Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Wi bekieken uns Deutsch

12. Juli 2012

 

Der Tagesspiegel berichtete kürzlich über Initiativen zur “Rettung” der im deutschen Norden gesprochenen Variante des Deutschen.

“Wi äten Frühstück. Wi bekieken uns Bäuker, wi spälen mit Poppen.“ So beginnt der Tag in einigen Kindertagesstätten in Mecklenburg-Vorpommern. Erst mal gemeinsam frühstücken, dann ran an die Bücher und die Puppen – betreut von einer Niederdeutsch sprechenden Erzieherin. In 20 Modellkitas des Landes haben die Kinder in den vergangenen zwei Jahren so Plattdeutsch gelernt.”

Frühpädagogik und Mundart – über dieses Verhältnis und seine Ausprägung in Bayern hatte der Deutschblog erst geschrieben, Die deutschen Dialekte sind im Mittelalter aus den Sprachen germanischer Stämme entstanden, nämlich der Alemannen, Franken, Bayern, Sachsen und Thüringer. Das Niederdeutsche hat sich aus dem Altsächsischen entwickelt und weist bis heute eine besondere Nähe zum Englischen, Niederländischen und Friesischen auf. Die niederdeutschen Dialekte unterscheidet es von den übrigen, den hochdeutschen Dialekten, dass sie eine entscheidende Sprachentwicklung der deutschen Dialekte nicht vollständig vollzogen haben: die „Zweite Lautverschiebung“: Etwa im 6. Jahrhundert begann in den Dialekten die regelhafte Verschiebung der Konsonanten p, t und k.

So heißt “schlafen” im Niederdeutschen “slapen” (vgl. Englisch “sleep”), während in den hochdeutschen Dialekten das p zu f und pf wurde. Aus t machte die “Zweite Lautverschiebung” s oder z: Im Neuhochdeutschen heißt es darum „was“ und „das“, im Niederdeutschen „dat“ oder „wat“ sowie „Zeit“gegenüber „Tied“ im Niederdeutschen (englisch tide). Das k wurde zum ch: „ich“ statt wie im Niederdeutschen „ik“.

Das Niederdeutsche konnte sich als Schriftsprache neben dem Hochdeutschen nicht behaupten. Die städtische Oberschicht im Norden nahm schon im 15. Jahrhundert das Hochdeutsche an, schon um 1700 gibt es kein bedeutendes Schrifttum in niederdeutscher Sprache mehr. Als Gründe werden Luthers Bibelübersetzung und die politische und kulturelle Schwäche des Nordens angeführt. Niederdeutsch war bald nur noch Umgangssprache auf dem flachen (niederdeutsch: platten) Land und galt als Sprache der einfachen Leute.

In Hamburg ist das Niederdeutsche seit einem Jahr reguläres Schulfach, in Schleswig-Holstein wird es vielerorts in den Unterricht einbezogen. Weiter reichende Schulversuche im ganzen niederdeutschen Sprachraum hat im April etwa der „Bundesraat för Nedderdüütsch“ im westfälischen Münster diskutiert. Hintergrund ist die Europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen, nach der sich Deutschland 1999 verpflichtet hat, neben Friesisch oder Sorbisch auch das Niederdeutsche zu fördern und an Schulen zu unterrichten.

Sprechen die Kinder dann auch im Alltag Platt? Das sei nicht gesichert. Jedenfalls sei der Schulunterricht der einzige Weg, um das Plattdeutsche zu stabilisieren, wenn es nicht mehr über die Familie weitergegeben wird.

In weiten Landstrichen, vor allem in Brandenburg und in Teilen Westfalens, ist das Niederdeutsche weitestgehend verdrängt. Man spricht Hochdeutsch, das durch andere regionale Dialekte beeinflusst ist.

FRIENDS OF DEUTSCHBLOG

 

 

Andreas Cyffka


DEUTSCH: BEKIEK DAT

 


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHLICHES, FREUT UNS, GELESEN, WISSENSWERTES


Kommentare


Seite auf