Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Liebe Mitgliederinnen und Genusinnen!

03. Mai 2012

 

Eine aktuelle Zuschrift zu PONS Die deutsche Rechtschreibung fragt: Gibt es “Mitgliederinnen” als weibliche Form zu “Mitglied”?

Ein Blick in Foren und Ratgeberseiten zeigt, dass die Frage nicht so selten gestellt wird. “Im Briefkasten lag ein Schreiben meines Sportvereins, das die Anrede “An alle Mitglieder und Mitgliederinnen” enthielt. Allerdings wurden weiter unten auch noch einmal alle Mitglieder und Mitgliederinnen dazu aufgefordert, an der Wahl des neuen Schatzmeisters teilzunehmen. Es schien sich also nicht um ein Versehen zu handeln.”

In der Tat ist es kein Versehen, sondern schlicht falsch. Da “Mitglied” im Gegensatz zu “Lehrer” (Maskulinum) und “Kollege” (Maskulinum) NEUTRUM ist, lautet die Pluralform “Mitglieder”.

Und welch verschlungenen Pfade führen dann zur Mitgliederin?   

Das Maskulinum ist nicht mehr das, was es mal war,” sagt die Pionierin der feministischen Sprachkritik Luise F. Pusch im  dieStandard.at-Interview.

“Die Zeiten, in denen sich Frauen durch die Verwendung des Maskulinums auch angesprochen fühlen mussten, sind vorbei. Ob Selbstverständlichkeit oder Ärger über die “Umständlichkeiten”, Thema ist die sprachliche Repräsentation von Frauen allemal und das schon ziemlich lange.

Die häufigsten Formen sind die Doppelformen (Freundin und Freund), die Schrägstriche (Freund/in) oder das Binnen I (FreundInnen). Darüber hinaus gibt es noch Methoden wie das Sternchen statt Endungen, wie “er” “in” (statt Liebe Leserin, Lieb* Les*), oder den Unterstrich, der einen Leerraum zwischen der männlichen und der weiblichen Form markiert (Leser_innen).”

“Natürlich ist die Handhabung in den verschiedenen Gesellschaftskreisen unterschiedlich, aber es wissen doch mittlerweile alle, dass diese Kritik existiert und dass es als unhöflich gilt, eine gemischte Gruppe – ob auf dem Papier oder direkt – nur mit dem Maskulinum anzuherrschen.”

Da kann  Mann sich noch so sehr gegen geschlechtergerechte Sprache stemmen – oder halt auch übereifrig übers Ziel hinausschießen.

Peinlich? Ach, was! Das passiert ja auch dem deutschen Germanistenverband. Und man schafft es dann mit etwas Glück bis in die FAZ.

 Wie schrieb eine Userin in einem Forum so schön: “Ich habe noch was Nettes, das eine Freundin in einer renomierten renommierten deutschen Tageszeitung gefunden hat:

Witwer und Witwerin finden spätes Glück in der Südsee.

Damit eine gute Nacht!”

 Ja, genau: Gute Nacht! 

DEN DEUTSCHEN UND DEUTSCHINNEN


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, WORTSTICHELEI


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