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Weil richtig schreiben wichtig ist

Du Fisch

29. Mai 2012

 
 

Die Stuttgarter Nachrichten berichteten Anfang des Jahres über einen interessanten Sprachgebrauch.

Nach einer frühmorgendlichen Rangelei vor gut einem Jahr auf dem Parkplatz eines Fellbacher Schnellrestaurants legten die Beamten einem der zwei alkoholisierten, renitenten jungen Männer Handschließen an. Das fand sein Kumpel überhaupt nicht in Ordnung, und er schleuderte den Beamten darauf ein „Fisch“ entgegen.

Der Fall landete vor dem Waiblinger Amtsgericht. Der “Fisch” wurde mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 15 Euro, in der Summe also 300 Euro, geahndet.

Die Kommentare der Richterin in der „Fisch“-Verhandlung  wurden von vielen Polizeibeamten trotz der Geldstrafe als unangemessen angesehen:  „Fisch ist ein schweres Schimpfwort“, erklärte einer der Polizisten im Zeugenstand. Darauf die Richterin: „Wenn er Sie Esel, Schwein oder Bulle genannt hätte, könnte ich das verstehen – aber Fisch?“ Sie jedenfalls, so wiederholte sie später im Prozess nochmals, würde sich durch „Fisch“ nicht beleidigt fühlen, diese Bezeichnung sei „nicht wirklich schlimm“.

Tatsächlich hat sich mittlerweile auch der Chef der Waiblinger Polizeidirektion per Brief ans Amtsgericht gewandt. Ihm gehe es um den grundsätzlichen Respekt, den Polizeibeamte – nicht als Privatmenschen, sondern als Vertreter des Rechtsstaats – verdienten. Außerdem verweist er auf eine kürzlich von einer Berufsschullehrerin aus Markgröningen erhobene Befragung in der eigenen Klasse, wonach das Schimpfwort „Fisch“ in einer Skala von eins bis zehn (Höchstwert gilt als beleidigend, unverschämt) zumindest Polizisten gegenüber zwischen sieben und zehn anzusiedeln sei.

Die Stuttgarter Nachrichten zitierten in diesem Zusammenhang auch das Pons Wörterbuch der Jugendsprache 2012, welches als Bedeutungserklärung von „Fisch“ „Trottel, Idiot“ angibt.

Andreas Cyffka

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Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN


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