtig nicht gänzlich unbekannt sind: Dass das Beanstanden von Rechtschreibfehlern etwa dem Beanstander Vergnügen bereite: “Rechtschreibbashing”.  Das finden Sie in fast jedem Internetforum deutscher Sprache.

Und ob die deutsche Rechtschreibung die Wissenschaft der Esel ist? Also, aufs Eis ist sie ja schon mal gelangt. Der Rest ist Schweigen.

Nur  S und T, die darf man heute trennen. Das tut – zumindest ihnen – nicht weh.

 

THE GERMAN LANGUAGE BLOG

 Andreas Cyffka


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, POESIE


Kommentare

  • S. Fichte |  12.04.2012

    … eine altes Heft? Kann auch eigentlich meine Tastatur “Eselsohren” kriegen, wenn ich immer wieder wegen deutscher Rechtschreibung online gehen muss?
    Großartig – weiter so !!!!
    S. Fichte

  • Deutschblogger |  26.04.2012

    Danke, das motiviert!


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