Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Schöner Döner

27. August 2012

 

Das ist schon so eine Sache mit den alten Germanen – so viel Nebel der Geschichte liegt zwischen dem Historiker und den tief in der Vergangenheit  vergrabenen Fakten. Und dann erst die Indogermanen! Noch mehr Nebel, noch tiefere Vergangenheit. Und den Sprachforschern geht es kaum besser als den Historikern.  Es gibt Theorien über den Ursprung der indogermanischen Ursprache;  es gibt Befürworter der einen und der jeweils anderen.  Zurückhaltung steht  seriösen Wissenschaftlern gut zu Gesicht.

Journalisten sind da viel weniger zurückhaltend. Sie wollen gelesen werden Ihnen liegt die große Geste näher, das große Wort, die starke Metapher, die Schlagzeile, welche Leser anzieht.

Der Schweizer Blick titelte dieser Tage:  Pötz Döner! Jetzt sind wir plötzlich alle Türken. Der Spiegel hielt den Ball ein wenig flacher mit: Deutsch stammt aus der Türkei. Vollmundiger gefiel es dem  Stern: Die deutsche Sprache ist gebürtige Türkin.

Solche Schlagzeilen vermitteln Halbwahrheiten. Der Leser, der Sprachliches nur den Medien entnimmt, wird zu falschen Schlüssen geführt.

Was war geschehen? Neuseeländische Forscher um Quentin Atkinson von der University of Auckland haben eine Studie veröffentlicht,  nach der der  Entstehungsraum der indogermanischen Ursprache im Gebiet des heutigen Anatolien geortet worden sei. Ihre der Genetik entlehnte Methode ist jedoch nicht unumstrittenen.

Unmittelbare Zeugnisse der  Ursprache gibt es nicht.  Die meisten Wissenschaftler lokalisieren ihren Enstehungsort  etwa zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Die neuseeländischen Forscher glauben halt Beweise zu sehen, dass der Ort etwas weiter südwestlich liege, nämlich in Kleinasien (Anatolien).

Fakt ist: Die deutsche Sprache  stammt nicht aus Kleinasien, sondern ist in Mitteleuropa entstanden.

Türkisch ist keine indogermanische Sprache, sondern eine Turksprache, die zu den altaischen Sprachen zählt. Die indogermanischen anatolischen Sprachen (zum Beispiel Hethitisch) sind allerdings  ausgestorben.

Allerdings heißt es auch im Stern-Artikel:

“Doch das Ergebnis stößt nicht überall in der Fachwelt auf Zustimmung: David Anthony, Archäologe vom Hartwick College in Oneonta (US-Bundesstaat New York), kritisiert in einem Begleitartikel zur Studie, dass Atkinsons Team seine Untersuchung auf einzelne Wörter gestützt, Grammatik und Sprachstruktur aber außer Acht gelassen hätte. “Der Beitrag wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet”, meint Anthony.”

Tja, da ist er wieder, dieser Nebel. Puh, ist das aber auch anstrengend mit  dieser Sprachgeschichte: Jetzt erstmal einen Döner. Ich muss nicht viel sagen. Scharf bitte. Mit Zwiebeln. Der Mann in der Dönerbude  kennt meine Vorliebe. Wir verstehen uns.

 

Andreas Cyffka | 

DEUTSCH: MIT ALLEM VERBUNDEN


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES


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