Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Ionisierung

18. Juni 2012

 

Die nachsilbe “-ion” ist ein häufig gebrauchtes Mittel, um im Deutschen Substantive zu bilden. Wikipedia führt aus:

“Die meisten Wörter mit dem Suffix -ion im Deutschen sind Feminina, die sich meist auch von Feminina im Lateinischen herleiten lassen. So geht etwa Nation auf natio zurück, Religion auf religio (im Lateinischen ist der Buchstabe n, der eigentlich auch dort zu dem Suffix gehört, im Nominativ und Vokativ nicht erhalten geblieben, aber in allen anderen Formen noch zu finden).

Diese Feminina sind entweder Abstrakta – etwa Religion – oder Substantivierungen zu Verben, die im Deutschen in der Regel auf -ieren enden (Bsp.: Operation – operieren).

Auch das lateinische Suffix -io wird, wie auch -tio, -sio und -tus, häufig bei der Umwandlung von Verben in Substantive verwendet. Hier liegt meist ein kontinuativer Aspekt vor, d. h., das Wort bezeichnet den Verlauf einer Handlung: ratio etwa ist der „Vorgang der Berechnung“, oratio die „Rede, die gehalten wird“. Häufig ist die Kombination mit einem „t“ zu -tio(n), die sich aus einem Partizip Perfekt Passiv des Lateinischen ableitet.[1]

Im Deutschen aber besitzt es, soweit überhaupt ein Verbalaspekt vorliegt, auch die Bedeutung von Handlungen, die schon abgeschlossen sind oder noch gemacht werden (perfektiver bzw. imperfektiver Aspekt), und ist dann Pendant zu -ung. Nicht jedes Wort auf -ion hat allerdings erkennbare Wurzeln in einem Verb.

-ion gehört zu den produktivsten lateinischen Suffixen der wichtigsten europäischen Sprachen, der romanischen wie auch des Deutschen und Englischen.[3] Es hat in allen Sprachschichten über das Mittel- und Spätlateinische, Italienische, Französische (Dekoration, Pension), Englische (Lotion) wie auch die wissenschaftliche Fachsprache (Detonation, Sponsion) Eingang ins Deutsche gefunden.

Herkunft aus dem Griechischen [Bearbeiten]Sehr viel seltener trifft man im Deutschen auch Substantive an, die auf -ion enden, aber nicht aus dem Lateinischen, sondern aus dem Griechischen stammen. Diese werden im Gegensatz zu jenen nicht auf der Endsilbe betont, sondern auf der Silbe, die auch in der Herkunftssprache den Akzent trug, und sind neutra. So stammt etwa das Symposion von συμπόσιον ab. Im Deutschen wird für solche Wörter allerdings entweder neben der aus dem Griechischen stammenden Endung -ion auch die lateinische Neutrumsendung -ium verwendet – so existiert neben Symposion auch Symposium – oder die griechische Endung ist überhaupt von der lateinischen verdrängt worden. Beispielsweise spricht man nur noch vom Evangelium oder Museum und verwendet die lateinische Endung, obwohl diese Wörter aus dem Griechischen stammen.”

THE GERMAN LANGUAGE BLOG


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHLICHES, GELESEN, WISSENSWERTES


Kommentare

  • SchwarzerPeter |  18.06.2012

    Live miterleben in Halle F.4, Stand 25b der Abstrakta?

  • Heinrich B. |  18.06.2012

    Scherz beiseite, als pensionierter Lehrer finde ich sehr schade, dass die Klassik heutzutage in der Schule an Bedeutung verliert – gerade durch das Lernen dieser Sprachen gewinnt man Überblick über die Struktur und Sinn der Sprache / der Substantivbildung!


Seite auf